VonJennifer Köllenschließen
Die Energiepreise sind auf Rekordhoch, Heizen wird diesen Winter extrem teuer. Der Umstieg auf Holz kann sich lohnen. Doch er bringt auch einige Nachteile.
Bremen – Die gute Nachricht: Die Gasspeicher sind soweit gefüllt, dass wir im kommenden Winter wohl nicht frieren müssen. Die schlechte Nachricht: Einige Menschen in Deutschland werden freiwillig weniger heizen und zu Hause bibbern. Denn Heizen wird 2022 extrem teuer, die Energiepreise für Gas und Öl erreichen Rekordwerte. Auch Strompreise kosten gerade bis zu 120 Prozent mehr. Geld sparen mit einem Heizlüfter, der Strom braucht, fällt also flach.
Deswegen setzen manche Menschen jetzt auf Gas-Alternativen. Sie wollen im Winter 2022 mit dem Ofen heizen, mit Holz oder Pellets. Womit schon unsere Großeltern zu Kriegszeiten geheizt haben, kann ja nicht so teuer sein, so offenbar die Annahme. Doch bringt das Heizen mit Holz überhaupt etwas? Was muss man sich dafür alles anschaffen? Und wie hoch sind die Preise für Holz und Pallets? Wir haben alle Pros und Contras.
Sollte man jetzt schon heizen?
Generell soll festgehalten werden, dass eine Heizung immer in Funktion sein muss, wenn die Innentemperaturen unter 18 Grad Celsius fallen. Dazu ist der Vermieter verpflichtet – vollkommen unabhängig von der Jahreszeit.
Natürlich liegen weiterhin individuelle Vorlieben und der Blick auf eine ökologische wie ökonomische als Grundlage der Verschiebung angepeilter Raumtemperaturen zugrunde. Pro einem Grad Temperaturunterschied lassen sich bis zu 6 Prozent des Energieverbrauchs senken oder erhöhen.
Heizen 2022: Geld sparen mit Heizlüfter, Holz-Ofen und Wärmepumpe? Das bringen die Gas-Alternativen
Im August war Erdgas 209,4 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Obwohl der Gaspreis an den Börsen seit einigen Wochen kontinuierlich sinkt, ist er immer noch um ein vielfaches höher als im vergangenen Jahr. Und wie sich der Gaspreis in den nächsten Wochen entwickelt, lässt sich nicht vorhersagen. Aufgrund steigender Energiepreise diskutieren unsere Politiker derzeit eine die Gaspreisbremse und die Strompreisbremse. Fest steht: Heizen mit Gas wird uns im Jahr 2022 um ein vielfaches mehr kosten. Doch kann man mit einem Umstieg von der Gasheizung auf das Heizen mit Holzofen oder Holz-Pellets wirklich Geld sparen?
Heizen 2022 mit Holz-Pellets statt Gas: Pelletöfen sind teuer – dennoch spart man damit Geld
Wie in alten Zeiten: Immer mehr Menschen setzen beim Heizen 2022 auf Holz oder Holzpellets, vor allem im Hinblick auf den Heizspiegel 2022, demnach die Heizkosten sich fast verdoppeln können. Nach Angaben des Deutschen Pelletinstituts wurden im ersten Halbjahr 2022 rund 32.000 Pelletheizungen verkauft – zwölf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das berichtet ntv. Und auch das Interesse an Hackschnitzel-Heizungen zum Heizen 2022 ist enorm gestiegen.
Pellet-Öfen kann man ab 1700 Euro erwerben. Die Pellets bestehen aus gepressten Holz-Rohstoffen wie Sägemehl, aber auch aus Heu und Gras. Um Geld zu sparen, kann man die Pellets sogar selbst herstellen. Allerdings muss man sich hierfür eine Pelletpresse anschaffen, die ab 1000 Euro kostet.
Wer Pellets kauft, muss dafür seit diesem Jahr viel Geld zahlen. In den vergangenen Jahren hätten die Brennstoffkosten für Holzpellets stets zwischen 30 und 50 Prozent unter denen von Öl und Gas gelegen, berichtet die Schwäbische Zeitung. Jetzt seien die Preise aber regelrecht explodiert. Für die rund sechs Tonnen Holzpellets, die ein Einfamilienhaus pro Jahr benötige, müsse man bei diesen Preisen nicht mehr nur 1300 Euro, sondern 4600 Euro zahlen.
Heizen mit Holz 2022: Laut Bundesverband günstiger als mit Gas
Nach Angaben des Pelletinstituts und des Bundesverbands für Brennholzhandel und Brennholzproduktion ist Heizen mit Holz nach wie vor günstiger als mit Öl oder Gas. Dem Pelletinstitut zufolge kostete eine Kilowattstunde, die durch die Verbrennung von Holzpellets erzeugt wird, im Zeitraum Januar bis August durchschnittlich rund 8,8 Cent – die mit Erdgas rund 14,11 Cent. Dabei muss man aber beachten: Dies gilt nur ohne die Anschaffungskosten.
Wann endet die Heizperiode 2023?
Auch im Jahr 2023 gilt wohl die bereits etablierte Heizperiode zwischen dem 1. Oktober und dem 30. April. An dieser Zeitspanne orientieren sich auch die meisten Hausverwaltungen und Vermieter, um die Heizung in Wohnungen, Häusern etc. einzuschalten.
