Verschandelt er das Ufer?

Felsstürze in Italien: Gegner demonstrieren gegen Pläne für Gardasee-Radweg

  • schließen

Der vor Ort umstrittene Gardaseeradweg wächst weiter. Die Provinz Trentino zeigte jetzt die erste Galerie, in der die neue Strecke vor Steinschlägen geschützt werden soll.

Riva del Garda/Limone – Der Gardaseerundweg ist ein ambitioniertes Projekt, mit dem sich die angrenzenden Regionen Lombardei, Veneto und Trentino-Südtirol im Norden Italiens neue Impulse für den Tourismus erhoffen. Derzeit gibt es immer nur kurze Teilstücke in anliegenden Gemeinden, zwischen den Orten muss man meist auf die Landstraße ausweichen.

Millionenprojekt soll Gardasee-Umrundung per Rad möglich machen

Im engsten Teil des Sees im Norden gibt es nur schlecht oder gar nicht beleuchtete Tunnels, durch die der Autoverkehr tost und in denen es keine Fahrradspuren gibt. Ambitionierte Mountainbiker können über die Berge fahren. Ansonsten gibt es die Fähren.

Kommunalpolitiker inspizieren die neue Felsschutzgalerie für den Gardaseeradweg bei Riva

Der 166 km lange Radweg „Garda by Bike“ oder auch „Ciclovia del Garda“ rund um den See soll eine durchgehende Radroute für Fahrradfahrer werden. Geschätzte Gesamtkosten: 344,5 Millionen Euro. Im Juli 2018 wurde das erste Stück des Gardaseeradwegs in Limone eingeweiht.

Der bisher fertiggestellte Radweg endet nach zwei Kilometern im Nichts

Auf spektakulär in den Felsen gehängten Viadukten kann man zweieinhalb Kilometer bis zum Gefallenendenkmal am Kap Reamol fahren, da hört der Radweg, den auch Fußgänger benutzen können, an einem Autotunnel auf. Die Weiterfahrt nach Riva del Garda ist ab der hier verlaufenden Grenze zwischen der Lombardei und dem Trentino lebensgefährlich.

Seit einem Jahr baut die Provinz Trentino den Fahrradweg weiter. Der Bau der 19 Kilometer langen Strecke bis nach Torbole soll rund 100 Millionen Euro kosten und Ende 2026 fertiggestellt sein. Der erste Abschnitt, mit dem begonnen wurde, hat eine Länge von 5,3 Kilometern und soll alleine 46,9 Millionen Euro kosten, das Geld kommt von den Kommunen und der Provinz.

Am Mittwoch (17. April) besichtigten die Bürgermeisterin, Cristina Santi, die Stadträte und der Präsident des Trentino, Maurizio Fugatti von der rechten Lega-Partei, mit den Bauleitern und dem Geologen Claudio Valle, Berater für die Radroute, die ersten Tunnels, die im neuen Abschnitt fertiggestellt wurden bzw. im Rohbau stehen.

Das neue Bauwerk ist ziemlich monumental. Die neuen Tunnel des Abschnitts wurden laut Provinz so gebaut, dass sie „den Aufprall großer Felsbrocken abfedern“ können. „Außerdem wurde in der Route ein Abschnitt so gebaut, um die Durchfahrt eines Einsatzfahrzeugs zu ermöglichen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Provinz.

Die spektakuläre Ciclopista del Garda wird weitergebaut. Doch es regt sich Protest.

Die neuen Radweggalerien wirken ziemlich bombastisch

Darüber hinaus werde eine Außenverkleidung in verschiedenen Grautönen hergestellt, die es ermögliche, dass das Bauwerk aus der Ferne mit der Farbigkeit der Felsen verschmelze. Schließlich sollen sowohl die neuen als auch die bestehenden Galerien mit künstlerischen Dekorationen des Architekten Ferrari verschönert werden. Auf Visualisierungen erinnern diese Verkleidungen an ein Kriegsschiff.

Eine Visualisierung der Fahrradgalerie vom See aus.

Das Projekt wird hart kritisiert, so fehlen noch weit über 100 Kilometer bis zur Vollendung des Gardaseeradwegs, das fertigte Teilstück ist im Sommer hoffnungslos überfüllt, obwohl es im Nichts endet. Kommenden Samstag wollen die Gegner des Gardaseeradwegs in Riva demonstrieren.

Front von Bürgerinitriativen kämpft gegen Weiterbau

34 Verbände bekämpfen das Projekt, das ihrer Schätzung nach über eine Milliarde Euro verschlingen wird. Das Bündnis „Garda-Radweg? … Nicht so!“ prangert die „Umwelt- und Landschaftsverwüstung an den herrlichen Klippen des Oberen Gardasees“ an und den „Mangel an Sicherheit angesichts der Tatsache, dass das gesamte Gebiet einem hohen hydrogeologischen Risiko ausgesetzt ist“.

Ein tonnenschwerer Fels ist Anfang März auf die Gardesana-Uferstraße am Gardasee gestürzt.

In den vergangenen Monaten hatten sich mehrere Felsstürze entlang der geplanten Route ereignet. Besonders spektakulär war Anfang März der Absturz mehrerer Blöcke an der Stelle, wo die Ponalestraße abzweigt, die der Radweg ebenfalls passieren soll.

Nach Unwettern sind viele Felshänge und Gipfel in den Alpen porös geworden. Zuletzt ereignete sich an der Bernina in der Schweiz ein mächtiger Bergsturz.

Rubriklistenbild: © Simon Dannhauer/Panthermedia

Kommentare