Auf den Krieg folgte der Kommunismus und in den letzten Jahren schön langsam die Öffnung für an der beeindruckenden Natur interessierte Touristen. Wissenswertes über Vietnam.
München – Vietnam ist ein langgestreckter Küstenstaat in Südostasien und grenzt an Kambodscha, Laos und im Süden an China. Die Hauptstadt ist Hanoi im Norden des Landes, die größte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt hingegen ist Ho Chi Minh City. Vietnamesisch ist die Amtssprache in Vietnam. Für immer in Erinnerung bleiben wird das Land aufgrund des Vietnamkriegs in den 1970er-Jahren.
Heute öffnet das kommunistisch-regierte Land schön langsam auch für Touristen und hat sich insbesondere aufgrund seiner Naturerlebnisse zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Südostasiens entwickelt. 2016 überstieg die Zahl der ausländischen Touristen die Zehn-Millionen-Marke. Danach brach der Umsatz mit Touristen aufgrund der Coronapandemie ein.
Vietnam – die wichtigsten Zahlen, Daten & Fakten des Landes
- Hauptstadt: Hanoi
- Staats- und Regierungsform: Sozialistische Republik mit Einparteiensystem
- Staatsoberhaupt (Stand: November 2022): Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams Nguyễn Phú
- Trọng (de facto), Präsident Nguyễn Xuân Phúc (de jure)
- Regierungschef (Stand: November 2022): Premierminister Phạm Minh Chính
- Amtssprache: Vietnamesisch
- Einwohnerzahl: 97,3 Millionen (Schätzung aus dem Jahr 2020)
- Bevölkerungsdichte: 314 Einwohner pro km²
- Fläche: 331.690 km²
- Währung: Đồng (VND)
- Bruttoinlandsprodukt: 343 Milliarden US-Dollar (2020)
Vietnam – die Geschichte des Landes
Vietnam wurde um das Jahr 200 vor Christi gegründet und keine hundert Jahre später von China erobert. Über tausend Jahre stand Vietnam unter chinesischer Herrschaft, danach war es viele Jahrhunderte unabhängig. 1862 machte Frankreich Vietnam zu seinem Schutzgebiet, einer Art Kronkolonie.
An diese Zeit erinnern noch einige alte Häuser, die im französischen Stil gebaut sind. Um die Jahrhundertwende formierte sich erster Widerstand gegen die Kolonialmacht. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise ab 1927 wuchsen die Proteste, sie blieben aber noch unkoordiniert.
1930 wurde ein Aufstand blutig niedergeschlagen. Erst Ho Chi Minh, Gründer und Führer der Kommunistischen Partei Indochinas, gelang mit der 1941 gegründeten Bewegung „Vietminh“ der Aufbau einer Basis für den Kampf gegen die Besatzer. Nach der Verkündigung der Unabhängigkeit des Landes zerbrach Vietnam in zwei Teile: in einen kommunistischen Norden und einen westlich orientierten Süden.
Der Konflikt zwischen Nord- und Südvietnam führte zu einem erbitterten Krieg. Die USA kämpften im Vietnamkrieg auf der Seite des Südens und erlitten dabei selbst auch sehr schwere Verluste. Nach dem sogenannten Tonkin-Zwischenfall von 1964 hatte Präsident Lyndon B. Johnson im Februar 1965 erstmals Nordvietnam direkt bombardieren lassen. Ab März entsandte er außerdem immer mehr Bodentruppen zur Bekämpfung der NLF (engl. für: National Liberation Front of South Vietnam; deutsch: Vietcong) nach Südvietnam.
Am 30. April 1974 hatten die Nordvietnamesen die Innenstadt und den Präsidentenpalast Saigons ohne Widerstand eingenommen. 1975 gab sich Südvietnam geschlagen und ein Jahr später wurden die beiden Teile als Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint. Die Flucht der letzten Amerikaner mit einem Hubschrauber aus ihrer Botschaft ging um die Welt. Dieser Krieg hatte bis zu 1 Million Vietnamesen und 58.220 US-amerikanische Soldaten das Leben gekostet. Insgesamt waren etwa 500.000 US-amerikanische Soldaten in den Kämpfen beteiligt.
