Schiff mit Geflüchteten kentert

Bootsunglück vor Griechenland: Zahl der Toten viel höher? Mutmaßliche Schleuser festgenommen

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    Kilian Bäuml
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Nach dem Schiffsunglück mit Migranten vor Griechenland ist die Zahl der Todesopfer auf 78 gestiegen. Hunderte Menschen werden weiter vermisst.

Update vom 16. Juni 2023, 09.55 Uhr: Dieser News-Ticker ist beendet. Sie finden alle aktuellen Informationen zum Bootsunglück im Mittelmeer in unserem aktuellen Ticker.

Update vom 15. Juni 2023, 22.32 Uhr: Nach dem Bootsunglück vor Griechenland wurden neun Überlebende von der griechischen Küstenwache festgenommen. Dem staatlichen Sender ERT zufolge, stehen sie unter Verdacht, die Fahrt für die Geflüchteten als Schleuser über das Mittelmeer arrangiert zu haben. Mehr als 500 Migranten könnten bei der Tragödie am Mittwoch ums Leben gekommen sein. Nur 104 Menschen überlebten. Die Zahl der Todesopfer beträgt derzeit 78.

Inzwischen hat sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz zu dem Unglück geäußert. „Das ist bedrückend und ruft uns alle mal mehr dazu auf, alles dafür zu tun, dass Menschen nicht diese gefährlichen Fluchtrouten wählen“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag nach der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. Scholz wünsche sich eine Lösung mithilfe eines gemeinsamen und solidarischen „Systems des Umgangs“ mit der Migration in Europa.

Überlebende eines Bootsunglücks schlafen in einem Lagerhaus im Hafen der Stadt Kalamata. Bei einem schweren Bootsunglück südwestlich von Griechenland sind nach offiziellen Angaben bislang mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen.

Tragisches Schiffsunglück vor Griechenland: Zahl der Toten viel höher?

Update vom 15. Juni 2023, 15.02 Uhr: Bei einem schweren Schiffsunglück südwestlich vor Griechenland sind mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen. Die Küstenwache korrigierte am Donnerstag ihre Angaben vom Vortag, wonach es zwischenzeitlich 79 Tote waren. Die griechischen Behörden gehen allerdings von mehr als 500 Opfern aus. Wie viele Menschen sich tatsächlich auf dem Boot befanden, könne man laut Behörden-Angaben wohl nie mit Gewissheit sagen.

Wie griechische Medien berichten, sollen an Bord des Fischerbootes auch etwa 100 Kinder gewesen sein. Keines davon soll überlebt haben. Die Kinder seien zusammen mit Frauen und Älteren im Rumpf des Schiffes untergebracht worden. Obwohl die Sucharbeiten auch am Donnerstag weiterliefen, wurden keine Überlebenden oder Leichen gefunden. Man geht davon aus, dass sich die Menschen unter Deck nicht retten konnten. Sie könnten sogar eingesperrt gewesen sein. Bereits bevor das Schiff kenterte, sollen mindestens sechs Menschen wegen Trinkwassermangel an Bord gestorben sein.

Die 104 Überlebenden sollen in den kommenden Tagen in ein Lager für Geflüchtete nahe Athen gebracht werden. Wie der Staatssender ERT berichtete, ist zudem die Überführung der Toten in die griechische Hauptstadt geplant. Das Boot war Tage zuvor von Libyen aus in See gestochen und hatte Italien zum Ziel.

Schiffsunglück vor Griechenland: Regierung ruft dreitägige Staatstrauer aus

Update vom 15. Juni 2023, 07.30 Uhr: Nach von AFP erhobenen Daten ereignete sich das schlimmste Flüchtlingsunglück in Griechenland am 3. Juni 2016, als 320 Menschen starben oder als vermisst gemeldet wurden. Seither ist das Schiffsunglück vom gestrigen Mittwoch das, mit der höchsten Zahl an Todesopfern.

Denn vor der Küste Griechenlands sind am Mittwoch mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Wie die griechischen Behörden mitteilten, kenterte am Mittwochmorgen ein völlig überladenes Fischerboot in internationalen Gewässern vor der Küste der Halbinsel Peloponnes. 104 Menschen konnten gerettet werden, nach Angaben von Überlebenden waren bis zu 750 Menschen an Bord. Die griechische Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Dieses von der griechischen Küstenwache zur Verfügung gestellte Bild zeigt zahlreiche Menschen, auf dem Deck eines Fischerboots, das später vor Südgriechenland kenterte und sank.

Der Sprecher der Küstenwache sagte, es gebe noch keine gesicherten Informationen über die Zahl der Menschen an Bord, das Boot sei aber „überladen“ gewesen. „Das Fischerboot war 25 bis 30 Meter lang. Das Deck war voller Menschen und wir gehen davon aus, dass der Innenraum genauso voll war“, sagte er. Die Überlebenden kämen hauptsächlich aus Syrien, Pakistan und Ägypten.

„Wir befürchten eine sehr große Anzahl Vermisster“, sagte ein Beamter des griechischen Migrationsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Das Boot sei am frühen Morgen an einer Stelle gekentert und gesunken, die „zu den tiefsten im Mittelmeer gehört“, sagte der Sprecher der Küstenwache, Nikolaos Alexiou, im Fernsehsender ERT.

Viele Tote bei Bootsunglück mit Migranten in Griechenland

Erstmeldung vom 14. Juni 2023: Athen – Bei einem schweren Bootsunglück vor der griechischen Küste sind am Mittwoch mindestens 32 Migranten ums Leben gekommen. Das berichtete der griechische Staatssender unter Berufung auf die Küstenwache. 104 Menschen seien bislang gerettet worden, es werde jedoch befürchtet, dass die Zahl der Toten noch viel höher sei. So sollen die Geretteten angegeben haben, es könnten sich bis zu 400 Menschen an Bord befunden haben.

Laut Behördenangaben dauert eine großangelegte Suchaktion an. Patrouillenboote der Küstenwache, die Luftwaffe, eine Fregatte der Kriegsmarine sowie sechs Frachter und andere Schiffe in der Region sind im Einsatz. Die griechische Staatspräsidentin Ekaterini Sakellaropoulou flog am Mittag auf die Halbinsel Peloponnes, um sich ein Bild der Lage zu machen. Vier Krankenhäuser seien in Alarmbereitschaft, um die Verletzten unter den Geretteten zu versorgen.

Mindestens 32 Tote bei Bootsunglück mit Migranten in Griechenland

Schon am Dienstag hätten italienische Behörden die griechischen Nachbarn über ein voll besetztes Fischerboot im griechischen Such- und Rettungsbereich informiert, hieß es in einer Mitteilung der Küstenwache. Ein Frontex-Flugzeug habe das Boot daraufhin 47 Seemeilen südwestlich der Halbinsel Peloponnes lokalisiert. Sowohl die griechische Küstenwache als auch vorbeifahrende Frachter hätten den Passagieren per Funk wiederholt Hilfe angeboten, diese aber abgelehnt worden.

In den frühen Morgenstunden sei das Boot dann gekentert und schließlich gesunken, hieß es. Nach Angaben Überlebender war es vom libyschen Tobruk aus in See gestochen und auf dem Weg nach Italien. Über die Nationalitäten der Menschen war zunächst nichts bekannt.

Rubriklistenbild: © Thanassis Stavrakis/dpa

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