Warnungen am Gedenktag

Tag der Erinnerung: „Das Gedenken an den Holocaust war nie so wichtig wie heute“

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Es ist ein Tag in der deutschen Geschichte, der weh tut und gerade jetzt wichtig ist. Zum Gedenktag rufen Politiker und Politikerinnen dazu auf, nicht zu vergessen.

Berlin – Anlässlich des Holocaust-Gedenktags ruft Bundeskanzler Olaf Scholz zum entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus auf. „Nie wieder“ ist jeden Tag“, sagt der SPD-Politiker in seinem wöchentlichen Video, das am Samstag veröffentlicht wird. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) schrieb am Samstag auf der Plattform X (vormals Twitter), Nazi-Deutschland habe „die Welt in den Abgrund der Menschlichkeit schauen lassen. Es ist an uns Lebenden, aus der Verantwortung für unsere Vergangenheit heraus unsere Gegenwart zu gestalten. Nie wieder ist jetzt.“

Bundesweit wird an diesem Samstag mit zahlreichen Veranstaltungen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen die Überlebenden des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz befreit. Die Nazis hatten dort mehr als eine Million Menschen ermordet, überwiegend Juden. Seit 1996 wird das Datum in Deutschland als Holocaust-Gedenktag begangen, die Vereinten Nationen haben das Datum 2005 zum Gedenktag ausgerufen.

In den letzten Tagen gingen bereits Hunderttausende Menschen bundesweit bei Demonstrationen gegen Rechtsextremismus auf die Straße. Ausgelöst wurden die Proteste durch ein Geheimtreffen mit AfD-Beteiligung.

Überlebende mahnt an Holocaust-Gedenktag: „Ich hätte es nie gedacht, dass es wieder so kommen würde“

Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer zeigte sich besorgt über den Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland und über zunehmenden Extremismus. „Ich hätte es nie gedacht, dass es wieder so kommen würde, denn so hat es ja damals auch angefangen“, sagte die 102-Jährige am Freitag den ARD-„Tagesthemen“. Für „die, die wir das erlebt haben“, sei es „besonders schwer, zu verstehen, und sehr traurig“. Kritisch äußerte sie sich mit dem Umgang der Deutschen mit Erinnerung und Gedenken an den Holocaust: „Sie wissen zu wenig.“

Holocaust-Gedenktag in Deutschland: „Nie wieder!“ - diese Worte müssen wir alle stärker mit Leben füllen“

Viele Politikerinnen und Politiker schließen sich den Aufforderungen von Kanzler Olaf Scholz und der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer an. In IPPEN.MEDIA erinnern sie an die Schrecken des Nationalsozialismus und das grauenhafte Verbrechen des Holocaust. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass wir gerade in diesen Zeiten unsere Demokratie schützen müssen.

Prof. Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad Adenauer Stiftung und ehemaliger Bundestagspräsident, sagt: „Gerade in diesen Tagen dürfen wir nicht müde werden zu betonen, dass Freiheit und Demokratie, Toleranz und Humanität keine selbstverständlichen Gewissheiten sind, sondern historische Errungenschaften, die das fortdauernde Engagement aller Bürgerinnen und Bürger voraussetzen. Der barbarische Überfall auf Israel durch palästinensische Terroristen und der erschütternde Anstieg des Antisemitismus in Deutschland haben eindrücklich vor Augen geführt, wie aktuell und akut das Problem ist. Dass jüdisches Leben ausgerechnet in Deutschland in Gefahr ist, ist nicht hinnehmbar – auch und vor allem vor dem Hintergrund unserer Vergangenheit.“

Die Berliner Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz, Felor Badenberg, sagt: „Dieser Tag mahnt uns, die Schrecken der Vergangenheit nicht zu vergessen. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ist eine Verpflichtung aller in Deutschland lebenden Menschen.“ Auch der Bundestagsabgeordnete Tilman Kuban (CDU) mahnt „Nie wieder!“ - diese Worte müssen wir alle stärker mit Leben füllen. Wenn ich mit jungen Menschen spreche, stelle ich fest, dass viele Antisemitismus nur mit der NS-Zeit ihrer Urgroßeltern verbinden. Doch jüdisches Leben und das Existenzrecht Israels gehören zu Deutschland, zu unserer Kultur und unserer Staatsräson. Das müssen wir besser erklären. Denn „Nie wieder ist jetzt!“

