500 Beben in einer Nacht

Vulkanausbruch droht in Island: Magma-Tunnel bahnt sich seinen Weg – Einwohner filmt riesige Risse

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In Island droht ein Vulkanausbruch. Hunderte Erdbeben könnten dafür der Vorbote sein. Eine ganze Stadt wurde bereits evakuiert.

Reykjavik – Ende Oktober versetzten hunderte Erschütterungen die Bewohner auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Islands Hauptstadt Reykjavik in Sorge. Jetzt könnte ein Vulkanausbruch bevorstehen. Die Beben hatten am Freitagnachmittag (10. November) nochmal an Intensität und Häufigkeit zugenommen.

Steht Vulkanausbruch in Island bevor? 500 Erdbeben in einer Nacht

Erst kürzlich war der größte Vulkan Europas in Italien ausgebrochen. Ob ein solches Naturschauspiel auch in Island bevorsteht, ist derzeit noch unklar. Die Lage hatte sich in der Nacht zu Montag (13. November) wieder etwas beruhigt. Eine mögliche Eruption dürfte deshalb wohl nicht so stark ausfallen, wie noch am Wochenende befürchtet, erklärte Geophysiker Freysteinn Sigmundsson gegenüber dem Nachrichtenportal RUV.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

In der Nacht zu Mittwoch (15. November) habe es etwa 500 Erdbeben gegeben, teilte RUV mit. Das heftigste mit einer Stärke von 2,6 deutete an, dass weiteres Magma nachfließe. Es sei Berechnungen zufolge nur etwa 500 Meter von der Erdoberfläche entfernt.

Womöglich bevorstehender Vulkanausbruch in Island: Stadt wird evakuiert

Sicherheitshalber wurde die Stadt Grindavík mit rund 3700 Einwohnern am Wochenende geräumt. Unter der Gemeinde verläuft nämlich ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel. Darauf deuteten auch riesige Risse im Boden hin, wie Bilder und Videos in den sozialen Medien zeigten. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden in Grindavík größer als bisher angenommen. Wasser- und Stromleitungen seien beschädigt worden.

Zeitweise bildete sich eine kilometerlange Schlange von Autos vor der Hafenstadt. Einwohner durften am Dienstag (14. November) erneut in ihre Häuser zurückkehren – allerdings nur kurz. Innerhalb weniger Minuten mussten sie ihre wichtigsten Halbseligkeiten in Sicherheit bringen. „Nur rein und raus“, betonte einer der Sicherheitskräfte gegenüber einem Anwohner. Er könne das Gebiet unter einer Voraussetzung betreten: „Wenn die Sirenen, Martinshörner oder Ähnliches heulen, müssen Sie das Gebiet verlassen. Lassen Sie alles stehen und liegen und verschwinden Sie.“

Innerhalb von fünf Minuten: Bewohner retten Habseligkeiten vor möglichem Vulkanausbruch

Schon am Montag (13. November) waren Menschen bei einer ähnlichen Aktion zurück in die Stadt gekommen. Jeder Haushalt bekam lediglich fünf Minuten Zeit, um wichtige Dinge mitzunehmen. Die Polizei kontrollierte die Zufahrt und ließ wegen des großen Andrangs nach einiger Zeit keine Autos mehr hinein. Eine weitere Aktion soll am Mittwoch stattfinden, meldete RUV. Der drohende Vulkanausbruch hat auch Auswirkungen für Urlauber.

Immer wieder kommt es zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen auf Island. Zuletzt war es im Juli im dritten Jahr in Folge zu einem vulkanischen Ausbruch gekommen. Auch damals hatten tausende Erschütterungen die Eruption angekündigt. Dagegen musste nach einem Ausbruch eines Vulkansystems im Jahr 2010 auf Island der Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas eingestellt werden. (kas/dpa)

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