VonCaspar Felix Hoffmannschließen
Das Kultusministerium teilt mit, dass in Abschlussprüfungen keine Gender-Zeichen mehr verwendet werden dürfen. Diese Entscheidung stößt auf Kritik.
Wiesbaden – In Hessen dürfen Schülerinnen und Schüler in Abschlussprüfungen keine Gender-Zeichen mehr verwenden. Die Verwendung von Doppelpunkten, Sternchen oder Unterstrichen gelte als Fehler und könne zu einer schlechteren Note führen, teilte das Kultusministerium mit. Die Entscheidung hat bereits eine Debatte ausgelöst und wird unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und den Grünen scharf kritisiert.
Die Regelung, die nun die bisherige Verwendung von Gender-Zeichen in Abschlussprüfungen verbietet, folgt auf das Auslaufen einer Corona-Ausnahmeregelung. Diese hatte die Verwendung von Gender-Zeichen in den vergangenen drei Jahren toleriert. Mit der Rückkehr zum Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung sollen die bisherigen Ausnahmen beendet werden.
Hessisches Kultusministerium verbietet Gender-Zeichen – und verwendet sie selbst weiter
Die Ankündigung, die Gender-Zeichen in Abschlussprüfungen an Haupt-, Realschulen und Gymnasien zu verbieten, fiel bereits während der Koalitionsverhandlungen im vergangenen Jahr. Kritiker sehen darin nun eine unnötige Verunsicherung der Schülerinnen und Schüler kurz vor den Prüfungen und werfen der hessischen Landesregierung vor, einen Kulturkampf auf dem Rücken der Prüflinge auszutragen.
Auf den Internetseiten der Landesregierung wird derweil weiter gendert, so auch auf der Seite der Staatskanzlei von Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). Dort werden derzeit „Praktikant/-innen“ und auch „Referendar/-innen“ gesucht (Stand 21. März, 17 Uhr), auf der Seite des Kultusministeriums ist wiederum von „Schüler*innen“ und „Lehrer*innen“ die Rede (ebenfalls Stand 21. März, 17 Uhr). Offenbar sind die Behörden aber dabei, ihre Inhalte zu überarbeiten: Während in älteren Versionen ihrer Internetseiten an vielen Stellen Gender-Zeichen zu finden waren, fehlen diese aktuell auf vielen Seiten. So wird beispielsweise aus „Schüler*innen“ „Schülerinnen und Schüler“.
Gender-Zeichen in hessischen Abschlussprüfungen nicht mehr erlaubt
Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) betonte, dass die deutsche Sprache viele Möglichkeiten biete, inklusiv zu sprechen, ohne auf Sonderzeichen zurückgreifen zu müssen. Gerade für Menschen mit Lern-, Seh- oder Hörbehinderungen könnten solche Gebärden ein Hindernis sein.
Nach heftiger Kritik hatte die Landeskoalition aus CDU und SPD zuletzt eine vorsichtigere Haltung eingenommen und betont, keinen Kulturkampf um das Gendern führen zu wollen. Noch im Februar hatte die Landesregierung erklärt, sie strebe eine rechtssichere Regelung zum Umgang mit Gender-Zeichen an, ohne ein sanktionsbewehrtes Verbot zu planen.
In Bayern hat die Landesregierung kürzlich ähnliche Maßnahmen beschlossen, wobei die Lehrkräfte die Verwendung von Gender-Zeichen nicht als Fehler, sondern lediglich als „nicht richtig“ bewerten müssen. Noch weiter als Bayern geht nun Hessen, wo die Verwendung von Gender-Zeichen in Klausuren zu einer schlechteren Note führen kann. (cas)
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