Hanoi ist nicht nur die Hauptstadt von Vietnam, sondern gilt auch als eine der ältesten noch bestehenden Städte Südostasiens. Nach der Kolonialzeit war sie Schauplatz von blutigen Unabhängigkeitskriegen. 1999 erhielt sie den Titel „Stadt des Friedens“.
- Hanoi wurde im Jahr 1010 als Residenzstadt des Königreiches Đại Việt gegründet.
- Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie zum Verwaltungssitz von Französisch-Indochina.
- 1976 wurde Hanoi zur Hauptstadt des wiedervereinten Vietnams ausgerufen.
Hanoi – Die Geschichte von Hanoi ist über 1000 Jahre alt. Die Stadt am Delta des Roten Flusses blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Zahlreiche Dynastien, Herrscher und Kolonialmächte gaben sich hier die Klinke in die Hand. Besonders die Kolonialzeit sowie der Indochina- und Vietnamkrieg haben das Stadtbild stark verändert und geprägt. Inzwischen hat sich Hanoi in Vietnam zur Millionenmetropole entwickelt und sich in den letzten Jahrzehnten international einen guten Ruf aufgebaut.
Hanoi: Frühgeschichte und Gründung
Nur wenige Kilometer des nördlichen Stadtzentrums von Hanoi befindet sich die Zitadelle Cổ Loa. Hier siedelten bereits in der Bronzezeit Menschen an. Aus der sogenannten „Dong-Son-Kultur“ (etwa 800 vor Christus bis 200 nach Christus), die den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit markiert, sind hier viele aufwendig gestaltete Artefakte wie die berühmten Bronzetrommeln überliefert. Die Zitadelle wurde im Jahr 257 vor Christus vom vietnamesischen Herrscher Thục Phán zur Hauptstadt des von ihm gegründeten Königreichs Ȃu Lạc erkoren.
Im Jahr 866 wurde am Westufer des Roten Flusses von der chinesischen Tang-Dynastie die Zitadelle Đại La errichtet. Diese wurde im Jahr 1010 von König Lý Thái Tổ unter dem Namen Thăng Long (was so viel wie „aufsteigender Drache“ bedeutet) zur Residenzstadt des Königreiches Đại Việt gegründet. Dieses Jahr wird auch als das Gründungsjahr des heutigen Hanoi angesehen. Die Hauptstadt Vietnams gilt somit als eine der ältesten der bestehenden Hauptstädte Südostasiens.
Hanoi: Wechselnde Dynastien, verschiedene Namen
Im Laufe der Jahrhunderte wurde Hanoi immer wieder von Invasoren erobert. Je nach vorherrschender Dynastie wurde die Stadt im 15. Jahrhundert mehrfach umbenannt. Zu Zeiten der Ho-Dynastie (1400 bis 1407) trug sie den Namen Đông Đô (übersetzt: „östliche Hauptstadt“). Unter dem Einfluss der Ming-Dynastie wurde sie in Đông Quan (übersetzt: „östliches Tor“) umbenannt. Ab dem Jahr 1430 wurde schließlich der Name Đông Kinh geläufig, was ebenfalls „östliche Hauptstadt“ bedeutet.
Aus diesem Namen leitete im 17. Jahrhundert die Niederländische Ostindien-Kompanie bei der Errichtung von Handelsniederlassungen den Namen „Tongking“ ab, unter dem das historische Hanoi auch in Europa bekannt wurde. Zur Zeit der Ngyuen-Dynastie (1802-1945) musste Hanoi allerdings seinen Status als Hauptstadt an Huể in Zentralvietnam abtreten. Es blieb allerdings administratives Zentrum für den Norden des Landes. In diesem Zusammenhang erfolgte 1831 unter Kaiser Minh Mạng auch die Umbenennung der einstigen Landeshauptstadt in Há Nội, was aufgrund der geografischen Lage übersetzt „Stadt innerhalb der Flüsse“ bedeutet. Hintergrund war, dass der Drache als Symbol der kaiserlichen Macht ausschließlich der Hauptstadt Huể vorbehalten war.
Hanoi: Französisch-Indochina und japanische Besetzung
Auch die Kolonialzeit hat ihre Spuren in Hanoi hinterlassen. 1873 wurde die Stadt von der französischen Kolonialmacht besetzt. Zehn Jahre später wurde aus Alt-Hanoi ein modernes Verwaltungszentrum von Französisch-Indochina. Dies machte sich vor allem auch am Stadtbild bemerkbar. Frankreich ließ breite Straßen wurden anlegen. Durch die Errichtung von öffentlichen Gebäuden, Kirchen, Kultureinrichtungen und Luxusvillen wurden allerdings auch Teile des alten Hanois zerstört. Unter anderem wurden Seen zugeschüttet. Auch Kaiserpaläste und Zitadellen mussten der Modernisierung weichen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Hanoi von Japan besetzt. Die japanische Vorherrschaft hielt bis 1945 an.
Hanoi im Indochina- und Vietnamkrieg
Der Revolutionär und Politiker Ho Chi Minh rief am 2. September 1945 in Nordvietnam die Demokratische Republik Vietnam aus. Anfang Januar 1945 wurde Hanoi von der vietnamesischen Nationalversammlung zur Hauptstadt der neuen Republik erklärt. Allerdings setzten in Hanoi bald schon heftige Auseinandersetzungen zwischen den Franzosen und den kommunistischen Gruppen der Việt Minh ein: Diese gipfelten schließlich im Indochinakrieg.
