VonChristoph Gschoßmannschließen
Nach dem Unglück ist Südkorea in Schockstarre. Ein Vogelschlag soll der Auslöser gewesen sein, doch diese Theorie wird nicht von allen geteilt.
Muan – Das tragische Flugzeugunglück in Südkorea wirft viele Fragen auf. Laut neuesten Informationen könnte ein Vogelschlag der Auslöser gewesen sein. Die Piloten des verunglückten Flugzeugs setzten kurz vor der Bruchlandung einen Mayday-Notruf ab, nachdem sie einen Zusammenstoß mit Vögeln gemeldet hatten. Diese Information stammt von der Nachrichtenagentur Yonhap, die sich auf das Verkehrsministerium beruft.
Nur zwei der 181 Menschen an Bord der Unglücksmaschine in Südkorea überleben
Vor der Landung in Muan wurde das Flugzeug vom Tower vor Vögeln gewarnt. Dies stärkt den Verdacht, dass ein Vogelschlag und Probleme mit dem Fahrwerk der Boeing 737-800 von Jeju Air zusammenhängen könnten. Trotz der Warnung landete das Flugzeug am Sonntagmorgen (29. Dezember 2024, Ortszeit) auf dem Flughafen von Muan ohne ausgefahrenes Fahrwerk. Es kam nicht rechtzeitig zum Stehen und zerschellte an einer Mauer, wie auch Augenzeugen berichteten.
Fast alle der 181 Insassen kamen bei dem Unglück ums Leben. Nur zwei Crew-Mitglieder überlebten. Der Flug 7C2216 kam aus Bangkok und an Bord waren neben zwei thailändischen Staatsbürgern ausschließlich Koreaner. Am Montag teilten die Behörden mit, dass 141 Opfer bereits durch DNA-Proben oder Fingerabdrücke identifiziert werden konnten.
Schlechte Wetterbedingungen könnten auch ein Grund für den Unfall sein
Allerdings sind Experten skeptisch, ob ein Vogelschlag tatsächlich der Grund für den Unfall war. Geoffrey Dell, ein australischer Flugsicherheitsexperte, äußerte gegenüber Reuters: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Vogelschlag das Ausfahren des Fahrwerks verhindert hat“. Es bleibt unklar, warum das Flugzeug das Fahrwerk nicht ausfahren konnte. Neben dem Vogelschlag werden auch schlechte Wetterbedingungen als mögliche Ursache für das Unglück in Betracht gezogen.
Geoffrey Thomas vom Branchenportal Airline News äußerte ebenfalls Kritik an der Vogelschlag-Theorie. „Ein Vogelschlag ist nicht ungewöhnlich, Probleme mit dem Fahrwerk sind nicht ungewöhnlich“, sagte er. „Vogelschläge kommen viel häufiger vor, aber sie führen in der Regel nicht von selbst zum Verlust eines Flugzeugs.“
Verkehrsministerium prüft alle Boeing 737 im Land
Gerald Wissel von Ratzeburger Airborn Consulting wies darauf hin, dass das Fahrwerk auch manuell hätte ausgefahren werden können. Er stellte auch die Frage, warum die Feuerwehr nicht mit einem Schaumteppich bereitstand. Wissel betonte, dass die Auswertung der bereits sichergestellten Flugschreiber abgewartet werden müsse.
Das Verkehrsministerium in Seoul gab am Montag bekannt, dass es Pläne für eine Sonderinspektion aller 101 im Land in Betrieb befindlichen Flugzeuge vom Typ Boeing 737 prüft. US-Ermittler sind ebenfalls an der Untersuchung beteiligt, möglicherweise auch mit Unterstützung des angeschlagenen Flugzeugherstellers Boeing.
Einwöchige Staatstrauer in Südkorea nach Flugzeug-Unglück
In Südkorea wurde aufgrund des Vorfalls eine einwöchige Staatstrauer ausgerufen. Am Montag (30. Dezember 2024) wurden die Flaggen des Landes auf Halbmast gesetzt. Interimspräsident Choi Sang Mok wird am Unglücksort in Muan erwartet, um eine Gedenkfeier abzuhalten. (cgsc mit afp)
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