VonNadja Orthschließen
Ein Großteil der Akten im Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein waren bislang geheim. Nun hat Gericht 170 Namen veröffentlicht.
Update vom 4. Januar, 12.30 Uhr: Ein Großteil der Namen, die in den Gerichtsakten bisher nur als J. Doe gefolgt von einer Nummer geführt wurden, sind nun veröffentlicht. Allerdings werden nicht alle Namen der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Etwa im Fall von J. Doe 16. Wie die New York Times berichtet, begründete Richterin Loretta Preska diese Entscheidung mit den Worten: “Doe 16 ist ein mutmaßliches minderjähriges Opfer von sexuellem Missbrauch, das sich nicht öffentlich geäußert und seine Privatsphäre gewahrt hat (...) Daher überwiegt das öffentliche Interesse nicht die Interessen der Privatsphäre.”
Auch der Name von Doe 107 ist aktuell nicht bekannt. Die Person legte über ihren Anwalt Einspruch gegen die Veröffentlichung ihres Namens ein, wie unter anderem t-online.de berichtet. Bei Veröffentlichung ihrer Identität sei sie in ihrem Wohnsitzland körperlicher Gewalt ausgesetzt und würde Hasspost erhalten. Richterin Preska hat zugestimmt, den Namen zunächst bis zum 22. Januar unter Verschluss zu halten. Bis dahin muss der Anwalt Beweise vorlegen.
Die veröffentlichte Liste ist keine Klientenliste von Epstein. Somit kann es sich bei Doe 107 auch um ein Opfer Epsteins handeln. Ebenfalls auf der Liste vertreten sind eine Reihe an Prominenten, deren Namen im Rahmen des Prozesses aufkamen, allerdings meist nicht in direktem Zusammenhang mit Epsteins Taten. Auch der Name des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump findet sich auf der Liste, was viele seiner Verbündeten erzürnt.
Geheime Epstein-Liste birgt Überraschungen: Die 15 prominentesten Namen




Bisher anonyme Namen aus dem Prozess um Jeffrey Epstein veröffentlicht
Update vom 4. Januar, 6.45 Uhr: Nun ist die Liste der im Epstein-Prozess bisher anonym behandelten Namen veröffentlicht worden. Insgesamt 170 Namen umfasst die Liste. Allerdings ist eine Nennung nicht damit gleichzusetzen, dass die Person ein aktiver Teil des Missbrauchsnetzwerks um Epstein war. So wurden etwa auch die Namen einiger Verwandter von Opfern im Prozess zunächst nicht namentlich genannt.
Wie bereits bekannt, geht es in den veröffentlichten Gerichtsakten mehrfach um Prinz Andrew sowie um Bill Clinton. Einige Zeugenaussagen rücken Clinton dabei in die Nähe von Epsteins Taten, berichtet die dpa. Er erhob Medienberichten zufolge keinen Einspruch gegen Nennung seines Namens. Auch Donald Trumps Name wird in den Prozessakten genannt. Allerdings nur im Rahmen einer Zeugenaussage, bei der die Zeugin angibt, nie sexuellen Kontakt mit dem ehemaligen US-Präsidenten gehabt zu haben.
Ebenfalls auf der Liste stehen Michael Jackson sowie der Astrophysiker Stephen Hawking. Laut dpa könnte daraus abgeleitet werden, dass die beiden Prominenten scheinbar auf einer von Epsteins Veranstaltungen anwesend waren.
Epstein-Prozess: Richterin will Liste mit Namen veröffentlichen
Ursprüngliche Meldung vom 3. Januar: New York – Wie ein New Yorker Gericht Anfang Dezember angekündigt hat, sollen in der ersten Januar-Woche hunderte Geheimakten im Zusammenhang mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht werden. Hintergrund ist eine Anordnung der Richterin Loretta Preska vom Bundesgericht in Manhattan, den Namen von rund 180 Personen preiszugeben, die mit Epstein in Verbindung standen. Es wird vermutet, dass einige prominente Personen in der Liste auftauchen – unter anderem der britische Prinz Andrew (63) und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton (77).
Bislang kamen die Personen in den Dokumenten vor Gericht nur anonymisiert zur Sprache. Es handelt sich um Opfer, Mitarbeiter, Geschäftspartner sowie mutmaßliche Komplizen Epsteins. Laut der Bundesrichterin gebe es dafür keinen Grund mehr, da viele der aufgelisteten Personen bereits in den Medien zitiert wurden oder durch Interviews der vergangenen Jahre leicht zu identifizieren seien. Die Richterin hatte daher eine Veröffentlichung der Namen auf Anfang Januar 2024 angesetzt. Die betroffenen Personen konnten gegen den Beschluss Einspruch erheben.
Gericht will Kontakte von Jeffrey Epstein veröffentlichen: Warum Bill Clinton und Prinz Andrew im Fokus stehen
Es wird erwartet, dass zum einen der britische Prinz Andrew in den Dokumenten auftaucht. Hintergrund ist eine Verleumdungsklage der US-Klägerin Virginia Giuffre gegen Epsteins Ex-Geliebte und Komplizin Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2016. Giuffre beschuldigte Epstein und Maxwell unter anderem, sie im Alter von 17 Jahren zum Sex mit Prinz Andrew und mehreren anderen prominenten Männern angehalten zu haben. Prinz Andrew bestritt die Vorwürfe und behauptete, er könne sich nicht daran erinnern, Giuffre jemals getroffen zu haben. Nach den Vorwürfen wurde Prinz Andrew aus dem Buckingham Palast geworfen.
Die Klage wurde im Jahr darauf beigelegt, doch Miami Herald leitete rechtliche Schritte ein, um Zugang zu den Akten zu erhalten und das Epstein-Netzwerk zu untersuchen. Die Namen auf der damaligen Liste waren allesamt nur mit Nummern und dem Pseudonym „Doe“ aufgeführt.
Auf dieser Liste soll auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton auftauchen. Laut Informationen von ABC News bekam er dabei das Pseudonym „John Doe 36“. Giuffre erhob nie Anschuldigungen gegen Clinton, behauptete aber, sie habe den Ex-Präsidenten auf Epsteins privater Karibikinsel getroffen. Clintons Name soll mehr als 50 Mal in den Gerichtsakten auftauchen, aber die Erwähnungen des ehemaligen Präsidenten stehen laut dem US-Sender oft im Zusammenhang mit Bemühungen, ihn „für eine Aussage unter Eid über seine Beziehung zu Epstein“ vorzuladen.
Der Missbrauchsskandal um Epstein und seine Komplizin Maxwell
Epstein war im Juli 2019 festgenommen und im August 2019 tot in seiner Gefängniszelle gefunden worden. Der bis in die höchsten Kreise vernetzte Geschäftsmann soll zahlreiche auch minderjährige Mädchen sexuell missbraucht haben. Seine Ex-Freundin Ghislaine Maxwell war im Dezember 2021 schuldig gesprochen und im Juni 2022 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Auffassung des Gerichts hatte sie Epstein über Jahre bei der Rekrutierung der minderjährigen Mädchen und jungen Frauen geholfen, die teils an andere Männer weitergereicht wurden.
Eine frühere Anklage gegen Epstein hatte in einen für den Unternehmer sehr vorteilhaften Deal gemündet, der ihn zum Symbol einer gesellschaftlichen Elite machte, die selbst mit Verbrechen durchkommt. Seine Beziehungen zu Prominenten und sein Tod im Alter von 66 Jahren führten zu zahlreichen Gerüchten und Verschwörungstheorien. (nz/dpa/afp)
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