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Eine schwer verletzte Touristin, ein verletzter Wanderer und ein gestürzter Notarzt: Auf der Seiser Alm in Südtirol kam es am Sonntag zu einem dramatischen Einsatz.
Update vom 18. Juli, 18.58 Uhr: Nach dem Kuh-Angriff auf Touristen in Südtirol gehen die Spekulationen über die Ursache weiter. Dem Österreichischer Rundfunk (ORF) zufolge sei ein Hund kurz vor dem Vorfall durch die Herde gerannt, was das aggressive Verhalten der Kühe erklären könnte. Daniel Gasser vom Südtiroler Bauernbund erklärte, dass die Herde bereits durch einen Wolf traumatisiert gewesen sei. Demnach hätten Landwirte in der Schweiz bereits große Probleme mit aggressiven Kuhherden gehabt, die von Wölfen angegriffen worden seien.
Bergbauern geben Wanderern die Schuld an der Kuh-Attacke
Update vom 18. Juli, 11.35 Uhr: Der Angriff mehrerer Kühe auf Wanderer auf der Seiser Alm in Südtirol sorgt für Kopfschütteln bei der Südtiroler Bauernschaft, es gibt auch den Verdacht, dass ein vorheriger Kontakt mit Wölfen das aggressive Verhalten verursacht haben könnte: „So etwas ist mir in all den Jahren noch nie untergekommen“, heißt es da.
Die Kühe alleine waren für den Vorfall bestimmt nicht verantwortlich,“ erklärt der Bergbauernsprecher Alberich Hofer dem Portal stol.it „Nicht die Kühe, sondern die Menschen haben sich verändert“, so Moser weiter. Kälber und Kühe seien eigentlich friedfertige Tiere. Er vermutet, dass ein Hund zuvor die Kühe in Angst versetzt oder falsches Verhalten der Wanderer die Kühe provoziert haben könnte.
Hofer ist konsterniert angesichts des Verhaltens vieler Wanderer: „Das ganze Jahr über beobachte ich kopfschüttelnd, was sich die Leute zum Teil erlauben. Immer wieder sehen wir, dass Menschen direkt mit Hunden auf Herden zugehen, Fotos aus nächster Nähe machen und den Kopf der Kühe kraulen. So geht man mit Tieren auf den Almen nicht um.“ Touristen sollten darüber informiert werden, „wie man sich auf Wanderwegen und auf Almen bewegt und benimmt“, so Moser.
Der Südtiroler Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler rät in suedtirolnews.it: „Am besten ist es, Abstand zur Herde zu halten, damit sich die Kühe nicht bedroht fühlen.“ Leider sei es häufig so, dass Wanderer durch Viehherden laufen. Besondere Vorsicht sei bei Kälbern geboten: „Sie sind oft sehr neugierig und nähern sich den Wanderern. Auch hier gilt, am besten den Kälbern auszuweichen und sie keinesfalls zu streicheln. Das könnten die Kühe nämlich falsch verstehen und die Kälber verteidigen.”
Hunde sollten auf Almen an der Leine geführt werden: „In Hunden sehen besonders Mutterkühe eine Bedrohung. Wenn sich ein Rind nähert, sollte der Hund losgelassen werden, damit sich das Tier auf den Hund und nicht auf den Menschen konzentriert“, so Tiefenthaler abschließend.
Südtiroler Kühe attackieren Touristen auf Seiser Alm: „Noch nie erlebt“
Erstmeldung vom 17. Juli 2023: Kastelruth - Jeder Bergfreund kennt die Seiser Alm oberhalb von Kastelruth und Südtirol, überragt von den Dolomitengipfeln des Langkofels, des Plattkofels und des Rosengartens. Auch eine Touristin (40) aus der Südtiroler Nachbarprovinz Belluno wollte das Alpenidyll bei einer Wanderung genießen.
Südtiroler Leitkuh gabelte Wanderin auf und schleuderte sie durch die Luft
Die Rechnung hatte sie ohne die Kühe auf der Alm gemacht. Drei der Kühe - die Leitkuh der Herde und zwei andere - gingen in der idyllischen Kulisse Italiens plötzlich auf die Wanderin los. „Als wir dort ankamen, erzählten mir die Leute, die Leitkuh habe die Frau aufgegabelt und mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Zwei weitere Kühe seien dann noch mit Tritten auf sie losgegangen“, berichtet der Notarzt Dr. Simon Frings gegenüber dem Portal Stol.it.
„Als wir ankamen, lag die Patientin schwer verletzt am Boden. In der Nähe stand eine Herde von 15 bis 20 Kälbern, etwas abseits zwei Kühe“, so Dr. Frings zum Sender Rai. Die Kühe waren auch auf einen Mann aus dem Trentino losgegangen, nachdem dieser versucht hatte, die Tiere mit einer Hundeleine zu verscheuchen.
Südtirol/Italien: Auch auf den Notarzt gehen die Rinder los
Als der Notarzt auf der Alm eintraf, gingen die Rinder auch auf ihn los. „Als ich mich um die Verletzte kümmern wollte, sehe ich aus den Augenwinkeln, wie zwei Kühe auf mich zu rennen. Ich wollte sie stoppen, habe mich groß gemacht, und bin kurz hingefallen“, erinnert sich Dr. Frings gegenüber der Rai. Dann hätten die Kühe wieder die Frau attackiert.
Der Notarzt versuchte, die Rinder zu verjagen, indem er mit Steinen, einem Rucksack und Stöcken nach ihnen warf, doch auch das habe nichts genützt. Erst als der Notarzthubschrauber in niedriger Höhe über die Weide flog, wären die Kühe geflohen. Die Verletzten konnten ins Krankenhaus geflogen werden, die Frau erlitt ein schweres Polytrauma.
Hat ein Hund die Kühe aggressiv gemacht?
Der Notarzt ist schockiert: „Es war unglaublich. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, so Dr. Frings. Er sei in der Nähe aufgewachsen, da gebe es auch Kühe, „Doch das kenne ich nicht, dass Kühe so aggressiv sind und sich nicht verscheuchen lassen. Es war wie in einem schlechten Film. Den Blick der Kuh werde ich nie mehr vergessen.“
Wieso die Rinder so aggressiv geworden seien, könnte an einem Hund gelegen haben, der auf der Weide war und der bei den Kühen das Schutzverhalten gegenüber ihren Kälbern weckt. Der Tourist aus dem Trentino hatte eine Hundeleine dabei, da dürfte der Hund nicht weit weg gewesen sein...
Im Jahr 2021 über tausend meldepflichtige Unfälle mit Rindern in Bayern
Attacken durch Rinder sind nicht selten: 2019 hatte ein Stier im bayerischen Gleißenberg (Oberpfalz) einen Landwirt (86) und dessen Sohn (60) auf der Weide angegriffen und getötet. Alleine in Bayern gab es 2021 fast 1500 meldepflichtige Unfälle mit Rindern, davon waren zwei tödlich.
Unter hochsommerlichen Temperaturen leiden Tiere genauso wie Menschen. Wie man Rindern die Hitze-Tage erträglicher machen kann, erklären Tierarzt und Landwirte. Eine Kuh sorgte indes zuletzt für eine Straßensperrung.
Rubriklistenbild: © Manuel Geisser/imago


