VonJulian Mayrschließen
In der Emilia-Romagna herrschte jüngst erneut Hochwasser-Alarm. Weil junge Menschen einem älteren Mann helfen, revanchiert sich dieser mit einer viralen Ansprache.
Modigliana – Riccardo Ceroni, 84 Jahre alt, ist in Modigliana (Emilia-Romagna) unter dem Namen „Scherpa“ bekannt, da er angeblich in übergroßen Bergschuhen zur Schule ging. Der Rentner hat in seinem Leben schon viel erlebt, hat laut der Bologneser Tageszeitung Il Resto del Carlino in Frankreich, der Schweiz und auch Deutschland gearbeitet, oder ist später jahrelang alleine im Mittelmeer herumgesegelt. Doch einen der schönsten Momente erlebte er erst kürzlich – und das inmitten eines Hochwassers.
Erneutes Hochwasser in Norditalien: Junge Menschen eilen Rentner zur Hilfe
In den vergangenen Jahren hat die norditalienische Region Emilia-Romagna mehrere verheerende Hochwasser erlebt. Erst vor wenigen Tagen wurden viele Dörfer und Städte nach starken Unwettern überflutet. Die Einsatzkräfte dieser Region und der Nachbarregion Marken hatten innerhalb kürzester Zeit tausende von Einsätzen zu bewältigen. Zahlreiche Menschen mussten vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden, mindestens zwei wurden vermisst.
Die Gemeinde Modigliana war ebenfalls von der jüngsten Flut betroffen. Der Ort mit 4300 Einwohnern im Südosten der Region hatte erst 2023 mit Tausenden von Schlammlawinen und Muren zu kämpfen. Nun mussten viele Helferinnen und Helfer erneut eingreifen. So auch beim 84-jährigen Riccardo.
Nach den jüngsten Überschwemmungen in Norditalien waren sein Gemüsegarten und seine Garage, die er auch als Werkstatt nutzt, von einer dicken Schlammschicht bedeckt. Eine Gruppe von etwa 20 jungen Helferinnen und Helfern half dem Rentner, sein Eigentum von den Schlammmassen zu befreien. Dies war für den 84-Jährigen Anlass genug, sich mit emotionalen Worten bei den Helfern zu bedanken.
Nach Hochwasser in Emilia-Romagna kommt italienischen Rentner ein „Ganzer Wald an Händen“ zur Hilfe
„Das ist keine Rhetorik. Ich ziehe meinen Hut vor euch“, beginnt Ceroni seine Rede. Das Video seiner Ansprache an die Helfergruppe wird im Internet millionenfach angeklickt und geht viral. Sogar die Star-Musikerin Laura Pausini teilt das ursprünglich vom Content-Creator Andea Nonni aufgenommene Video aus Modigliana.
@corrieredellasera Riccardo Ceroni, 84 anni di Modigliana (uno dei comuni del Forlivese colpito dall'ultima alluvione) è il protagonista di un video che in pochi giorni è diventato virale con quasi due milioni di clic. Nel video «Scherpa», questo è il soprannome di Ceroni, ringrazia commosso gli angeli del fango per l'aiuto che stanno dando: «Quando ho visto l’acqua e il fango – dice lui – ho urlato "Babbo! Dammi una mano". Non mi ha dato una mano, mi ha dato una foresta di mani». Le parole del nonno di Modigliana pronunciate in dialetto hanno davvero emozionato i tanti che hanno visto e condivido il video pubblicato sui social da Andrea Nonni, un noto creator digitale. Tra le persone che lo hanno condiviso, c'è anche la romagnola Laura Pausini. #alluvione #notiziedelgiorno #corrieredellasera ♬ suono originale - Corriere della Sera
„Ich war sechs, als mein Vater starb. Als ich diese Einsamkeit der Schuttberge sah, flehte ich ihn an. Babbo (Anm.: Papa), reich mir deine Hand, hilf mir mal“, erzählt er den jungen Menschen, die in einem Halbkreis vor ihm stehen. Nicht nur eine Hand, sondern „ein ganzer Wald an Händen“ sei ihm zur Hilfe gekommen, sagt der Mann laut und bittet die Anwesenden, ihre Hände zu heben.
Diese Hände junger Menschen hätten es geschafft, alles vom Schlamm zu befreien, fährt der Mann fort. „Einer der schönsten Momente meines langen Lebens. Ihr habt mir viel gegeben, ihr habt mir Freude gegeben, habt mir Liebe entgegengebracht“, meint er weiter. „Ich versuche, es euch zurückzugeben, werde es aber nicht schaffen“, sagt Ceroni sichtlich bewegt.
Emotionale Dankesrede geht im Internet viral – „Ein großartiger Opa. Aber die jungen Leute...“
Nach weiteren herzlichen Worten folgt eine innige Umarmung mit der versammelten Gruppe. „Ich hab euch lieb. Sollte ich jetzt sterben müssen, so würde ich das mit einem Lächeln tun. Ich wäre froh“, schließt der Rentner seine bewegende Rede. Nicht nur die Anwesenden sind gerührt, auch im Netz kommen die Dankesworte des „Scherpa“ gut an. „Ein großartiger Opa. Aber die jungen Leute. Wundervoll. Danke, danke, danke“, lautet ein Kommentar. Viele andere stimmen zu.
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Ganz andere Reaktionen löste hingegen ein Beitrag der italienischen Regierungschefin aus. Während Einsatzkräfte und Betroffene in den Regionen Emilia-Romagna und Marken mit den Folgen des Hochwassers kämpften, posierte Giorgia Meloni für ein Foto mit einem Hollywoodstar und erntete dafür viel Kritik. (jm)
Rubriklistenbild: © Screenshot Andrea Nonni/Max Cavallari/ZUMA PRess/Imago

