Erdrutsche und Sturzfluten möglich

Neues Extrem-Wetter rollt auf Deutschland zu: Vb-Lage droht – Warnung vor „Flutwelle 2.0“

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Vom Sommer-Wetter ist in Deutschland noch nichts zu merken, stattdessen bleibt es wohl durchwachsen und frisch. Die Hochwasser-Lage bleibt angespannt.

München – Wer sich nach dem Sommer sehnt, muss sich offenbar noch gedulden. Der Juni zeigt sich nämlich so gar nicht von seiner warmen Seite – ganz im Gegenteil. „Der Juni könnte einen Totalabsturz hinlegen in Sachen Sommerwetter“, sagt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Die Prognose für die nächsten Wochen ist demnach alles andere als sonnig.

Hochwasser und Regen statt Sommerwetter in Deutschland: Prognose ist wenig optimistisch

In den vergangenen Wochen fiel bereits viel Regen, besonders im Süden Deutschlands kam es zu zahlreichen Hochwassern, auch Österreich und das Alpenland wurden schwer getroffen – und es bleibt weiter nass. In Süddeutschland droht noch weiterer Regen, der Bäche und Flüsse erneut ansteigen lassen könnte. Zwar soll es weniger drastisch werden, als zuletzt, trotzdem warnt Jung: „Hier und da kann es durchaus wieder Erdrutsche und Sturzfluten geben. Da muss man wirklich auf der Hut sein.“

„Kaum zu glauben, aber wahr“, es soll sogar eine Vb-artige Wetterlage möglich sein, fürchtet der Fachmann. „Sandsäcke und Hochwasserschutz sollten im Süden noch nicht beiseitegelegt werden. Die aktuellen Entwicklungen sollte man ernst nehmen und als Vorwarnung verstehen. Sollten die berechneten Niederschläge so eintreten, droht eine Flutwelle 2.0.“

Bilder vom Hochwasser in Deutschland: Zahlreiche Orte unter Wasser – es gibt Tote und Vermisste

