VonJana Stäbenerschließen
Sie bekommt die „Schreikonzerte“ – er kann in Ruhe zocken. Eine Therapeutin erklärt, warum sich Kinder je nach Elternteil „komplett anders“ verhalten.
„Auf die Kinder aufzupassen ist echt das Einfachste auf der ganzen Welt“, sagt der amerikanische Streamer und zweifache Vater Jake Barr (@barrrrrrrr_none) in einem TikTok vom 1. Januar 2025, das mehr als 1,4 Millionen Menschen gesehen haben. Er wisse nicht, wie er das nur seiner Frau erklären solle. Die würde sich zwar nie beschweren, sei aber „immer so erschöpft“, wenn er nach Hause komme.
Letztens habe er einen Tag lang auf die Kinder aufgepasst, während seine Frau mit ihren Freundinnen einen Mädelstag gemacht habe. „Die Kinder waren so lieb. Wir haben gespielt, gelesen, Nickerchen gemacht, einen Weihnachtsfilm geschaut, das ganze Haus blieb sauber und ich konnte sogar eine Stunde zocken“, sagt er.
Vater auf TikTok über seine Kinder: „Sind bei ihrer Mutter komplett andere Menschen“
Weil er diesem Verhaltensunterschied auf den Grund gehen wollte, habe er spioniert, wie sie sich alleine mit seiner Frau verhielten. „Bei ihrer Mutter sind das komplett andere Menschen“, sagt Barr. Da flossen Tränen, da gab es Wutausbrüche und „Schreikonzerte“. „Das machen sie bei mir nicht. Selbst wenn sie ein bisschen launisch werden, muss ich bloß: ‚Lass das!‘ sagen, und sie hören auf.“
„Dass sich Kinder je nach Umgebung unterschiedlich verhalten, ist überhaupt nichts Ungewöhnliches“, sagt Dorothea Jung BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und systemische Familientherapeutin, leitet die Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE), an die sich Eltern jederzeit wenden können. Besonders in der Kita und bei den Großeltern würden Eltern teilweise „gravierende Unterschiede“ bemerken. Woran liegt das?
Expertin erklärt Verhaltensunterschied von Kindern bei verschiedenen Personen
Ein Grund sei, dass sich Kinder oft nur bei ihren engsten Bezugspersonen, meist den Eltern, von ihrer schlechtesten Seite zeigten, sagt Jung. „Es kann aber auch vorkommen, dass Kinder nur eine so enge Bezugsperson haben (oft die Mutter)“, sagt die Erziehungsexpertin BuzzFeed News Deutschland. Vielleicht sei das bei Barrs Kindern der Fall. Sie wüssten unbewusst: „Mama hat mich lieb, egal, wie ich mich aufführe“.
Doch auch wie Mütter und Väter mit ihren Kindern sprechen, wirke sich aus. Das spricht der zweifache Vater ja sogar in seinem TikTok-Video an. Er müsse bloß „Lass das!“ sagen, und die Kinder hörten auf. „Das kann man natürlich nicht verallgemeinern, aber ich erlebe im Umgang mit Eltern immer noch häufig, dass Väter eine andere Klarheit haben. Da wird nicht so viel erklärt, werden nicht so viele Worte verloren“, sagt Jung. „Kinder brauchen kurze, klare Ansagen und Augenkontakt. Das können oft Väter ein bisschen besser.“
„Mehr Gelassenheit“: Was das Verhalten von Kindern beeinflusst
Was für das Verhalten der Kinder auch eine Rolle spiele, sei die begrenzte Zeitspanne, die sie mit gewissen Personen verbringen würden. Zum Beispiel bei den Großeltern seien Kinder meist nur für einen Tag oder wenige Stunden. „Da fehlt der oft anstrengende Alltag und die Großeltern können mit mehr Gelassenheit auf ihre Enkelkinder eingehen“, sagt Jung BuzzFeed News Deutschland. „Die Kinder spüren diesen Gegensatz zum normalen Alltag, in dem ihre Hauptbezugsperson(en) auch mal gestresst sind.“
Wenn Jake Barr beispielsweise der Haupternährer sei und viel unterwegs, dann könne auch dies „ein nicht zu vernachlässigender Faktor“ sein. Also, „dass er die Kinder vor allem am Wochenende betreut und sie dann vollkommen anders sind, weil sie diese begrenzte und stressärmere Zeit sofort spüren“. Ein Vater auf Linkedin will eben das nicht und coacht andere Väter, wie sie zum Leuchtturm-Papa werden.
Wenn es Eltern störe, dass sich ihre Kinder so unterschiedlich verhielten, dann sollten sie überlegen, ob eine andere Verteilung von Care-Arbeit helfen könnte, schlägt die Familientherapeutin vor. Zum Beispiel, indem ein Elternteil mehr Alltagszeit mit den Kindern verbringe. „Oft hilft aber auch einfach schon Verständnis für denjenigen, der die Alltagsversion der Kinder abbekommt und deswegen vielleicht auch mal entlastet werden muss.“
Rubriklistenbild: © Screenshot @barrrrrrrr_none