Heizen mit Holz im Ofen und Kamin: Das ist günstig – wenn man schon einen Kamin oder Ofen hat
Das Heizen mit Holz lohnt sich genauso wie das Heizen mit Holzpellets – wenn man bereits einen Ofen hat. Das machen sich immer mehr Deutsche zunutze. Mehr als eine Million Haushalte in Deutschland verheizen Scheitholz, Holzpellets oder Holzhackschnitzel, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angibt. Zusätzlich gebe es über elf Millionen sogenannte Einzelraumfeuerstätten wie etwa Kaminöfen.
Durch die teuren Energiepreise bei Gas und Öl wird die Nachfrage nach Kaminen und Holz-Öfen immer beliebter. Verkäufer kommen mit dem Bearbeiten der Käufer-Anfragen kaum hinterher.
Doch lohnt sich das Heizen mit Holz statt Gas finanziell tatsächlich? Schließlich ist auch Brennholz 2022 deutlich teurer geworden. So oder so sollten Sie 2022 nicht zu früh mit dem Heizen anfangen, um Kosten zu sparen.
Brennholz und Pellets teuer wie nie – 86 Prozent Preisanstieg
Im August stieg der Preis von Holz und Pellets um knapp 86 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Die Stuttgarter Nachrichten haben die Kosten von Heizen mit Holz, Holzpellets und Gas verglichen. Das Fazit: „Beschränkt man sich in der Betrachtung nur auf die Betriebskosten und lässt andere Faktoren wie Anschaffungskosten, Heizfläche und individuelles Heizverhalten außen vor, hat Holz die Nase vorn.“ Die Preise würden sich allerdings ständig verändern, „mit weiteren Preisanstiegen“ sei im Verlauf des Jahres bei allen Brennstoffen zu rechnen. „Wer einen genaueren Vergleich anstellen will, sollte sich die Preise von lokalen Anbietern ansehen. Bei der Entscheidung, ob sich der nachträgliche Einbau eines Holzofens finanziell lohnt, können die Energieberater der Verbraucherzentrale helfen.“
Heizen 2022: Neuanschaffung eines Kamins kostet mehrere 1000 Euro
Außerdem kostet ein neuer Kamin zwischen 600 und 2000 Euro und mehr. Ist noch kein Kamin vorhanden, kostet ein Edelstahlschornstein, um den Ruß aus dem Haus zu leiten, nochmals 1000 Euro. „Soll der nachträglich eingebaute Schornstein allerdings im Hausinneren verlaufen (sogenannter Leichtbauschornstein) werden Sie in der Regel kaum unter einem Kostenaufwand von rund 3.000 EUR bis 4.000 EUR für den Schornstein davonkommen“, schreibt kostencheck.de.
Wann soll man anfangen zu heizen?
Die Heizsaison startet im Regelfall am 1. Oktober und endet am 30. April. Doch je nach Witterung und der Region in Deutschland kann eine Abweichung vom Zeitpunkt stattfinden. So kann unter Umständen die Heizperiode auch schon Mitte September eingeläutet werden und bis Mitte oder sogar Ende Mai andauern.
Heizen mit Holz und Pellets günstig: Doch extrem schlecht für die Gesundheit
Zusätzlich zu den Kosten kommt noch ein weiterer wichtiger Punkt, der gegen das Heizen mit Holz und Pellets spricht: Der daraus entstehende Feinstaub, der dadurch durch die Räume zieht, kann extrem schlecht für die Gesundheit sein. So seien etwa Fälle von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes auf Feinstaub zurückzuführen, sagt Wolfgang Straff, Leiter des Fachgebiets Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung am UBA.
In Deutschland seien zwischen 2010 bis 2018 durchschnittlich jährlich etwa 17.500 Todesfälle durch Feinstaub verursacht worden. „Generell und unabhängig von der Quelle führt die Inhalation von Feinstaub zu relativ hohen Krankheitslasten in der Bevölkerung.“ Dabei warnt der Mediziner Straff speziell vor den Gesundheitsgefahren durch Feinstaub bei der Holzverbrennung.
Auch der Karlsruher Partikelforscher Achim Dittler hält das Heizen mit Holz für eine schlechte Idee und warnt im Interview mit der WirtschaftsWoche: „In vielen Wohngebieten werden wir katastrophale Atemluft haben.“
Heizen 2022 mit Holz: Umweltschützer warnen auch vor den Folgen für die Wälder
Noch dazu ist das Verbrennen von Holz auch nicht unbedingt gut, für das Klima. Das Umweltbundesamt schreibt: „Beim Verbrennen von Holz entstehen neben gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen auch klimaschädliches Methan und Lachgas. Bei der Klimabilanz von Brennholz müssen zudem Emissionen berücksichtigt werden, die bei Holzernte, Transport und Bearbeitung entstehen.“ Dazu kommt: Wenn die Bäume in unseren Wäldern weniger werden, so kommt es auch zu einer Abnahme des Kohlenstoffspeichers. Doch dieser hilft dabei, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu reduzieren und den Klimawandel auszubremsen.
