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- Carmen Mörwald
Karolin Schaefer
Teresa Toth
Im Südosten von Berlin gibt es derzeit einen großen Stromausfall. Zwei Hochspannungsmasten hatten in der Nacht gebrannt. Mehrere Stromkabel wurden beschädigt.
Update vom 10. September, 7.35 Uhr: Nach dem großflächigen Stromausfall im Südosten Berlins ist in der Nacht für viele weitere Haushalte die Versorgung wieder angelaufen. Am frühen Mittwochmorgen waren jedoch noch immer rund 20.000 Anschlüsse ohne Elektrizität (Stand: 4.50 Uhr). Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin bat die bereits wieder versorgten Kunden, ihren Stromverbrauch zu drosseln, um die Stabilität des Netzes zu sichern und – wenn möglich – weitere Haushalte ans Netz anschließen zu können.
Der Ausfall dauert inzwischen mehr als 24 Stunden an und geht nach bisherigen Erkenntnissen auf einen Brandanschlag auf Starkstromkabel zurück. Stromnetz Berlin rechnet damit, dass eine vollständige Versorgung frühestens am Donnerstag erreicht wird. Während in der Nacht Baugruben vorbereitet wurden, sollen im Laufe des Tages Kabelarbeiten folgen. Die Polizei richtete zudem zwei sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme als Anlaufstellen mit Stromversorgung und Personal ein, da zeitweise auch die Notrufnummern 110 und 112 betroffen waren. Zahlreiche Schulen im betroffenen Gebiet bleiben geschlossen.
Stromausfall nach vermuteten Brandanschlag: Tausende Haushalte in Berlin weiter ohne Elektrizität
Update vom 9. September, 18.04 Uhr: Im Berliner Südosten bleiben Tausende Haushalte voraussichtlich auch den gesamten Mittwoch über ohne Strom. Die Wiederversorgung für alle betroffenen Kunden werde im schlechtesten Fall im Laufe des Donnerstags erfolgen, teilte ein Sprecher von Stromnetz Berlin mit. Das betrifft hauptsächlich den Bezirk Treptow-Köpenick.
„Zur Not-Reparatur sind umfangreiche Tiefbauarbeiten und Kabelmontagen notwendig. Im Laufe des Mittwochs werden die Voraussetzungen für die Kabelmontagearbeiten geschaffen“, hieß es.
Update vom 9. September, 15.53 Uhr: Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf Strommasten im Berliner Südosten, der 50.000 Haushalte ohne Strom ließ, prüft die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit Teslas geplantem Entwicklungszentrum in der Gegend. „Ob das eine Rolle spielt, ist auch Gegenstand der Ermittlungen“, sagte eine Polizeisprecherin. Konkrete Hinweise dazu gebe es aber noch nicht.
Der Autohersteller hatte Anfang September bekanntgegeben, in Berlin-Köpenick ein neues europäisches Entwicklungszentrum zu bauen. Der genaue Standort wurde aber noch nicht verraten. Dabei weist der aktuelle mutmaßliche Brandanschlag Ähnlichkeiten mit einem Anschlag im März 2024 auf. Damals war die Stromversorgung von Tesla, anderer Firmen und Tausender Privathaushalte unterbrochen worden.
Im aktuellen Fall ermittelt der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes. An zwei Strommasten am Königsheideweg waren dicke Leitungen teilweise zerstört worden. Nach ersten Erkenntnissen sollen die Täter dafür einen Brandbeschleuniger eingesetzt haben.
Notruf nach Stromausfall in Berlin teilweise nicht erreichbar
Update vom 9. September, 12.53 Uhr: Nach dem Stromausfall in Berlin sind die ersten Haushalte wieder versorgt. Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag haben 15.000 von 50.000 Kunden wieder Strom. Wie lange die anderen Haushalte auf ihre Versorgung warten müssen, ist noch unklar. „Alle, die bei uns verfügbar sind, arbeiten daran“, sagte ein Sprecher von Stromnetz Berlin der Deutschen Presse-Agentur.