Die Teilung des Landes 1954 auf der Indochinakonferenz in Genf führte ein Jahr später den Vietnamkrieg (1955-1976) herbei. Hanoi wurde in dieser Zeit von den Amerikanern bombardiert. Die ersten Bomben fielen 1966 auf die Hauptstadt nieder. Der letzte Bombenangriff erfolgte 1972. Allein bei der Bombardierung zum Weihnachtsfest 1972 wurden rund 40.000 Tonnen Sprengstoff über Hanoi abgeworfen, die etwa ein Viertel der gesamten Stadt zerstörten.
Hanoi: Eine „Stadt des Friedens“
Die Teilung des Landes wurde nach Kriegsende wieder rückgängig gemacht und der Norden mit dem Süden vereint. Am 2. Juli 1976 wurde Hanoi wieder zur Hauptstadt von Vietnam ernannt. Da sich Hanoi unermüdlich für den Erhalt des Friedens einsetzt, sich um die Förderung der Gleichberechtigung in der Gemeinschaft bemüht und sich auch stark für Umweltschutz sowie Förderung von Kultur, Bildung und Betreuung jüngerer Generationen einsetzt, wurde ihr am 16. Juli 1999 von der UNESCO als einzige Stadt im asiatisch-pazifischen Raum der Titel „Stadt des Friedens“ verliehen.
Auch in den Folgejahren hat sich Hanoi immer wieder aufs Neue profiliert. 2003 und 2021 war sie Gastgeber der Südostasienspiele, organisierte 2006 das Wirtschaftstreffen der APEC Vietnam, war Austragungsort der Asien-Hallenspiele 2009 und richtete 2019 das Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA aus. Am 31. Oktober 2019 ist Hanoi anlässlich des Weltstädtetags als Design City dem Network of Creative Citites der UNESCO beigetreten.
Hanoi: Durch Verwaltungsreform zur Weltmetropole
Hanoi ist nicht nur Hauptstadt, sondern besitzt in Vietnam verwaltungstechnisch auch den Status einer Provinz. Am 1. August 2008 wurden die Provinz Há Tây, der Bezirk Mê Linh der Provinz Vính Phúc sowie weitere Bezirksteile der Provinz Hòa Bình zu einem neuen Verwaltungsgebiet von Hanoi zusammengelegt. Durch diese Verwaltungsreform wuchs die Fläche von Hanoi auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Größe an und wurde so zu einer der größten Hauptstädte der Welt. Die Stadt zählt mittlerweile über 8 Millionen Einwohner.
Hanoi selbst ist wiederum in 29 Bezirke untergliedert. Diese umfassen zehn Stadtbezirke, 18 Landkreise und eine Marktgemeinde. Davon haben zwei Stadtbezirke sogar Städtepartnerschaften mit Stadtbezirken in Berlin (Marzahn-Hellersorf seit 2013 und Lichtenberg seit 2015).
Darüber hinaus existieren noch Städtepartnerschaften mit:
- Ankara (Türkei), seit 1998
- Bangkok (Thailand), seit 2004
- Peking (China), seit 1994
- Seoul (Südkorea), seit 1996
- Warschau (Polen), seit 2000
Hanoi: Geografie, Lage und Klima
Hanoi befindet sich am Delta des sogenannten Roten Flusses (Sông Hổng). Von dieser geografischen Lage leitet sich auch der Name der Hauptstadt ab. Der Rote Fluss selbst mündet etwa 100 Kilometer entfernt in den Golf von Tonkin, einem Ausläufer des Südchinesischen Meeres.
Das Klima in Hanoi gilt als subtropisch-monsunal. Die Sommer sind mit Durchschnittstemperaturen von bis zu 32,9 Grad Celsius meist sehr feucht und heiß. Die Wintermonate sind mild und trocken, mit einer minimalen Durchschnittstemperatur von etwa 13,7 Grad. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 1.682 mm. Acht von zwölf Monate weisen eher feuchtes Klima auf, vier sind dagegen trocken.
Hanoi: Kultur und Sehenswürdigkeiten
Noch heute machen sich die zahlreichen historischen Einflüsse in der Hauptstadt Vietnams bemerkbar. Neben der zum Teil der jahrhundertealten südostasiatischen wie chinesischen Architektur, mit seinen zahlreichen Pagoden und Tempeln, sind auch die Auswirkungen der Kolonialzeit deutlich sichtbar. Das Stadtbild aber auch geprägt von vielen Seen, die für die Stadtbewohner beliebte Naherholungsziele sind.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Übersicht:
- Altstadt, Viertel der 36 Gassen
- Ba-Đình-Platz
- Hoan-Kiem-See
- Westsee
- Jadeberg-Tempel
- Literaturtempel (seit 2010 im UNESCO-Weltdokumentenerbe)
- Einsäulenpagode
- Ho-Chi-Minh-Wohnhaus
- Ho-Chi-Minh-Mausoleum
- Ho-Chi-Minh-Museum
- Überreste der Zitadelle Thăng Long (seit 2010 im UNESCO-Weltkulturerbe)
- Flaggenturm
- Nationalmuseum
- Parfüm-Pagode
- Revolutionsmuseum
- Vietnamesische Nationaluniversität
- Oper
- Thăng-Long-Wasserpuppentheater
- Ethnologisches Museum von Vietnam