Riesige Felsstürze am Gardasee: „Ausmaß des Ereignisses hat alle überrascht“
VonJohannes Welte
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Zwei riesige Felsstürze sind am Westufer des Gardasees niedergegangen. Die Uferstraße wurde gesperrt. Sorgen machen sich Touristiker über den Gardaseeradweg.
Tremosine - Der Gardasee ist eine der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen und Österreicher, nirgends kann man so nahe der Heimat mediterranes Flair unter Palmen genießen. Besonders beliebt ist das Nordwestufer zwischen Salò, Limone und Riva, hier stürzen die Felswände besonders spektakulär in den größten See Italiens. Ein auf spektakuläre Weise an das felsige Ufer geschraubte Geh- und Radweg ist seit 2018 einer der großen Attraktionen dort.
Am Samstag erfüllte ohne Vorwarnung ein mächtiges Donnern die Felshänge bei der Gemeinde Tremosine südlich von Limone. Um 15 Uhr löste sich ein großer Fels aus der Wand oberhalb des Steilufers, zerstob in Tausende Brocken, die auf die alte Uferstraße niederprasselten. Der Erdrutsch ereignete sich an der Ponte del Camino, wo die Tunnel der Gardesana-Uferstraße enden. Hier zweigt auch die Forra-Straße zum Bergdorf Pieve ab.
Plötzlich erfüllt ein mächtiges Donnern das Ufer des italienischen Gardasees
„Man konnte beobachten, wie sich der gewaltige Erdrutsch in den See ergoss und die Gardesana streifte, wo zu diesem Zeitpunkt offenbar keine Fahrzeuge vorbeifuhren“, berichtet larena.it. Die Garadesana wurde vom Steinschlag gestreift. Gott sei Dank hielt sich niemand an den Straßen auf. Eine Kontrolle durch die Feuerwehr und durch Hubschrauber ergab, dass keine Personen zu Schaden gekommen waren.
Dennoch wurde die Gardesana in diesem Bereich am Samstag gesperrt, auch die Forra-Straße. Ein Teil der Kanalisation von Tremosine wurde ebenfalls von der Lawinen getroffen, berichtete larena.it. Geologen untersuchen jetzt die Abbruchstellen, der Schaden an der Kanalisation wird noch geprüft. Am Sonntag wurde die Gardesana wieder für den Verkehr freigegeben, die Forra-Straße blieb gesperrt.
Bedrohen Felsstürze den neuen Uferradweg am Lago di Garda?
Auch wenn niemand zu Schaden gekommen ist: Die Steinlawinen haben Fragen zum Weiterbau des Rad- und Fußgängerweges am oberen Gardasee aufgeworfen, der vom jetzigen Ende nördlich von Limone aus weiter Richtung Norden und vom südlichen Ortsrand Limones Richtung Salo weitergebaut werden soll. Im südlichen Abschnitt befindet sich die Abbruchstelle vom Samstag.
„Hören Sie auf, solange Sie noch Zeit haben“, fordert die Präsidentin des Umweltverbandes Italia Nostra,Manuela Baldracchi, bei larena.it. „Das Ausmaß des Ereignisses hat alle überrascht, zumal diese Seite in der letzten Phase, in der Vorbereitungsphase für die Gestaltung der Radroute, von Geologen und Technikern analysiert und überwacht wurde und nicht einmal sie jemals die Möglichkeit eines solchen Ereignisses erkannt haben.“ Auch der bereits fertiggestellte Abschnitt befindet sich unterhalb der Felswände, die jetzt die Felslawinen ins Tal geschickt hatten.
Anfang Dezember hatte es rund um den Gardasee heftige Regenfälle gegeben, die möglicherweise das Gestein gelockert hatten. Im vergangenen Sommer hatte eine Serie von Felsstürzen in den Alpen für Schlagzeilen gesorgt. Experten machen den Klimawandel für die Zunahme dieses Phänomens mitverantwortlich. Auch ein Vulkan-Beben hält Italien in den vergangenen Wochen in Atem.