Würdigung beim Deutschen Filmpreis

Reaktionen auf Tod von Margot Friedländer – „Eine der stärksten Stimmen unserer Zeit“

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Sie engagierte sich unermüdlich als Holocaust-Zeitzeugin für die Erinnerungskultur. Jetzt ist Margot Friedländer im Alter von 103 Jahren gestorben.

Update vom 9. Mai, 21 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die verstorbene Holocaust-Zeitzeugin Margot Friedländer als „eine der stärksten Stimmen unserer Zeit“ bezeichnet. Sie sei damit für ein friedliches Miteinander, gegen Antisemitismus und Vergessen eingetreten, erklärte der CDU-Politiker auf der Plattform X. „Sie hat uns ihre Geschichte anvertraut. Es ist unsere Aufgabe und unsere Pflicht, sie weiterzutragen. Wir trauern mit ihrer Familie und Freunden.“

Auch Vize-Kanzler Lars Klingbeil (SPD) äußerte sich zum Tod der 103-Jährigen. „Der Tod von Margot Friedländer macht mich sehr traurig. Sie war eine Stimme, die uns immer wieder ermahnt hat, was wirklich zählt: Menschlichkeit“, sagte Klingbeil der Rheinischen Post. „Gerade in Zeiten, in denen Hass und Hetze wieder stärker in unsere Gesellschaft einsickern, war ihre Erinnerung und ihre Stärke ein großes Geschenk für unser Land“, sagte Klingbeil weiter.

Die frühere Berliner Bürgermeistern Franziska Giffey (SPD) blickt „in tiefer Trauer und Dankbarkeit“ auf die Lebensleistung der verstorbenen Margot Friedländer. „Bis zuletzt hat die Holocaust-Überlebende uns gemahnt, dass sich solch ein schreckliches Unrecht, dass sich diese Verbrechen nie mehr wiederholen dürfen“, erklärte die Wirtschaftssenatorin in Berlin. „Ihre Stimme, ihre eindringlichen Appelle an die Menschlichkeit werden schmerzhaft fehlen.“

Starpianist Igor Levit kämpfte auf der Bühne des Deutschen Filmpreises am Freitagabend in Berlin mit den Emotionen. „Sie war ein Wunder von Mensch“, sagte Levit über Friedländer und rief zu einem Schweigemoment auf. Das Publikum stand auf, einige Schauspielerinnen und Schauspieler hatten Tränen in den Augen.

Erstmeldung vom 9. Mai: Berlin – Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 103 Jahren, wie die Margot Friedländer Stiftung in Berlin mitteilte. Einen Tag nach dem Gedenktag zu 80 Jahre Kriegsende.

Margot Friedländer engagierte sich gegen das Vergessen – für ihren Einsatz bekam sie viele Preise

Friedländer war nach Jahrzehnten als Emigrantin in New York im hohen Alter nach Deutschland zurückgekehrt. Die Berliner Ehrenbürgerin engagierte sich unermüdlich gegen das Vergessen, besonders die junge Generation lag ihr am Herzen. Bekannt wurde ihre Geschichte durch einen Dokumentarfilm und ihre Memoiren. Sie bekam für ihren Einsatz viele Preise und viel Anerkennung - bis hin zum Besuch von US-Präsident Joe Biden, bei dem sie im Schloss Bellevue mit dabei war.

Margot Friedländer ist tot. Sie starb im Alter von 103 Jahren.

Margot Friedländer wurde 1921 in eine jüdische Familie geboren. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Sie selbst konnte dank vieler Helfer zunächst untertauchen, wurde dann aber gefasst und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Sie überlebte, so wie ihr späterer Mann, mit dem sie schließlich nach Amerika ging.

Friedländer überlebte als einzige aus ihrer Familie den Holocaust – „Es darf nie wieder geschehen“

Aus Friedländers direkter Familie überlebte niemand außer ihr den Holocaust. Dennoch zog sie mit fast 88, nach dem Tod ihres Mannes, wieder zurück in ihre Heimat, nach Berlin. In das Land der Täter. „Hass ist mir fremd“, sagte sie einmal.

Sie bekam in ihrer alten Heimat viel Anerkennung – eine liebenswerte, rüstige alte Dame, die so eindrucksvoll erzählen konnte. Ein Preis für Schüler-Projekte zum Holocaust und zur heutigen Erinnerungskultur trägt ihren Namen. Im Juni 2018 – mit 96 Jahren – wurde sie Berliner Ehrenbürgerin, zu ihrem 100. Geburtstag erschienen ein Interviewbuch und ein Bildband. 

Im Herbst 2023 widmete das ZDF ihr ein Dokudrama – zu diesem Zeitpunkt lag die Pogrom-Nacht von 1938 85 Jahre zurück. Noch im Alter von 102 Jahren war sie zu Gast bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dieser würdigte Friedländer nach Bekanntwerden ihres Tods. „Sie hat unserem Land Versöhnung geschenkt – trotz allem, was die Deutschen ihr als jungem Menschen angetan hatten. Für dieses Geschenk können wir nicht dankbar genug sein“, erklärte Steinmeier. Ihr Tod erfülle ihn mit tiefer Trauer. „Margot Friedländers Vermächtnis ist uns Mahnung und Verpflichtung, gerade in einer Zeit, in der die Demokratie angefochten wird und sich Antisemitismus wieder unverhohlen zeigt, bleibt es unsere Verantwortung, die jüdische Gemeinschaft in unserem Land nie wieder im Stich zu lassen“, sagte der Bundespräsident.

Im April 2025 trat sie noch als Festrednerin beim Bundespresseball am Brandenburger Tor auf. Friedländer sprach vor Schülerinnen und Schülern und bei offiziellen Gedenkfeiern, darunter noch mit 100 Jahren im EU-Parlament in Brüssel. 2011 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Eine ihrer Botschaften war: „Was war, können wir nicht mehr ändern, aber es darf nie wieder geschehen.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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