Nahe des Monte Rosa

Tragödie in Italiens Alpen: Frau wird von Materialseilbahn mitgerissen und stürzt 100 Meter tief in den Tod

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Eine Urlauberin aus dem Trentino (41) verhedderte sich in einer Materialgondel im Piemont, konnte sich nicht mehr festhalten und verunglückte tödlich.

Calasca Castiglione - Ein tödlicher Unfall hat sich am Donnerstagmorgen (4. Juli) im Anzascatal im Piemont im Nordwesten Italiens ereignet. Das Tal führt zum Fuß der Ostwand des Monte Rosa (4634 Meter) und ist wegen seiner spektakulären Ausblicke, urigen Dörfer mit alten Steinhäusern und abgelegene Almhütten bei Individualtouristen beliebt.

Eine 41-jährige Frau aus der Provinz Trient war mit ihrer Familie in die Gemeinde Calasca Castiglione im Anzascatal gekommen. Beim Aufstieg zu der Drocala-Alm oberhalb des Weilers Olino wurde sie mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern in einen bizarren Unfall verwickelt.

Das Anzascatal, in dem der Unfall passierte, bietet spektakuläre Ausblicke auf die Viertausender des Monte-Rosa-Massivs.

Primitive Materialseilbahn riss die Frau mit - sie stürzte in die Tiefe

Eine primitive Materialseilbahn verbindet den Weiler mit der Alp Drocala auf einer Strecke von etwa 400 Metern über einer Schlucht. Ersten Informationen der Zeitung La Stampa zufolge war die Frau gerade dabei, im Tal ihr Gepäck auf den Schlitten der Materialseilbahn zu laden, als diese aus noch nicht geklärten Gründen plötzlich aktiviert wurde. Die Frau verhedderte sich demnach in der Apparatur und wurde mitgerissen.

Unmittelbar nach der Talstation des Liftes beginnt ein Abgrund. Etwa 50 Meter lang klammerte sich die Frau fest, dann konnte sie sich nicht mehr halten und stürzte 100 Meter in die Tiefe. Sie landete zwischen Felsen und Pflanzen und war offenbar sofort tot. Rettungsdienst, Bergrettung, Feuerwehr und die Carabinieri kamen zum Einsatz. Ein Feuerwehrhubschrauber, der für andere Einsätze vor Ort war, flog über die Stelle, dann kam der Rettungshubschrauber, der den leblosen Körper der Frau barg.

Staatsanwalt lässt Seilbahn für Untersuchung beschlagnahmen

Die Polizei soll nun den Unfallhergang und die Unfallursache rekonstruieren. Der zuständige Richter ordnete sofort die Beschlagnahmung der Anlage an, um zu überprüfen, ob alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Die Kinder wurden in das Sommerzentrum der Stadt gebracht, während der Ehemann der Frau in der Polizeikaserne von Bannio Anzino untergebracht wurde.

Obwohl der Rettungshubschrauber aufstieg, war der Frau nicht mehr zu helfen (Archivfoto).

Die Region Piemonte wurde gerade erst von heftigen Unwettern heimgesucht. 2021 hatte es am Monte Mottarone nahe des Lago Maggiore, der ebenfalls in der Region liegt, ein Seilbahnunglück mit 14 Toten gegeben. Im Trentino stürzte 1998 im Cavalese eine Gondel ab, nachdem ein US-Militärjet das Tragseil durchtrennt hatte. 20 Menschen starben.

Rubriklistenbild: © IMAGO/xAleMasche72x

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