- VonAnna Lorenzschließen
Wer nach eine Corona-Infektion an Long Covid leidet, ist oftmals zum Arbeiten außerstande. Der Weg in den Hartz-4-Bezug sei Bundesgesundheitsminister Lauterbach zufolge hierbei langfristig keine probate Option.
Berlin – Rund um das Thema Corona teilt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) seine Ansichten regelmäßig via des Social-Media-Portals Twitter. Sein letzter Tweet vom 11. Juni 2022 beschäftigte sich nun mit Long Covid, der Langzeit-Erkrankung, die auf eine Corona-Infektion folgen kann und laut RKI teilweise zur Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen führt. Hierbei verließ Lauterbach das medizinische Terrain insofern, als er sich der Problematik widmete, inwieweit Patienten vom Sozialstaat aufgefangen werden müssen.
Nach Corona Long Covid: Erkrankten droht „finanzieller Absturz“ – Lauterbach sieht Handlungsbedarf
Wer an Corona erkrankt ist, hat hinsichtlich der gegenwärtig dominanten Variante regelmäßig Aussicht auf einen milden Verlauf. Doch ist die Infektion überstanden, leiden einigen Betroffenen teils über Woche und Monate an anhaltenden Beschwerden. Während Mediziner hierbei je nach Krankheitsdauer zwischen Long Covid und Post Covid unterscheiden, hat sich im Volksmund ersterer Begriff durchgesetzt, wenn Patienten über Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder kognitive Dysfunktionen klagen.
Viel ist über die anhaltende Krankheitsphase noch nicht bekannt, wie die WHO jedoch zutreffend bemerkt, „wirken sich [die Symptome] im Allgemeinen auf das Funktionieren des Alltags aus“. Betroffene sind teilweise nicht konzentrations- und leistungsfähig, sodass oftmals eine Arbeitsunfähigkeit diagnostiziert werden muss. Dem Sozialstaatsprinzip folgend, durchlaufen Betroffene die finanzielle Unterstützung durch Krankengeld, Arbeitslosengeld I und im letzten Schluss Hartz-4. Auch das Verletztengeld der Berufsgenossenschaften ist eine Option, doch hier werden Betroffene regelmäßig nach 78 Zahlungswochen „ausgesteuert“, wie es laut Spiegel im Fachjargon betitelt werde.
Die damit einhergehenden Entbehrungen, insbesondere auch der geforderte Verbrauch privater Ressourcen, lässt Erkrankte vielfach unverschuldet in finanzielle Engpässe geraten. „Den finanziellen Absturz der Opfer müssen wir stoppen“, fordert daher Lauterbach in seinem Tweet. Die Zahl der Betroffenen ist tatsächlich nicht gering: Während der Bund sich mit genauen Angaben zurückhält, ist laut des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege aktuellen Studien zufolge davon auszugehen, dass zirka zehn Prozent der Corona-Infizierten Long Covid entwickeln; nicht wenige Betroffene haben lange Zeit mit den Symptomen zu kämpfen.
Corona: Langzeitfolgen oft nicht anerkannt – Begutachtung durch bisherigen Kenntnisstand zu Long Covid massiv erschwert
Besonders gravierend ist zudem, dass der Eintritt in das soziale Auffangnetz bei Corona-Langzeitfolgen kein Automatismus ist. „Bisher wird Long Covid als Berufskrankheit oft nicht anerkannt“, gibt der Minister zu bedenken. Eine Einstufung als solche ist jedoch zwingend nötig, um die berufsgenossenschaftlichen Ansprüche geltend zu machen. Auch im staatlichen Sozialsystem bringt das, bis dato begrenzte Wissen um Long Covid Probleme mit sich, wenn die Krankheit diagnostiziert werden muss.
Leider zutreffender Artikel #LongCovid. Bisher wird LongCovid als Berufskrankheit oft nicht anerkannt. Viele können aber nicht mehr arbeiten und es droht langfristig der Übergang in Arbeitslosengeld 2. Den finanziellen Absturz der Opfer müssen wir stoppen https://t.co/gGr0sRa7Hg
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) June 11, 2022
Gutachten für Long Covid sind bislang schwierig zu erhalten. Dem Spiegel zufolge sei nicht nur die, schwer nachweisbare, kausale Verknüpfung der Erkrankung an Corona mit den langanhaltenden, unspezifischen Symptomen ein Problem; auch seien Mediziner und Behörden skeptisch hinsichtlich der eigenen Befähigung zur Diagnose von Long Covid. Hinzu kommt die Bürokratie, die vor allem Betroffenen das Beantragen von Hilfen erschwert. „Leider zutreffend“, resümiert Lauterbach, der zur effektiveren Gestaltung der Lage entschlossen scheint. Inwieweit sein Tweet als Appell an die Politik oder aber eigenes Vorhaben zu verstehen ist, bleibt indes abzuwarten. (askl)
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