Pfaffenhofen in Oberbayern ist dramatisch vom Hochwasser betroffen. Die Einsatzkräfte haben einen schweren Verlust zu verkraften. An der Ilm war am Wochenende ein Feuerwehrmann bei einer Rettungsaktion ums Leben gekommen. Doch die Gefahr verlagert sich auch nach Passau und Regensburg.
Pfaffenhofen in Oberbayern ist dramatisch vom Hochwasser betroffen. Die Einsatzkräfte haben einen schweren Verlust zu verkraften. An der Ilm war am Wochenende ein Feuerwehrmann bei einer Rettungsaktion ums Leben gekommen. Eine Frau starb in ihrem gefluteten Keller in Schrobenhausen. Ein Feuerwehrmann wird bei Günzburg vermisst. Doch die Gefahr verlagert sich auch nach Passau und Regensburg. Die Bilder vom Wochenende und vom Montag. © Jason Tschepljakow/dpa
Eine Uferstraße ist vom Hochwasser überschwemmt. Die Drei-Flüsse-Stadt Passau in Niederbayern hat aufgrund des Starkregens ebenfalls mit erheblichem Hochwasser zu kämpfen. Der Pegelstand der Donau stieg am Sonntag auf mehr als 7,70 Meter, wie der Hochwassernachrichtendienst mitteilte. Zahlreiche Straßen und Plätze in Stadtgebiet stehen unter Wasser.
Eine Uferstraße ist vom Hochwasser überschwemmt. Die Drei-Flüsse-Stadt Passau in Niederbayern hat aufgrund des Starkregens ebenfalls mit erheblichem Hochwasser zu kämpfen. Der Pegelstand der Donau stieg am Sonntag auf mehr als 7,70 Meter, wie der Hochwassernachrichtendienst mitteilte. Zahlreiche Straßen und Plätze in Stadtgebiet stehen unter Wasser.  © Markus Zechbauer/Zema Medien/dpa
nden einen Stand von 5,80 Meter erreicht, wie die Stadt mitteilte. Die historische Wurstkuchl wird mit einer Schutzwand vor dem Hochwasser der Donau geschützt.
Das Wasser der Donau steigt und steigt, nun hat auch Regensburg den Katastrophenfall ausgerufen. Die Wasserhöhe am Messpunkt Eiserne Brücke habe in den Morgenstunden einen Stand von 5,80 Meter erreicht, wie die Stadt mitteilte. Die historische Wurstkuchl wird mit einer Schutzwand vor dem Hochwasser der Donau geschützt.  © Armin Weigel/dpa
Auch Menschen in Baden-Württemberg sind weiter in großer Gefahr. Hier ein Blick auf Täferrot, wo der Fluss Lein über die Ufer getreten war und Überschwemmungen verursacht hatte.
Auch Menschen in Baden-Württemberg sind weiter in großer Gefahr. Hier ein Blick auf Täferrot, wo der Fluss Lein über die Ufer getreten war und Überschwemmungen verursacht hatte. © Jason Tschepljakow/dpa
Autos fahren durch eine von Hochwasser betroffene Kreisstraße zwischen Beuren und Illerrieden
Besonders im Süden hat das befürchtete Unwetter voll zugeschlagen. In Baden-Württemberg regnete es seit den Samstag-Morgenstunden (1. Juni) heftig. Straßen wurden geflutet, wie hier zwischen Beuren und Illerrieden. © Marius Bulling/Imago
Hochwasser in Babenhausen (Bayern).
Im Laufe des Samstagvormittags (1. Juni) wurden in fünf bayerischen Landkreisen der Katastrophenfall ausgerufen. Mehrere Menschen mussten mit dem Boot gerettet werden, so wie hier in Babenhausen. © Stefan Puchner/dpa
Feuerwehrleute arbeiten überfluteten Straße in Ichenhausen, nachdem die Günz übergetreten war.
Im Landkreis Günzburg (Bayern) ist die befürchtete Jahrhundertflut eingetreten. Feuerwehrleute arbeiten an überfluteten Straßen in Ichenhausen, nachdem die Günz übergetreten war. (Foto-Collage) © dpa/Foto-Collage
Rettungskräfte fahren die Hochwasserlage in Bayern (Fischbach) mit einem Jetski ab.
In den angrenzenden Landkreisen Günzburg und Augsburg wurde im Laufe des Samstagvormittags der Katastrophenfall ausgerufen, nachdem die Pegelstände stark angestiegen waren. Im Ort Fischbach (Landkreis Augsburg) verschaffen sich Einsatzkräfte mit Jetskis einen Überblick über die Lage. © dpa
Hochwasser nach Extremwetter in Haselbach (Bayern).
Doch auch andere Teile Bayerns sind stark betroffen. In der Gemeinde Haselbach östlich von Regensburg hat der Dauerregen einen Spielplatz komplett unter Wasser gesetzt. © Stefan Puchner/dpa
Hochwasser nach heftigen Unwetter zwang den Rettungshelikopter auszurücken in Bayern.
Der Rettungshelikopter musste ebenfalls ausrücken. Personen mussten aus ihrem Haus auf dem Luftweg befreit werden, da sie sonst nicht mehr herausgekommen wären. © Stefan Puchner/dpa
Feuerwehrleute kämpfen gegen das Hochwasser in Ochsenbach, Baden-Württemberg.
Auch in Baden-Württemberg haben zahlreiche Einsatzkräfte mit dem Unwetter zu kämpfen. In Ochsenbach nordwestlich von Memmingen stapeln Feuerwehrleute Sandsäcke und pumpen Wasser ab. Die schlimmste Unwetter-Zelle hielt sich am Samstag (1. Juni) zwischen München und Stuttgart. © Thomas Warnack/dpa
Hochwasser auch auf den Straßen in Ochsenbach, Baden-Württemberg.
Dennoch waren im Ort zahlreiche Straßen geflutet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) riet von Aufenthalten im Freien ab. © Thomas Warnack/dpa
Unwetter-Lage in Baden-Württemberg.
Hier findet sicher so schnell kein Fußballspiel statt. Eigentlich sollte der SV Daugendorf im Ortsteil der Stadt Riedlingen (Baden-Württemberg) am Samstag (1. Juni) das letzte Spiel der Runde ausrichten. Nach den Unwettern steht der Platz unter Wasser.  © Thomas Warnack/dpa
In Sachsen haben Einsatzkräfte schon am Freitagabend (31. Mai) Vorkehrungen getroffen.
Seit Tagen herrscht in Deutschland die Sorge vor heftigen Unwettern und einer Jahrhundertflut. In vielen Regionen, wie hier in Sachsen, haben Einsatzkräfte schon am Freitagabend (31. Mai) Vorkehrungen getroffen.  © Katrin Mädler/dpa
In Bad Wörishofen im Unterallgäu, staut sich das Hochwasser nach andauernden Regenfällen an.
Im Unterallgäu hatte sich schon am späten Freitagabend (31. Mai) an einigen Stellen Wasser angesammelt. Die Behörden bereiteten am Samstagvormittag eine Evakuierung vor und rieten den Bewohnern freiwillig ihre Häuser zu verlassen. Vor allem in Hanggebieten sind Erdrutsche möglich, warnt der DWD. © Bernd Feil /Imago
Überflutete Straße in Lindau am Bodensee.
In Lindau am Bodensee verschluckte Hochwasser auf gefluteten Straßen in der Nacht zum Samstag einen Van. © Bernd März/dpa

