VonCaspar Felix Hoffmannschließen
In hessischen Ministerien sollen künftig keine Genderzeichen mehr verwendet werden. Das hat Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) angeordnet.
Wiesbaden – Die hessische Landesregierung unter Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat in einem aktuellen Beschluss die Verwendung von Gendersprache in den Ministerien, der Staatskanzlei und der Hessischen Landesvertretung in Berlin untersagt. Er verbietet explizit die Verwendung von Genderzeichen wie Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt in offiziellen Dokumenten.
Hintergrund ist der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung, der die Abschaffung der Gendersprache in der öffentlichen Verwaltung und anderen staatlichen und öffentlich-rechtlichen Institutionen vorsieht. Stattdessen soll eine geschlechtsneutrale Sprache oder eine Kombination aus männlicher und weiblicher Form mit Voranstellung der weiblichen Form verwendet werden.
Rat für Rechtschreibung will Entwicklung weiter beobachten
Diese Richtlinie erstreckt sich auch auf das Bildungssystem, wo das Kultusministerium kürzlich verfügt hat, dass die Verwendung von Genderzeichen in Abschlussarbeiten als Fehler gilt. Beide Entscheidungen orientieren sich am Rat für deutsche Rechtschreibung, der geschlechtergerechte Sprache als gesellschaftliche Aufgabe sieht, die nicht allein durch die Rechtschreibung gelöst werden kann. Der Rat hat die Verwendung von Sonderzeichen in der geschlechtergerechten Sprache nicht empfohlen, behält sich aber vor, die Entwicklung weiter zu beobachten.
Das sagt der Duden: Doppelnennung und Schrägstrich
Die Doppelnennung der weiblichen und männlichen Form (Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler, jede und jeder) ist laut Duden die höflichste und eindeutigste Variante der sprachlichen Gleichstellung. Sie ist vor allem in der Anrede üblich.
Die häufigste und auch von der amtlichen Rechtschreibung gedeckte verkürzte Form der sprachlichen Gleichstellung der Geschlechter sei die Variante mit Schrägstrich und Bindestrich: Mitarbeiter/-innen, Lehrer/-in. Obwohl der Bindestrich nach den amtlichen Rechtschreibregeln nach wie vor vorgeschrieben ist, wurde und wird aus typografischen Gründen häufig auf ihn verzichtet: Mitarbeiter/innen, Lehrer/in. (cas)
Die Reaktionen auf diese Anweisung sind gemischt. Während das Wirtschaftsministerium die Entscheidung als Schritt zu einer einheitlicheren und verständlicheren Sprache in der Verwaltung begrüßt, übt die Fraktion der Grünen im Hessischen Landtag Kritik. Sie sieht in der Regelung keinen Beitrag zur Lösung konkreter Probleme und wirft der Koalition vor, gegen ihre eigenen Grundsätze zu handeln. (cas)
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