Germanwings-Absturz jährt sich: 16 deutsche Schüler starben – Schulleiter berichtet von schrecklichem Moment
VonMichelle Brey
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Fast zehn Jahre sind seit dem Absturz einer Germanwings-Maschine vergangen. Sie war auf dem Flug nach Düsseldorf. Ein Schulleiter erinnert sich.
München – Am 24. März kommt es zur größten Tragödie in der deutschen Luftfahrt-Geschichte. Der Germanwings-Flug 4U9525 stürzt auf dem Weg nach Düsseldorf in den südfranzösischen Alpen ab. Ermittler sind sich sicher, dass der depressive Copilot Andreas L. den Absturz absichtlich herbeigeführt hat, um sich das Leben zu nehmen. Sein Vater war fest von der Unschuld des Sohnes überzeugt.
Der Copilot, dessen Ex-Freundin sich zu Wort meldete, schloss den Kapitän aus dem Cockpit aus und riss 144 Passagiere sowie fünf Besatzungsmitglieder mit in den Tod. Niemand überlebte. Zum zehnten Jahrestag widmet die ARD der Tragödie eine einfühlsame und aufwendige vierteilige Dokumentation. In dieser kommt unter anderem die Mutter der 15-jährigen Linda zu Wort, die am 24. März 2015 mit 15 Mitschülern und zwei Lehrerinnen von einem Schüleraustausch nach Deutschland zurückkehren sollte.
Tochter meldet sich noch bei ihrer Mutter, bevor sie in die Germanwings-Maschine stieg
Die Teenagerin schrieb die letzte WhatsApp-Nachricht aus dem Bus und teilte mit, dass sie auf dem Weg zum Flughafen seien. Sie wollte sich melden, sobald sie gelandet wären. „Das waren die letzten Nachrichten von ihr“, sagt die Mutter. Linda besuchte ein Gymnasium in Haltern am See. „Ich habe gearbeitet. Ich saß ganz normal im Büro – bis mein Mann dann reinkam und gesagt hat: ‚Das Flugzeug ist abgestürzt‘.“
„Wir wussten nicht, was wir machen sollen. Wir waren erstmal hilflos. Wir haben uns dann irgendwann überlegt, dass wir am besten zur Schule fahren“, erklärt sie. Ein Raum war der Erzählung nach vorbereitet worden. Dort seien immer mehr Angehörige hingekommen, so die Erinnerungen der Mutter.
Nach Germanwings-Absturz: Schulleiter musste die Eltern informieren, dass die Schüler tot sind
Die Angehörigen seien dort betreut worden, erinnert sich auch Ulrich Wessel, der Schulleiter des Gymnasiums in Haltern am See. „Ich bin dann direkt hochgegangen, um den Eltern diese fürchterliche Nachricht zu überbringen“, berichtet er in der ARD-Dokumentation. „Es war sicherlich einer der schlimmsten Momente meines Lebens, Eltern die Nachricht zu überbringen, dass ihre Kinder nicht zurückkommen.“
Ulrich Wessel, Schulleiter des betroffenen Gymnasiums in Haltern am See, musste den Eltern die schlimme Nachricht überbringen. 16 Schülerinnen und Schüler starben bei dem Germanwings-Absturz 2015.
Es war nicht die Nachricht vom Unglück, sondern die Gewissheit, dass die Kinder gestorben sind.
An solchen Tagen funktioniere man nur, sagt er. „Es war viel Weinen und Schreien im Raum“, erinnert sich Lindas Mutter. Das habe sie nicht ertragen, und sie seien dann gegangen.
Doku über Germanwings-Absturz – Einblicke in die Psyche des Copiloten muten einiges zu
Neben den Erzählungen von Angehörigen, zitiert die WDR-Produktion auch ausführlich aus Notizen, die bei dem Copiloten gefunden wurden. Diese beschreiben einen Menschen, der von einer „unendlichen Traurigkeit“ geplagt war. Davon, dass er keinen anderen Ausweg mehr sieht, als seinem Leben ein Ende zu setzen. Ein Mensch, der dutzende Ärzte konsultiert, schließlich verschiedene Suizid-Methoden im Internet recherchiert – und dabei auch den Absturz eines Flugzeugs in Betracht zieht. Die Dokumentation ist keine leichte Kost.
Unfälle, Bomben, Abschüsse: 25 bekannte Flugzeugabstürze der Geschichte
Immer wieder stellen sich die Fragen: Warum konnte der Copilot den Kapitän so einfach aus dem Cockpit aussperren und dann ein großes Verkehrsflugzeug zum Absturz bringen? Wo hat das System versagt? Und was muss sich ändern, damit so etwas nicht noch einmal passiert?
Alle vier Folgen von „Der Germanwings-Absturz – Chronologie eines Verbrechens“ sind in der Mediathek verfügbar. Ein Sendetermin im linearen Fernsehen steht laut WDR noch aus.