VonChristoph Gschoßmannschließen
Es herrscht Unwetter-Chaos in Norditalien. Der Fluss Seveso überflutet die Großstadt Mailand. Eine Person wird vermisst.
Mailand – Eine schwere Unwetterkatastrophe hat am Montag Norditalien heimgesucht und verheerende Schäden angerichtet. In der Millionenmetropole Mailand verwandelten sich binnen Stunden Straßen in reißende Ströme, während ganze Fahrzeuge vollständig unter den Wassermassen verschwanden. Das Ausmaß der Zerstörung übersteigt alle Erwartungen der Behörden. Der Fluss Seveso trat gegen 10:00 Uhr morgens über die Ufer und überflutete laut Il Meteo große Teile des Stadtteils Niguarda Il Meteo. Marco Granelli, Mailands Referent für Zivilschutz, musste laut Milano Corriere die dramatische Lage eingestehen: „Leider ist das Auffangbecken übervoll und ab 10:00-10:15 Uhr beginnt es in Niguarda, im Stadtteil Pratocentenaro, zu überfluten.“
Die Niederschlagsmengen erreichten katastrophale Dimensionen: Über 200 Millimeter Regen fielen in wenigen Stunden auf das Einzugsgebiet des Seveso, berichtet die Gazetta. Erstmals in der Geschichte Mailands versagten beide Auffangbecken gleichzeitig – sowohl das im Parco Nord als auch das erst kürzlich aktivierte Becken in Senago liefen über. Die Geschwindigkeit der Katastrophe war beispiellos: Das Auffangbecken von Senago wurde laut Milano Corriere um 7:45 Uhr aktiviert und war bereits um 10:00 Uhr vollständig überfüllt. Wenige Minuten später brach der Seveso seine Ufer und verwandelte die Viale Zara in einen reißenden Strom, in dem das Wasser 50 Zentimeter hoch stand.
Unwetter in Italien: Verzweiflung in den überfluteten Stadtteilen in Mailand
Besonders dramatisch war die Lage in den Quartieren Ca‘ Granda und Isola, wo Bewohner mit Sandsäcken und Metallbarrieren vergeblich ihre Geschäfte und Wohnungen zu schützen suchten. Eine verzweifelte Einwohnerin der Via Vidali brachte die Wut der Betroffenen zum Ausdruck: „Im Jahr 2025 passiert so etwas immer noch. Sie müssen die anderen Auffangbecken bauen. Sie müssen aufwachen. Das ist nicht mehr zu ertragen.“ Mehrere Condominium-Komplexe zwischen Ca‘ Granda und Viale Suzzani blieben ohne Strom, nachdem das Wasser des Seveso die unterirdischen Keller überflutet hatte. Sogar das Mailänder Berufungsgericht wurde überschwemmt, wodurch wichtige Gerichtsverfahren zum Stillstand kamen, wie Milano Repubblica berichtet.
Die Feuerwehr registrierte laut Milano Repubblica über 100 Notrufe allein in Mailand und Umgebung. In der Via Valcismon musste eine Privatschule evakuiert werden, während zahlreiche Autofahrer in überfluteten Unterführungen eingeschlossen waren. Besonders erschreckend waren die Szenen in Niguarda, wo das Wasser mit solcher Gewalt durch die Straßen strömte, dass ganze Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen wurden. Schon Mitte September hatte es in Italien ein Unwetter-Chaos gegeben, wie auch folgende Bilderstrecke zeigt:
Unwetter-Chaos in Italien: Wassermassen überfluten Urlaubsregionen – Dramatische Bilder




Brianza im Ausnahmezustand – deutsche Touristen in Gefahr
Die Situation in der Brianza erwies sich als noch katastrophaler. In Bovisio Masciago trat der Seveso über die Ufer und verwandelte laut Milano Corriere Straßen in „Torrenten in voller Fahrt“. Die Gemeinde warnte: „Die Situation im Ort ist sehr prekär. Es gibt verschiedene Geschäfte, Häuser und Keller, die überflutet sind.“ In Cesano Maderno ordnete Bürgermeister Gianpiero Bocca eine faktische Ausgangssperre an: „Geht nicht aus dem Haus, die Straßen sind komplett überflutet.“ Hier fielen 189 Millimeter Regen – der höchste Wert seit 25 Jahren.
Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur sind auch deutsche Urlauber von der Katastrophe betroffen. Am bei deutschen Touristen beliebten Comer See floss das Wasser „kniehoch durch die Straßen“ der Stadt Cabiate. Von einem Campingplatz mussten mehr als ein Dutzend Urlauber in Sicherheit gebracht werden, die von den nächtlichen Regenfällen überrascht worden waren. Mehrere Bahnverbindungen, darunter die wichtige Strecke Como-Chiasso, wurden unterbrochen. Die Rettungskräfte setzen Hubschrauber ein, um Menschen zu helfen, die durch das Wasser in ihren Häusern eingeschlossen sind.
Provinz Alessandria in Italien: eine Person nach Unwetter vermisst
In der Provinz Alessandria erreichte die Katastrophe ihren traurigen Höhepunkt. Hier fielen über 400 Millimeter Regen, was laut Il Meteo zu verheerenden Erdrutschen führte. Eine Frau wird noch immer vermisst, während 15 weitere Menschen aus einer isolierten Ortschaft gerettet werden konnten.
Lorenzo Torielli vom Zivilschutz Acqui Terme berichtete von der kritischen Lage: „Erhebliche Probleme in Pareto und Malvicino, mit Überschwemmungen von Wohnhäusern im Ortszentrum.“ Die Wetterexperten warnen vor einer Ausweitung der Unwetterfront. Die atlantische Störung bewegt sich ostwärts und wird in den kommenden Stunden weitere Regionen Norditaliens erreichen. Für diese Gebiete wird die kritischste Phase am Nachmittag erwartet, wenn weitere schwere Niederschläge die bereits gesättigten Böden zusätzlich belasten werden. Quellen: (Il Meteo, Milano Corriere, Milano Repubblica, DPA, Gazetta; cgsc)
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