VonArmin T. Linderschließen
Die Retter und Unbeteiligte schütteln den Kopf: Ein 19-Jähriger musste von einem Schnee-Gipfel gerettet werden – er trug kurze Hose.
Jerzens - Bergretter sind so einiges an Unvernunft gewohnt – schließlich werden sie öfter auch deswegen zu Einsätzen gerufen, weil sich Menschen überschätzen. Was die Bergrettung in Jerzens (Tirol) erlebt hat, war ihr jetzt aber ein eigenes Social-Media-Posting nebst Warnung mit zwei roten Ausrufezeichen wert.
Die Helfer wurden demnach am Mittwoch zu einem Einsatz im Gipfelbereich des Wildgrats auf knapp 3000 Metern gerufen. Ein junger Wanderer habe aufgrund des Neuschnees und der schlechten Sichtverhältnisse den Notruf abgesetzt. Die Einsatzkräfte flogen mit einem Hubschrauber an und nahmen den Wanderer unter der Nebelgrenze auf, um ihn sicher ins Tal zu bringen.
Tirol: Wanderer in kurzer Hose gerettet
In dem Facebook-Posting heißt es, der junge Mann sei nur mit einer kurzen Hose und einer dünnen Jacke bekleidet gewesen. Er kam glimpflich mit einer Unterkühlung davon. Der eindringliche Aufruf der Bergretter: „In Anbetracht der schneereichen & winterlichen Verhältnisse in größeren Höhen, appellieren wir an alle, sich vor Beginn einer Bergtour über die Verhältnisse zu informieren & sich dementsprechend auszurüsten.“
Wie Krone.at berichtet, handelte es sich um einen 19-Jährigen aus Frankfurt in Hessen. Für den es noch ein Nachspiel gibt: Dem Bericht zufolge müsse er die Kosten für den Einsatz berappen, laut Polizei mehrere tausend Euro. Christoph Silberberger, Leiter der Alpinpolizei in Kufstein, war bei der Rettung mit dabei. Er sagte zur Bild: „Ein Mann auf dem Gipfel nur in kurzen Hosen? Das ist schon eher ungewöhnlich.“
Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, sei er um 9 Uhr zur Wanderung aufgebrochen. Laut Krone.at folgte der 19-Jährige dem markierten Steig, der laut Polizei „mit zunehmender Höhe immer mehr mit Neuschnee bedeckt war“. Um 15.30 Uhr, also schon tief am Nachmittag, kam er tatsächlich am Gipfel an. Bei 20 Zentimetern Neuschnee und minus fünf Grad. Den Abstieg traute er sich da nicht mehr zu. „Das glaubste einfach nicht, nur Kopfschütteln. Vielen Dank euch“, kommentiert ein Nutzer unter dem Facebook-Beitrag. „Ohne Worte“, heißt es ebenfalls.
Nach Einsatz in Tirol: Bergretter sieht generelles Problem durch die sozialen Medien
Der erfahrene Retter Silberberger sieht ein generelles Problem: „In den sozialen Medien wird den Leuten gerne ein verfälschtes Bild dargestellt. Mit perfektem Wetter auf dem Gipfel. Die Sonne scheint, alles sieht ganz einfach aus.“ Dass es auf dem Gipfel auch ganz anders aussehen kann, erfuhr der 19-Jährige aus Frankfurt am eigenen Leib – und wusste sich nicht mehr selbst zu helfen. Ein hessischer Hüttenwirt wurde jetzt auch vom Wintereinbruch überrascht. (lin)
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