VonFabian Raddatzschließen
Verbraucher müssen in der Heizsaison 2021/2022 mit deutlich höheren Kosten rechnen. Wie teuer es wird, seine Wohnung warmzuhalten, zeigt eine Auswertung.
Berlin – Wer seine Wohnung im Winter warm halten will, muss wohl künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Schon im vergangenen Jahr haben Verbraucher fürs Heizen deutlich mehr hinlegen müssen – in diesem Jahr werden die Heizkosten noch stärker zulegen. „Besonders stark steigen die Kosten für Heizungen mit Gas, Öl und Strom, wie die Analyse zeigt“, teilte die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online mit.
Demnach dürfte sich das Heizen einer durchschnittlichen 70-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit Erdgas und Heizöl jeweils um deutlich mehr als die Hälfte verteuern – plus 67 Prozent bei Erdgas und plus 53 Prozent beim Heizen 2022 mit Heizöl. Das wären beim Gas immerhin 550 Euro mehr im Jahr, bei Öl knapp 500 Euro. Eine günstigere Alternative wäre das Heizen mit Holz, aber klimafreundlich sieht in diesem Zusammenhang anders aus.
Heizen 2022: „Solch ein starker Anstieg wurde noch nie verzeichnet“
Schon für 2021 hatte co2online bei diesen beiden Energieträgern Kostensteigerungen von 20 Prozent (Erdgas) beziehungsweise 51 Prozent (Heizöl) verzeichnet. Während die Kosten für Holzpellets damals aber noch vergleichsweise stabil blieben, ist auch dieser Energieträger laut Analyse im laufenden Jahr von deutlichen Preissteigerungen betroffen: Um 54 Prozent soll sich das Heizen mit Holz verteuern und damit im Schnitt um rund 310 Euro pro Wohnung. Die Strompreise 2022 können bis zu 120 Prozent mehr steigen.
„Solch ein starker Anstieg der Heizkosten wurde seit der ersten Veröffentlichung des Heizspiegels im Jahr 2005 noch nie verzeichnet“, teilte co2online-Geschäftsführerin Tanja Loitz mit. Dabei wurde auch nicht die Gasumlage mit einberechnet, die nun gekippt werden soll.
„Was im Durchschnitt schon sehr viel ist, kann im Einzelfall auch noch deutlich mehr sein“, fügte Loitz hinzu. Bei vielen Haushalten kämen die höheren Kosten erst mit der Abrechnung im kommenden Jahr an. „Darauf sollten sich die Haushalte rechtzeitig einstellen und entsprechend handeln.“ Grundlage für die Analyse sind eigenen Angaben zufolge mehr als 190.000 Abrechnungen für das Jahr 2021 sowie aktuelle Preis- und Wetterdaten.
Heizspiegel 2022: So hoch könnten die Kosten anfallen
Doch das Beratungsunternehmen sieht noch weitreichende Einsparpotenziale. „In einer Wohnung mit 70 Quadratmetern und Gaszentralheizung im Mehrfamilienhaus liegt das Sparpotenzial im Schnitt bei 640 Euro pro Jahr“, teilte co2online mit. Noch verbrauchten 90 Prozent aller Haushalte zu viel Heizenergie. „Die meisten Menschen schätzen ihren Verbrauch und den Einfluss schon kleinster Maßnahmen auf die Kosten falsch ein“, hieß es.
Laut den Experten gibt es für die Preissteigerung im Abrechnungsjahr 2021 vor allem zwei Gründe: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Energiepreise stark gestiegen. Zusätzlich waren die Temperaturen kühler, weshalb deutlich mehr und länger geheizt wurde. Der Deutsche Wetterdienst hat zudem festgestellt, dass die Anzahl der Heizgradtage in der 1. Jahreshälfte 2022 geringer als im Vorjahr war. Zudem sei es auch möglich, dass sich die Sparwilligkeit der Haushalte sehr stark auf die durchschnittlichen Heizenergieverbräuche auswirken könnte.
Experte rät für Heizen 2022: Unbedingt auf die Abrechnung schauen
Auch die Energieversorger haben den starken Anstieg der Energiepreise in den vergangenen Monaten verfolgt, weshalb sie nun bereits jetzt höhere Abschlagszahlungen von ihren Kunden verlangen. Damit soll aber eher die enorme Kostenbelastung abgefedert werden, die im Abrechnungsjahr 2022 auf die Haushalte zukommt, schreibt t-online. Denn nicht jeder können eine fast verdoppelte Heizkostenjahresabrechnung begleichen, ohne dafür Schulden aufnehmen zu müssen.
Ob sich der Trend der hohen Energiekosten fortsetzt, ist unklar. Der Leiter des Heizspiegels bei co2online, Alexander Steinfeldt, sagt im Interview mit t-online: „Vom Verbrauch her können wir bis dato wenig Aussagen machen.“ Er rät dazu, sich die aktuelle Heizkostenabrechnung genau anzuschauen und sie überprüfen zu lassen.
Anhand der Daten sei es möglich, zu schauen, ob und inwiefern Haushalte ihren Energieverbrauch senken können. „Erst wenn Verbraucher ihre Abrechnung verstehen und ihren aktuellen Verbrauch kennen, können sie gezielt die Energiespartipps umsetzen. Nur so erkennt man, ob die Tipps für einen selbst sinnvoll sind oder nicht.“ Auch, bei welcher Außentemperatur Mieter die Heizung nutzen sollen.