Indes warnt die Feuerwehr Berlin vor „extremer Gefahr“. Aufgrund des Stromausfalls sei in Treptow/Köpenik teilweise der Notruf 110 und 112 auch nicht über Mobilfunk erreichbar. Notrufe könnten daher aktuell auch über das BVG-Personal abgesetzt werden.
50.000 Haushalte von Stromausfall in Berlin betroffen
Erstmeldung: Berlin – Am frühen Dienstagmorgen (9. September) war im Berliner Südosten die Energieversorgung plötzlich gekappt. Betroffen waren drei Umspannwerke: Moisssistraße, Wegedornstraße und Fernheizkraft Neukölln. Der RBB spricht von 50.000 betroffenen Haushalten. Die Verkehrsinformationszentrale meldet „Havarie“.
Zwei brennende Hochspannungsmasten in Johannisthal hatten die Stromversorgung lahmgelegt – und die Polizei geht von einem gezielten Anschlag aus. Gegen 3.30 Uhr bemerkten Einsatzkräfte das Feuer. Die Berliner Feuerwehr löschte den Brand schnell, doch der Schaden war bereits angerichtet. Betroffen sind die Ortsteile Altglienicke, Grünau, Adlershof, Spindlersfeld, Alt-Johannisthal und Oberschöneweide.
Massiver Stromausfall in Berlin: Kritische Infrastruktur betroffen – dramatische Szenen in Pflegeheimen
Besonders dramatisch wurde die Lage in mehreren Pflegeheimen. Wie der Tagesspiegel berichtet, musste die Feuerwehr vier beatmete Patienten aus einem Heim in Alt-Glienicke in ein nahegelegenes Krankenhaus verlegen. Einen weiteren beatmeten Patienten brachten die Rettungskräfte aus Niederschöneweide in eine Klinik. Die Überbrückung mit Geräten in Rettungswagen funktioniert nur kurzfristig.
Auch kritische Infrastruktur fiel aus: Ein Polizeirevier am Segelfliegerdamm, die Feuerwache Semmelweisstraße und eine Basisstation des Digitalfunks waren betroffen. Drei Freiwillige Feuerwehren mussten den Dienst einstellen.
Polizei Berlin geht von Brandanschlag in Berlin aus
„Die Situation, die hier vorgefunden wurde, lässt tatsächlich auf eine vorsätzliche Brandstiftung schließen“, sagte eine Sprecherin dem RBB. „Das angegriffene Objekt und die Auswirkungen auf das Stadtgebiet lassen den Schluss ziehen, dass es sich um eine Brandstiftung mit politischem Motiv handeln könnte“, erklärte Polizeisprecherin Anja Dierschke dem Tagesspiegel. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts übernahm die Ermittlungen.
Der öffentliche Nahverkehr war in Berlin teilweise zusammengebrochen. Die S-Bahn-Linien S8, S85, S9, S45, S46 und S47 fielen zunächst aus, fahren aber mittlerweile wieder planmäßig. Tramlinien M17 und 68 bleiben laut Verkehrsinformationszentrale momentan unterbrochen. Ampeln fielen aus, Bahnhöfe zwischen Schöneweide und dem Flughafen BER blieben dunkel.
„Massive Auswirkungen auf zigtausende Menschen“: Polizei-Gewerkschaft wütet nach Stromausfall in Berlin
„Diese Dimension ist die absolute Ausnahme“, sagte ein Sprecher von Stromnetz Berlin. Vergleichbar sei nur der Stromausfall in Köpenick 2019, der 30 Stunden dauerte.
Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei Berlin verurteilte den Anschlag scharf. Er sagt der Welt: „Dieser sinnfreie Brandanschlag ist kein Kinderspaß, sondern eine schwerwiegende Straftat mit massiven Auswirkungen auf zigtausende Menschen in unserer Stadt.“ Wann die Stromversorgung vollständig wiederhergestellt wird, blieb zunächst unklar.
In NRW hatten Brandanschläge erst Ende Juli zu tagelangem Bahn-Chaos geführt. Dass ein großflächiger Stromausfall fatal enden kann, zeigte der massive Blackout in Spanien im April. Mehrere Menschen kamen ums Leben. (moe)
Rubriklistenbild: © Montage: Jens Kalaene/dpa