„Wenn der Extremismus sich durchsetzt, sind schließlich alle von Tod und Elend betroffen“

Wie schnell es in einer Gesellschaft eskalieren kann, daran erinnert Cemile Giousouf, stellvertretende Präsidentin der Bundeszentrale für Politische Bildung: „Begonnen hat es mit Ausgrenzungen, Hasspropaganda und Desinformation. Es folgten Attacken auf die rechtliche Gleichheit, Deportationspläne und schließlich deren Realisierung, ethnische Säuberungen und Lagerwesen. Am Ende standen Massaker und Völkermord, aber auch Trümmerwüsten, Armut und Hunger. Wenn der Extremismus sich durchsetzt, sind schließlich alle von Tod und Elend betroffen – auch diejenigen, die sich zunächst vermeintlich sicher fühlen, sich lieber raushalten, oder sogar mitzündeln.“

Silvia Breher, stellvertretende Vorsitzende der CDU Deutschlands, betont: „Die Erinnerung an die furchtbaren Verbrechen des Nationalsozialismus müssen wir aktiv wach halten. Sie mahnen jeden von uns, dass wir für unsere Demokratie, Freiheit und Toleranz einstehen müssen und wir sie jeden Tag konsequent gegen Antisemitismus, Diskriminierung und Populismus verteidigen müssen. Eine Spaltung unserer Gesellschaft dürfen wir niemals zulassen. Nie wieder ist jetzt.“ Der Ex-Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, Ralph Brinkhaus: „Das Gedenken an den Holocaust war in der Geschichte der Bundesrepublik nie so wichtig wie heute.“

In Thüringen wird im Herbst gewählt, dort gibt es ein AfD-Hoch in den Umfragen. Prof. Mario Voigt, Fraktionsvorsitzender der CDU im Thüringer Landtag: „Es ist ein Tag des Erinnerns und Gedenkens, doch gerade jetzt braucht es noch mehr Engagement der Gesellschaft. Es geht nicht mehr nur ums Wachhalten, sondern ums Wachrütteln. Wir dürfen dieses Land nicht engstirnigen Miesmachern und Menschenfeinden überlassen. Isolation und Ausgrenzung bringen unser Land nicht voran, sondern führen in den Abgrund.“

„Es braucht ein Update unseres Gedenkens, des Konsens von „Nie wieder“

Max Lucks (Grüne), Obmann im Ausschuss für Menschenrechte: „Deportationspläne, die auf unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger abzielen, treffen zwar auf wehrhafte Demokratinnen und Demokraten auf unseren Straßen. Diese Treffen zielen darauf ab, dass wir unsere Verantwortung für den Holocaust vergessen. Es braucht also ein Update unseres Gedenkens, des Konsens von „Nie wieder“. All das mag überfordernd und anstrengend wirken. Aber letztlich geht es um nicht viel mehr, als unsere Freiheit in unserer Demokratie.“

Die Berliner Senatorin Dr. Manja Schreiner: „Der Holocaust-Gedenktag sollte gerade in diesen Zeiten ein Aufruf zur Wachsamkeit sein. Wir müssen einstehen für unsere Demokratie. Wir müssen aufstehen gegen jede Form von Antisemitismus, gleich von welcher Seite er kommt. Nie wieder darf nicht nur ein Slogan sein - Nie wieder ist jetzt.“

Bundestagsabgeordnete warnen am Holocaust-Gedenktag

Der Bundestagsabgeordnete Jens Teutrine (FDP) mahnt: „Nie wieder darf Hass unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zerstören, nie wieder dürfen radikale Menschenfeinde Angst vor Vernichtung schüren und nie wieder dürfen wir zulassen, dass Antisemitismus und Menschenhass Platz in unserer Gesellschaft finden.“ Die Berliner Abgeordnete Sandra Khalatbari (CDU): „Dieses Datum mahnt uns, demütig mit unserer Geschichte umzugehen und wachsam zu sein.“

Und weiter: „Gerade in diesen Zeiten, in denen sich Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder unwohl fühlen und Angst haben, in der sie in Israel der Hamas zum Opfer fallen und in der Teile der AfD von der Deportation von Millionen von Menschen fantasieren, ist das Thema aktueller denn je. Wir müssen aufstehen und für unsere Werte kämpfen. Nur eine mündige Gesellschaft wird die Wiederholung der Geschichte verhindern.“ Ihre Kollegin Aldona Niemczyk (CDU) sagt: „Unsere Aufgabe ist und bleibt es, die Werte von Toleranz, Respekt und Menschlichkeit zu wahren und gegen Hass, Diskriminierung und Rassismus vorzugehen. Möge die Welt niemals wieder Zeuge solch eines schrecklichen Leidens werden.“

