VonAnika Zuschkeschließen
Die Temperaturen im Oktober 2022 implizieren einen goldenen Herbst – doch das entschärft die Energiekrise wenig. Warum der Winter eine größere Rolle spielt.
Hannover – Der Oktober in Deutschland fällt dieses Jahr ungewöhnlich mild aus – es ist von einem goldenen Herbst die Rede. Im Süden des Landes herrschten Anfang der Woche Temperaturen von bis zu 26 Grad. Mit Blick auf die Energiekrise und den befürchteten Gasnotstand im Winter dürften viele Verbraucher aufgrund der hohen Temperaturen derzeit aufatmen. Aber wie sehr wird der Gasverbrauch tatsächlich durch mildes Wetter im Herbst gebremst?
Gas sparen im goldenen Herbst in Deutschland – welche Rolle das Wetter spielt
Der Oktober 2022 ist im Mittel in Deutschland bislang laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) der fünftwärmste seit 1881. Wie der Spiegel berichtet, lag das Flächenmittel über ganz Deutschland bisher bei 11,6 Grad. Im Süden wurde es besonders Anfang dieser Woche noch einmal sommerlich warm, während es im Norden zwar regnerisch – aber mit Höchstwerten von 17 bis 21 Grad trotzdem ebenfalls verhältnismäßig mild war.
Was ist der goldene Herbst?
Als „goldener Herbst“ oder auch „goldener Oktober“ wird eine herbstliche Schönwetterperiode bezeichnet. Die Begriffe beziehen sich dabei vor allem auf die zu dieser Zeit einsetzende Färbung der Blätter von Laubbäumen. Ein goldener Herbst geht also mit trockenem und mild-sonnigem Herbstwetter und einer besonders schönen Verfärbung der Wälder und Landschaften einher.
Obwohl der DWD in diesem goldenen Herbst mit regionalen Rekorden für den Zeitraum rechnet, sind einzelne warme Tage im Oktober im Grunde nicht außergewöhnlich. „Solche Wärmeperioden sind in der Übergangsjahreszeit wie im Oktober nichts Ungewöhnliches“, bestätigt Lothar Bock vom regionalen Klimabüro München des DWD der Süddeutschen Zeitung. Aktuell haben die hohen Temperaturen demnach vor allem mit warmer Meeresluft zu tun, die aus dem Süden strömt.
Gas sparen im Haushalt: Warum der goldene Herbst dabei eine untergeordnete Rolle spielt
Doch welche Folgen haben die milden Temperaturen für den Gasverbrauch? Schließlich hängt der Füllstand der Gasspeicher neben anderen Faktoren auch maßgeblich vom Wetter ab. Derzeit sind die Gasspeicher in Deutschland zu etwas mehr als 95 Prozent gefüllt. Aufgrund des hohen Füllstandes lassen sich die Speicher momentan jedoch langsamer, nämlich nur mit 0,17 Prozentpunkten Steigerung pro Tag, weiter auffüllen.
Der tatsächliche Gasverbrauch der Haushalte steigt erfahrungsgemäß aber ohnehin erst in der zweiten Novemberwoche steil an, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Erst dann drehen besonders viele Menschen ihre Heizungen auf. Die Temperaturen im Herbst spielen demnach beim Gasverbrauch noch keine entscheidende Rolle. Das zeigt auch ein Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Im September 2022 wurde in deutschen Haushalten weniger Gas verbraucht als im gleichen Zeitraum 2021 – obwohl es dieses Jahr deutlich kälter war.
Gas sparen in Deutschland: Winter ist wichtiger als der goldene Herbst
Die Deutschen scheinen sich die Appelle zum Gassparen von Wirtschaftsminister Robert Habeck also zu Herzen zu nehmen. Darüber hinaus wird am meisten Gas erst in den Monaten Dezember, Januar und Februar verbraucht. Die Temperaturen im Winter werden mit Blick auf die Gasspeicher also eine größere Rolle einnehmen als der goldene Herbst.
Die Langzeitprognosen für den Winter machen bislang aber ebenfalls einen erfreulichen Anschein: „Die warmen Meeresbedingungen und die beobachteten Trends zu milderen Wintern in Europa lassen vermuten, dass der Winter insgesamt milder ausfallen könnte als im Schnitt der vergangenen Jahre“, sagte die stellvertretende Direktorin des Copernicus Climate Change Services, Samantha Burgess, laut dem Handelsblatt.
Ihr zufolge sprechen die Modelle der Klimainstitute für höhere Chancen auf ruhiges und trockenes Wetter als in einem normalen Jahr, vor allem in der ersten Winterhälfte.
Prognosen für den Winter in Deutschland 2022: Mild – mit guten Aussichten für die Gasspeicher
Energie-Analysten der US-Bank „JP Morgan“ erwarten zudem, dass die europäischen Gasspeicher bei einem normalen Winterwetter im März noch zu 35 Prozent gefüllt sind – solange weiterhin russisches Gas durch die Ukraine nach Europa gelangt. Bei einem kalten Winter rechnen sie laut dem Handelsblatt hingegen schon nur noch mit einem Füllstand von 15 Prozent im März.
