VonChristian Einfeldtschließen
In Sachen Impfschäden bestätigen Behörden deutschlandweit einen massiven Anstieg. Warum eine Corona-Impfung dennoch weiter sinnvoll sein soll.
Hamburg/Hannover – Die neue Omikron-Variante BQ.1.1. greift deutschlandweit um sich – in den nächsten Wochen könnte eine drastische Verdopplung der Infektionen bevorstehen. Die aktuell hohen Corona-Zahlen belasten schon jetzt die Krankenhäuser in Norddeutschland. Helge Engelke, Direktor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, sagte dem NDR, dass mögliche „temporäre Versorgungsengpässe“ die Konsequenz sein könnten. Darüber hinaus könnte dem Bundesland coronabedingt Probleme im Bahnverkehr drohen.
In Schleswig-Holstein entschied man sich bereits dafür, vereinzelte Krankenhaus-Besuchsverbote in Kraft treten zu lassen und in Hamburg müssen zur Entlastung des Personals geplante Operationen verschoben werden. Um den Corona-Winter mit Omikron BQ.1.1 zu überstehen, hofft die Gesundheitsbehörde auf viele Menschen, die sich impfen lassen. Ärztinnen und Ärzte sprechen dahingehend ebenfalls Empfehlungen aus. Zeitgleich tauchen jetzt aber Berichte über vermehrte Impfschäden auf. Ein Überblick über die aktuelle Situation – und, was weiterhin für eine Impfung spricht.
Impfschäden in Deutschland: Fälle steigen innerhalb weniger Monate rasant an – und jetzt kommt auch noch Omikron BQ.1.1
Mittlerweile gilt die Zahl als bestätigt: 160 Schäden gab es in Deutschland bis Oktober 2022. Die Ständige Impfkommission (STIKO) nennt die vorhandenen Impfstoffe „sicher und gut verträglich“ und auch ein Großteil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen sich für deren Einsatz aus. Fieber, Kopfschmerzen oder Hautreizungen stehen solche Aussagen als Impfreaktionen jedoch gegenüber.
Nebenwirkungen dieser Art – wie etwa auch eine starke Menstruation, die laut EMA nach einer Impfung möglich sein könnte – sind zunächst nichts Ungewöhnliches. Attestieren jedoch Ärztinnen und Ärzte einen unmittelbaren Zusammenhang mit einer Corona-Impfung und lassen sich diese Reaktionen noch sechs Monate später nachweisen, spricht man von einem Impfschaden. Deutschlandweit gelten solche Phänomene als Seltenheit – doch wie Recherchen der FAZ jetzt bestätigen, sind sie nicht nur nicht ausgeschlossen. Konkrete Angaben der Bundesländer verzeichnen gar einen deutlichen Anstieg.
Trotz besorgniserregender Entwicklung: Ärzte sprechen sich weiterhin für Corona-Impfung aus
Bis auf Hamburg – der Stadtstaat gab aus Datenschutzgründen nur einen Annäherungswert an – haben alle Bundesländer konkrete Angaben gemacht. In dem Wissen, dass eine Vielzahl der Anträge, die aufgrund eines vermeintlichen Impfschadens auf finanzielle Entschädigung hoffen, abgelehnt werden – nur jedem zehnten Antrag wird zugestimmt – kommt man in Summe auf rund 160. So viele Impfschäden wurden bis Ende Oktober nachgewiesen und bestätigt.
Der Blick auf die Zahlen verwundert: Nach FAZ-Berichten gab es bis Mai 2022 lediglich 64 Fälle, in denen langfristige Komplikationen nach einer Impfung als solche bestätigt werden konnten. Ende Oktober zählen die Behörden jedoch bereits 160 Fälle. Wie vertragen sich diese Zahlen mit der Empfehlung, sich auch weiterhin impfen zu lassen? Gegenüber dem NDR weist der Hamburger Arzt Dr. Jan Franz zunächst den Vorwurf zurück, die Impfstoffe würden gegen die neuen Omikron-Varianten wie BQ.1.1 keine Wirkung haben.
Das vorrangige Ziel einer Corona-Impfung sei schon immer die Abschwächung der Corona-Symptome gewesen – gemeint ist also nicht zwangsläufig der Immunschutz. Und dennoch: Zufolge des Arztes kann „der schwere Verlauf damit deutlich verringert werden – und zwar zu über 90 Prozent“. Diese Aussage stützt die Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit. Die Verantwortlichen sprechen von geprüften Impfstoffen, die auch gegen die Omikron-Varianten wirken.
Die deutschlandweit rund 64,8 Millionen geimpften Menschen stehen darüber hinaus einer Anzahl von 160 Fällen gegenüber, in denen ein Impfschaden verifiziert werden konnte. Im Verhältnis bleibt es ein nur kleiner Anteil – ein Anteil, der trotzdem zwangsläufig ernst genommen werden muss.
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