„Nie wieder müssen wir mit Leben füllen“

Sepp Müller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Deutschen Bundestag fordert alle dazu auf: „Nie wieder müssen wir mit Leben füllen. Die Würde der Menschen ist unantastbar. Offenen Judenhass treten wir entgegen. Ich wünsche mir Nachhaltigkeit in dieser aktuellen Bewegung und ein klares Stoppsignal gegenüber rechten, linken sowie islamischen Judenhass.“
Falko Liecke (CDU) Staatssekretär für Jugend und Familie in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sagt: „Am Holocaust-Gedenktag erinnern wir uns an die Opfer und verpflichten uns, dass sich solche Gräueltaten nie wiederholen. Seit dem Angriff der Hamas am 07. Oktober 2023 ist klar: ‚Nie wieder‘ ist keine leere Phrase, sondern eine dringende Verpflichtung.“

Die Bundestagsabgeordnete Catarina dos Santos-Wintz (CDU) mahnt: „Besonders in Zeiten, wo Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder massiv angefeindet und bedroht werden, ist der Blick in die Geschichte essenziell, wenn wir ein sicheres und demokratisches Land bleiben wollen. Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts erinnert uns daran, dass wir die Vergangenheit niemals vergessen dürfen.“ Und weiter: „Wir gedenken den vielen Unschuldigen, die während des Holocausts ihr Leben verloren. Ihre Erinnerung ist eine ewige Mahnung an die Menschheit - heute und an jedem anderen Tag.“

Ihre Kollegin, die Bundestagsabgeordnete Serap Güler (CDU) sagt: „Welche Worte können den barbarischen Gräueltaten der Nationalsozialisten gerecht werden? Man möchte verstummen, angesichts des unvorstellbaren Leids, das Jüdinnen und Juden in Deutschland erfahren mussten. Und doch ist es wichtig, dass heute, am 27. Januar, dem Holocaust Gedenktag, Schweigen nicht die einzige Antwort ist. Wir müssen von diesem Verbrechen erzählen, es ist Teil unserer deutschen Identität. ”

„Die Würde aller Menschen werden wir stets verteidigen“

Prof. Dr. Dr. h.c. Sahin Albayrak, Zentrum für Erlebbare Künstliche Intelligenz und Digitalisierung (ZEKI) an der Technischen Universität Berlin mahnt: „Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus war wohl noch nie so wichtig wie heute. Die Würde aller Menschen werden wir stets verteidigen. Wissenschaft benötigt Freiheit, um zu gedeihen. Deutschland ist der richtige Ort für freie Forschung. Unsere Freiheit werden wir uns nicht nehmen lassen. Nie wieder ist jetzt!“

Ina Scharrenbach MdL, CDU, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Wir leben wieder in einer Zeit, wo Mauern aus Unmenschlichkeit gebaut werden. Umso wichtiger ist es, diese Mauern einzureißen. Gegen Antisemitismus, gegen Hass, gegen jede Art von Fremdenfeindlichkeit. Unser Gedächtnis, unsere Demokratie und unsere Worte sind mächtige Werkzeuge, um aufzuklären und aufzustehen, um menschenverachtende Mauern einzureißen. Wir haben dem wachsenden Antisemitismus Einhalt zu gebieten. Denn wir sind nicht nur dafür verantwortlich, was wir tun, sondern auch dafür, was wir nicht tun. Wir erinnern - für Gegenwart und Zukunft.“

Dr. Fred-Holger Ludwig, Bundesvorsitzender der Senioren-Union sagt:  „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“ Und weiter: „Es ist unsere Aufgabe, dass wir uns gegen die Spaltung unserer Gesellschaft, Hetze und der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts zur Wehr setzen!“

Nina Warken, Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-CSU-Bundestagsfraktion, sagt: „An diesem Tag gedenken wir der sechs Millionen jüdischen Kinder, Frauen und Männer, der Sinti und Roma, der Menschen mit Behinderungen und der unzähligen anderen Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und getötet wurden. Wir dürfen den Holocaust nie vergessen. Wir müssen uns dafür einsetzen, die Würde und die Rechte aller Menschen stets entschlossen zu verteidigen.“

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld / dpa

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