Ausbruch rückt näher

Vulkanausbruch in Island: Magma-Beule bedroht Hauptstadt – „Neues Kapitel hat begonnen“

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Ein Vulkanausbruch südlich von Islands Hauptstadt Reykjavik rückt näher. Nahe der legendären Blauen Lagune hat sich eine unterirdische Magma-Beule gebildet.

Grindavik – Am 25. Oktober hatten Erdbebenschwärme für Vulkan-Alarm in der Kleinstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanesskagi südwestlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik gesorgt. Die Beben erreichten am Abend des 10. November ihren Höhepunkt, als sich ein 15 Kilometer langer Magmatunnel unter der Erde sammelte.

Vulkan-Ausbruch auf Island rückt näher: „Es hat ein neues Kapitel begonnen“

Die etwa 3700 Einwohner zählende Hafenstadt Grindavik – rund 50 Kilometer von Reykjavik entfernt – wurde evakuiert. Auch die bei Touristen sehr beliebte Blaue Lagune – ein von vulkanischem Thermalwasser gespeistes Badeparadies – wurde geschlossen.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

Nachdem die Erdbebenschwärme vorübergehend nachgelassen hatten und Einwohner zur Abholung persönlicher Dinge vorübergehend zurückkehren durften, meldete der nationale Wetter- und Katastrophenwarndienst Veðurstofa Íslands am Freitag (1. Dezember): „Man kann mit einiger Sicherheit sagen, dass ein neues Kapitel begonnen hat.“

In und um Grindavik entstehen ständig neue Erdlöcher.

Eine Untersuchung von Daten von GPS-Stationen und Satellitenbildern habe gezeigt hatte, dass in der Gegend von Svartsengi nördlich von Grindavík eine „Bodenhebung“ stattfindet. In Gebiet von Svartsegi befindet sich auch die Blaue Lagune und ein Thermalkraftwerk. Mit Bulldozern wurden in den vergangenen Wochen Dämme aufgeschüttet, um das Kraftwerk vor heranströmender Lava zu schützen.

Lava sammelt sich in der Nähe der Blauen Lagune – Island rechnet mit baldigem Vulkan-Ausbruch

„Es wird angenommen, dass das Magma, das sich jetzt unter Svartsengi ansammelt und eine schnellen und konstante Landhebung verursacht, den Magmatunnel speist, der unter Sýlingarfell und Hagafell verläuft“, so Veðurstofa Íslands weiter.„Die seismische Aktivität ist dort mittlerweile am höchsten, nimmt aber weiter ab.“ Mittlerweile gebe es sogar deutlich weniger und kleinere Erdbeben als in den letzten Wochen. In der Nacht Freitag wurden auf 250 schwache Erdstöße entlang des magmatischen Gangs registriert. Am Vortag waren es im Tagesverlauf 360 Beben. In der Nacht auf Freitag waren es nur noch 90. Das ist aber kein Zeichen von einer Entspannung – eher im Gegenteil.

Der Ausbruch ist immer noch als wahrscheinlich anzusehen, da der Magmazufluss anhält“, heißt es. Weiter berichtet der Wetterdienst, dass „die höchste Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch im mittleren Teil des Damms zwischen Hagafell und Sýlingarfell besteht“. Das Kraftwerk und die Blaue Lagune befinden sich nur einen Kilometer westlich der Linie zwischen diesen beiden Orten.

Der Hafen der isländischen Stadt sinkt ein

Dem isländischen Nachrichtenportal RUV  zufolge hat die Erdbebenaktivität auch zur Vertiefung des Hafens von Grindavik geführt. Die Veränderung der Tiefe sei auf die Auswirkungen der Erdbeben zurückzuführen, wird der Hafenmanager Sigurður Arnar Kristmundsson zitiert. „Die Docks scheinen um 20 bis 30 Zentimeter abgesunken zu sein, als wir vor etwa zehn Tagen gemessen haben, und dann besteht die Möglichkeit, dass, ja, der Grund entsprechend abgesunken ist.“

Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.

Laut vulkane.net haben sich im Stadtbereich von Grindavik neue Erdfälle gebildet, die auf eingestürzte Hohlräume unter der Erde zurückzuführen sind. Sie sollen teilweise 20 Meter tief sein. Es entstanden auch neue Gebäuderisse. Grund könnten tektonische Verschiebungen sein. Island liegt auf der Naht zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Platte, die auseinanderdriften – dem mittelatlantischen Rücken. Entlang dieses Rückens dringt Lava nach oben, an wenigen Stellen wie in Island steigt dieser Rücken über die Meeresoberfläche auf.

Nicht nur in Island wird ein bevorstehender Vulkanausbruch befürchtet: Auch in den phlegräischen Feldern – einem Supervulkan im Süden Italiens – mehren sich die Zeichen für einen drohenden Ausbruch. Vor den Gewässern Siziliens wurde gerade erst unter der Meeresoberfläche drei neue Vulkane entdeckt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Raul Moreno

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