VonBjarne Kommnickschließen
Sammler sollten stets darauf achten, was sie einstecken. Denn einige Objekte sind im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich, wie ein Fund an der Ostsee beweist.
Hamburg – Wer an der Nord- oder Ostsee groß geworden ist, hat höchstwahrscheinlich schon als kleines Kind gelernt: Was am Strand oder im Meer liegt, das bleibt da auch. Denn so spannend Fundobjekte – wie zuletzt ein vermeintlich „versteinertes Schnitzelbrötchen“ aus der Ostsee – auch sein können, setzen sich Sammler im schlimmsten Fall einer großen Gefahr aus. Das musste auch eine Frau auf Reddit erfahren, die selbst einen Fund auf der Plattform präsentiere. Neben kreativen Antworten hagelt es nämlich insbesondere eine Welle der Warnungen und Kritik.
„Nominierung für den Darwin-Award“: Frau findet Objekt an der Ostsee – und erntet Kritik
Die Nutzerin postete ein Bild des Objektes und erklärt, dass sie es am Strand bei Kappeln entdeckt hat. „Es riecht und wirkt sehr metallisch/verrostet“, erklärt die Frau unter dem Foto: „Der Faden könnte pflanzlich oder aus Draht sein und lässt sich leicht biegen“. Sie fragt die Community: „Was habe ich hier in der Ostsee gefunden?“.
Der ein oder andere User fühlt sich durch die Form des Objektes an einen Tampon erinnert. Viele vermuten jedoch keinen Hygieneartikel, sondern gefährliche Weltkriegsmunition. Aufgrund der Gefahr, die davon ausgehen könnte, muss die Nutzerin durchaus Kritik einstecken: „Verdient zumindest eine Nominierung für den Darwin-Award“, schreibt ein Nutzer. Erst zuletzt zog sich eine Frau schwere Verletzungen zu, als sie Bernstein mit Phosphor verwechselt hatte. Ein anderer wütet sarkastisch: „Generell einfach Dinge mitnehmen, von denen man nicht weiß, was sie sind. Liebe ich.“
Schleswig-Holstein warnt vor weißen Phosphor in der Nord- und Ostsee
Andere User warnen die Nutzerin jedoch auch mit einer Begründung: „An der Nord- und Ostsee wird heute noch sehr viel Kriegsmüll gefunden und es kann sein, dass, das, was du gefunden hast, alte Munition, Granatenteile, etc. sein könnte“. Ein anderer Nutzer warnt ebenfalls: „Am Ostseestrand unbedingt alles liegen lassen, was auch nur entfernt an Weltkriegsmunition erinnert. Dort liegt immer noch ein ganzer Haufen Zeug rum, der weißen Phosphor enthält“.
Davor warnt auch das Land Schleswig-Holstein in einer Mitteilung. Darin heißt es: „Insbesondere bei Sturmwindlagen wird weißer Phosphor in Brockenform an Strände der deutschen Küste gespült“. Phosphor würde sich unter Kontakt mit Sauerstoff bei 20 bis 40 Grad selbst entzünden und mit einer bis zu 1300 Grad heißen Flamme brennen. Neben der gefährlichen Brandwirkung sei weißer Phosphor und seine Dämpfe hochgiftig, die bereits in kleiner Dosierung zum Tod führen könnte.
Zudem sei der Stoff so beständig, dass er in der Ostsee als „wahrscheinlich auf unbeschränkte Zeit persistent“ eingeschätzt wird und auch nach Jahrzehnten noch reagieren könnte – jedoch erst, wenn es vorher trocken war. Mit Wasser einen Phosphorbrand zu löschen, ist hingegen nicht möglich.
Weltkriegsschrott in Nord- und Ostsee: Noch 1,6 Millionen Tonnen Munition in deutschen Meeren
Auch Weltkriegsmunition ohne Phosphor stellt eine Gefahr für Hobbysammler dar. Laut einer Mitteilung des Umweltbundesamtes würden alleine in der Nord- und Ostsee rund 1,6 Millionen Tonnen konventionelle Munition und 5000 Tonnen chemische Kampfstoffe liegen.
Auf Nachfrage beim Expertenkreis Munition im Meer der Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft Nord- und Ostsee konnte die Frau jedoch immerhin sicherstellen, dass es sich in diesem Fall nicht um weißen Phosphor handeln soll. „Möglich wären allerdings ein Bolzen, Angelgewicht, Munition oder ein archäologischer Fund“, so die Frau über die Ferndiagnose der Experten. Ein User vermutet: „Könnte ein schon sehr verfallendes Luntenfeuerzeug sein. Bei Seefahrern nicht unüblich gewesen“.
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