Vietnam – das politische System des Landes
Vietnam ist ein Einparteienstaat, in dem die Kommunistische Partei Vietnams das Monopol auf die Macht innehat. Ihre Vormachtstellung ist in der Verfassung festgesetzt. Hauptsächlich drei Politiker dieser Partei führen das Land: der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Vietnams, der Premierminister und der Staatspräsident.
Die Menschenrechtslage ist problematisch, denn in Vietnam herrscht Zensur. Menschenrechte wie Rede- oder Versammlungsfreiheit gelten zwar offiziell, sind tatsächlich aber eingeschränkt. Die Presse wird entsprechend der Regierungsmeinung zensiert und die Zivilgesellschaft stark überwacht.
Es gibt keine Opposition, die politisch der Regierung widersprechen und sie kontrollieren könnte. Bei den Wahlen, die alle fünf Jahre stattfinden, gibt es daher keine echten Alternativen für die Wähler. Vietnam verfügt de facto über keine unabhängige Judikative. Die im vietnamesischen Rechtssystem handelnden Personen sind alle unmittelbar oder mittelbar durch die kommunistische Partei bzw. die Vietnamesische Vaterlandsfront ausgewählt
Vietnam – die Wirtschaft des Landes
Vietnams Haupterwerbsquellen sind die Landwirtschaft und der Fischfang. Insbesondere die fruchtbaren Schwemmländer der Deltas des Roten Flusses im Norden und des Mekongs im Süden sind die wichtigsten Reisanbaugebiete des Landes. In geringem Maße werden auch Süßkartoffel und Mais angebaut.
Aus diesem Grund gehören diese Regionen zu den am dichtesten besiedelten Regionen Vietnams. Drei Viertel von Vietnams Territorium machen die weitläufigen Gebirgsregionen und Hochebenen aus. Viele Vietnamesen arbeiten in Fabriken und stellen dort Produkte wie Teppiche, T-Shirts oder Schuhe her, die für sehr wenig Geld im Rest der Welt zu kaufen sind.
In Vietnam müssen oft schon Kinder mitarbeiten, da die Arbeiter nur sehr wenig Geld verdienen. Fast jedes zweite Kind gilt als unterernährt. Eine wichtige Einnahmequelle sind mittlerweile auch die vielen Touristen, die die abwechslungsreiche Natur genießen oder die historischen Sehenswürdigkeiten bewundern wollen. Im Norden Vietnams liegt etwa die Halong-Bucht, mit ihren Kalkfelsen ein UNESCO-Weltnaturerbe.
Im Jahr 2003 lagen die Einnahmen aus dem Tourismus mit 1,24 Milliarden Euro bei rund 3,5 Prozent des Bruttonationalproduktes. Dies entsprach bei damals rund 2,43 Millionen Touristen also etwa 510 Euro pro Person. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nahmen die Umsätze mit 10,57 Milliarden Euro einen Anteil von 3,6 Prozent des Bruttonationalproduktes ein. Im Jahr 2020 brach der Umsatz mit Touristen aufgrund der Corona-Pandemie ein. Von den 10,57 Milliarden Euro (2019) blieben nur noch 2,83 Milliarden Euro übrig. Dies ist in Vietnam ein Rückgang um 73 Prozent.
Vietnam – die Bevölkerung des Landes
Der größte Teil der Bevölkerung, etwa 88 Prozent, sind ethnische Vietnamesen (Vieth oder Kinh). Daneben leben 53 anerkannte ethnische Minderheiten im Land, deren größte mit etwa 1,2 Mio. die der Auslandschinesen sind, die Hoa. Viele von ihnen sind Nachfahren der Einwanderer, die nach dem Zusammenbruch der Ming-Dynastie 1644 ins Land gekommen waren.
Die kleinsten Minderheiten zählen teilweise sogar nur wenige hundert Angehörige. Ein Großteil der Minderheiten ist im Bergland von Nordvietnam anzutreffen oder im Zentralen Hochland in der Landesmitte. Lediglich die Hoa, die Khmer und die Cham leben in Städten an der Küste oder auf dem flachen Land wie dem Mekong Delta. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in den dicht besiedelten Delta-Regionen des Roten Flusses im Norden und des Mekong im Süden. Nur ein verhältnismäßig geringer Anteil der Bevölkerung (38%) wohnt innerhalb urbaner Regionen.
