Vulkanausbruch droht in Island: Magma-Tunnel bahnt sich seinen Weg – Einwohner filmt riesige Risse
VonKarolin Schaefer
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In Island droht ein Vulkanausbruch. Hunderte Erdbeben könnten dafür der Vorbote sein. Eine ganze Stadt wurde bereits evakuiert.
Reykjavik – Ende Oktober versetzten hunderte Erschütterungen die Bewohner auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Islands Hauptstadt Reykjavik in Sorge. Jetzt könnte ein Vulkanausbruch bevorstehen. Die Beben hatten am Freitagnachmittag (10. November) nochmal an Intensität und Häufigkeit zugenommen.
Steht Vulkanausbruch in Island bevor? 500 Erdbeben in einer Nacht
Erst kürzlich war der größte Vulkan Europas in Italien ausgebrochen. Ob ein solches Naturschauspiel auch in Island bevorsteht, ist derzeit noch unklar. Die Lage hatte sich in der Nacht zu Montag (13. November) wieder etwas beruhigt. Eine mögliche Eruption dürfte deshalb wohl nicht so stark ausfallen, wie noch am Wochenende befürchtet, erklärte Geophysiker Freysteinn Sigmundsson gegenüber dem Nachrichtenportal RUV.
Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel
In der Nacht zu Mittwoch (15. November) habe es etwa 500 Erdbeben gegeben, teilte RUV mit. Das heftigste mit einer Stärke von 2,6 deutete an, dass weiteres Magma nachfließe. Es sei Berechnungen zufolge nur etwa 500 Meter von der Erdoberfläche entfernt.
Womöglich bevorstehender Vulkanausbruch in Island: Stadt wird evakuiert
Sicherheitshalber wurde die Stadt Grindavík mit rund 3700 Einwohnern am Wochenende geräumt. Unter der Gemeinde verläuft nämlich ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel. Darauf deuteten auch riesige Risse im Boden hin, wie Bilder und Videos in den sozialen Medien zeigten. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden in Grindavík größer als bisher angenommen. Wasser- und Stromleitungen seien beschädigt worden.
Residents of #Grindavík got very little time to get some stuff from their homes after their evacuation last week. Let's hope for the best scenario for this town.🤞 #Icelandpic.twitter.com/AOOjhIBESM
Zeitweise bildete sich eine kilometerlange Schlange von Autos vor der Hafenstadt. Einwohner durften am Dienstag (14. November) erneut in ihre Häuser zurückkehren – allerdings nur kurz. Innerhalb weniger Minuten mussten sie ihre wichtigsten Halbseligkeiten in Sicherheit bringen. „Nur rein und raus“, betonte einer der Sicherheitskräfte gegenüber einem Anwohner. Er könne das Gebiet unter einer Voraussetzung betreten: „Wenn die Sirenen, Martinshörner oder Ähnliches heulen, müssen Sie das Gebiet verlassen. Lassen Sie alles stehen und liegen und verschwinden Sie.“
Innerhalb von fünf Minuten: Bewohner retten Habseligkeiten vor möglichem Vulkanausbruch
Schon am Montag (13. November) waren Menschen bei einer ähnlichen Aktion zurück in die Stadt gekommen. Jeder Haushalt bekam lediglich fünf Minuten Zeit, um wichtige Dinge mitzunehmen. Die Polizei kontrollierte die Zufahrt und ließ wegen des großen Andrangs nach einiger Zeit keine Autos mehr hinein. Eine weitere Aktion soll am Mittwoch stattfinden, meldete RUV. Der drohende Vulkanausbruch hat auch Auswirkungen für Urlauber.
Immer wieder kommt es zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen auf Island. Zuletzt war es im Juli im dritten Jahr in Folge zu einem vulkanischen Ausbruch gekommen. Auch damals hatten tausende Erschütterungen die Eruption angekündigt. Dagegen musste nach einem Ausbruch eines Vulkansystems im Jahr 2010 auf Island der Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas eingestellt werden. (kas/dpa)