Das Wetter in Europa ist von Tiefdruckgebieten geprägt, die von West nach Ost ziehen. Von einer Vb-Wetterlage spricht man, wenn das Gebiet jedoch von Westen über den Mittelmeerraum nach Europa zieht und gewissermaßen eine V-Kurve zieht. Aus dem Mittelmeerraum nimmt das Tiefdruckgebiet sehr viel Feuchtigkeit mit, deshalb bringt es häufig Regen.

Laut der Prognose des europäischen Wettermodells vom 05. Juni könnten in Süddeutschland nochmals bis zu 200 Liter Regen fallen. In manchen Regionen Bayerns droht von Freitag bis Sonntag Starkregen, für einige Ortschaften wäre das ein echter „Super-GAU“. Denn: „Dieses Mal sind die Böden aber randvoll mit Wasser und die großen Flüsse sinken aktuell nur langsam ab. Sollte die nächste Flutwelle kommen, dann wären sie immer noch gut gefüllt und das könnte die Lage deutlich verschärfen“, so Jung.

Meteorologe zum Wetter im Juni: „Richtig in die Pötte kommt der Frühsommer nicht.“

Im Rest des Landes gibt es deutlich weniger Niederschlag. Zwischen einem und zehn Litern Regen sind möglich, an der Nordsee etwas mehr. Von Sommer-Wetter ist jedoch auch im Rest des Landes nichts zu sehen. Wer auf höhere Temperaturen hofft, wird wohl ebenfalls enttäuscht. Voraussichtlich bleibt die Durchschnittstemperatur bei um die 20 Grad Celsius. „Mehr ist da nicht drinnen“, sagt Jung. „Richtig in die Pötte kommt der Frühsommer nicht.“

Der Juni bleibt weiter frisch und teilweise regnerisch, vom Sommerwetter ist noch nichts in Sicht. (Symbolbild)

Am Wochenende wird es in Süddeutschland durchwachsen und es fällt wohl erneut Regen

Im Süden Deutschlands ist es etwas wärmer, aber auch regnerischer. Weiter nördlich kommen die Temperaturen kaum mal über die 20 Grad. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (05. auf 06. Juni) fallen die Temperaturen nachts, in Teilen des Landes sogar auf fünf Grad – selbst Bodenfrost ist dann nicht ganz ausgeschlossen.

Am Wochenende bleibt es im Norden weiter eher frisch mit Temperaturen von maximal 22 Grad. Im Süden hingegen kann es bis zu 27 Grad werden, das Wetter soll jedoch durchwachsen sein. Am Samstag sind laut Jung auch Schauer und Gewitter möglich. Noch kälter wird es wohl nächste Woche. Laut dem Wetter-Experten liegen die Höchsttemperaturen für Beginn nächster Woche sogar unter 20 Grad. Jung gibt jedoch scherzhaft zu bedenken: „Rein kalendarisch sind wir ja auch noch mitten im Frühling 2024.“

Laut der Prognose für den Sommer 2024 des hundertjährigen Kalenders endet der Juni mit viel Regen. Vielleicht sollte man das frische Wetter auch genießen, denn ein Meteorologe erwartet den „Höllensommer des Jahrtausends“. (kiba)

Rubriklistenbild: © dpa/wetter.net/Montage

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