Die zehn wichtigsten Städte in Vietnam sind:
- Hanoi / Hauptstadt, Delta des Roten Flusses, 4.678.000 Einwohner
- Ho Chi Minh Stadt, Südosten, 8.993.000 Einwohner
- Da Nang, Südlicher Küstenstreifen, 752.000 Einwohner
- Haiphong, Delta des Roten Flusses, 603.000 Einwohner
- Biên Hòa, Südosten, 407.000 Einwohner
- Nördlicher Küstenstreifen, 287.000 Einwohner
- Nha Trang, Südlicher Küstenstreifen, 283.000 Einwohner
- Can Tho, Mekong Delta, 260.000 Einwohner
- Rach Gia, Mekong Delta, 228.000 Einwohner
- Qui Nhon Südlicher Küstenstreifen, 210.000 Einwohner
Mit über 8,9 Mio. Menschen ist Ho Chi Minh-Stadt die bevölkerungsreichste Stadt Vietnams. Im Jahr 2021 betrug die Einwohnerzahl von Vietnam geschätzt rund 98,5 Millionen Personen. Für das Jahr 2022 wird ein Anstieg der Gesamtbevölkerung auf rund 99,4 Millionen Einwohner prognostiziert. Bis zum Jahr 2027 wird eine Zunahme auf über 103 Millionen Einwohner vorhergesagt. Da die Löhne von Angestellten und Staatsbediensteten sehr niedrig sind, haben viele Menschen mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen.
Vietnam – die Geografie des Landes
Vietnam ist ein Land im Westen des südchinesischen Meeres, hat eine Gesamtfläche von 331.230 km² und eine Küstenlänge von insgesamt 3.444 km. Zum Land gehören ebenfalls rund 4.000 teilweise unbewohnte Inseln. Vietnam liegt auf einer Höhe von durchschnittlich 398 Metern über dem Meeresspiegel.
- Der höchste Berggipfel (Phan-xi-păng) liegt auf 3.143 Metern Höhe. Der Berg befindet sich im Nordwesten des Landes. Direkte Landesgrenzen bestehen zu den drei Nachbarstaaten Kambodscha, China und Laos.
Mit einer Fläche von 568 km², bei rund 70.000 Einwohnern, ist Phú Quốc die größte Insel Vietnams und liegt im Golf von Thailand.
Längster Fluss des Landes ist der Mekong mit einer Gesamtlänge von rund 4.400 km. Der Fluss entspringt westlich des Jifu Shan auf einer Höhe von 5.375 m, in der Provinz Qinghai in der Volksrepublik China. Etwa die Hälfte des Flusses durchfließt China, bis er danach auf einer Länge von rund 200 km die Grenze zwischen Myanmar und Laos bildet. Anschließend bildet der Fluss die Grenze zwischen Laos und Thailand, und durchfließt durch teils tiefe Schluchten und Stromschnellen den Nordwesten von Laos bis nach Luang Prabang. Südöstlich der Stadt Muang Khong verlässt der Fluss dann Laos und fließt anschließend durch Kambodscha und danach in den Süden Vietnams, wo er über das rund 70.000 große Mekongdelta in das Südchinesische Meer mündet.
Vietnam – das Klima des Landes
In Vietnam herrscht wie in allen äquatornahen Ländern ein tropisches Klima. Das bedeutet: Im Süden gibt es keine Jahreszeiten im üblichen Sinn, sondern nur einen Wechsel von Regen- und Trockenzeit mit tropischen Temperaturen im gesamten Jahr. Im Norden ist von April bis September mit sehr hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit zu rechnen.
Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 23 und 33 Grad. In einigen Landesteilen erreichen die Werte tagsüber bis zu 35 Grad. Von Dezember bis Februar können die Temperaturen insbesondere in Höhenlagen auf unter 10°C sinken. In den kälteren Monaten sinkt die Temperatur je nach Region nachts auf bis zu 17°C im Monatsmittel ab.
Während der Regenzeit zwischen Juni und Dezember kann es zu Taifunen und tropischen Regenstürmen kommen. Besonders zwischen Juni und Oktober kommt es vor allem in den Zentralprovinzen und in den Provinzen des Mekong-Deltas, aber auch in einigen Regionen Nordvietnams, zu starken Überschwemmungen, die zu Beeinträchtigungen im Straßenverkehr führen. Wichtig für Touristen: Evakuierungen mit Hubschraubern sind dann kaum möglich. Straßensperren sind unbedingt zu beachten.