„Lang lebe die Bärin“

Italiener protestieren gegen Todesspritze für Bären - und im Nachbarland können sie Trophäenjäger jagen

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Demonstration von Tierrechtlern an der Bärenauffangstation Trient
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Was passiert mit Bärin Gaia, die einen Menschen getötet hat? Provinzpräsident Maurizio Fugatti will gleich alle 70 Bären loswerden – egal wie. Dagegen wendet sich enormer Protest.

Trient – Demonstranten aus ganz Italien marschierten von der Trienter Innenstadt zu dem Gehege Casteller, in dem Bärin Gaia gefangen ist, die den Jogger Andrea Papi am 5. April getötet hat, vermutlich weil sie ihre Jungen verteidigen wollte. „Lang lebe die Bärin“ oder „Freie Bären“ skandierten die Protestler. Mehrere Online-Petitionen, die die Verschonung Gaias vor der Todesspritze oder das generelle Töten von Bären fordern, wurden von über 400 000 Menschen unterschrieben.

Plakat mit Provinzchef Maurizio Fugatti als „Problembär“

Das Verwaltungsgericht Trient, dass bereits die Anordnung der Provinz zur Tötung Gaias ausgesetzt hatte, stoppte nun auch die Tötung eines zweiten Bären, der noch frei ist und im März einen Gassigeher angegriffen hatte. Der „Boss“ wie Einheimische das Tier nennen, soll lebend gefangen werden. Doch Gaia und Boss sind nur zwei Bären, die Provinzpräsident Maurizio Fugatti von der rechten Lega möglichst schnell loswerden will – egal wie.

Italien: Provinz will Bären ins Ausland umsiedeln

Fugatti fordert, die Zahl der Tiere im Trentino um 70 zu reduzieren, derzeit wird ihre Zahl auf 130 geschätzt. Fugatti drohte schon: „Notfalls lasse ich 70 Bären abschießen.“ Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin sagte nach einem Runden Tisch am Freitag, dass die überzähligen Bären nicht getötet, sondern umgesiedelt werden sollen.

Bärin JJ4, genannt „Gaia“ – hier auf einem Archivfoto von 2020. Damals wurde sie eingefangen und gechipt.

Die Trienter Nachbarprovinzen Lombardei und Veneto haben aber schon abgewunken, jetzt wird im Ausland nach Regionen gesucht, die Bären aufnehmen könnten – etwa Slowenien ist im Gespräch. Allerdings hat man dort selbst ein Problem mit zu vielen Bären.

Bär tötet Jogger in Italien: In Slowenien und Rumänien werden Hunderte Bären geschossen

Umweltminister Uroš Brežan gab erst grünes Licht für das Abschießen von 230 Bären. Derzeit leben rund 1100 Bären in Slowenien, die Zahl soll auf 800 reduziert werden. Auch Rumänien macht Jagd auf Braunbären, von denen es dort 7500 bis 8000 gibt. Zwischen 2016 und 2021 wurden in dem Karpatenstaat 154 Bärenangriffe gezählt, bei denen 14 Menschen starben und 158 weitere verletzt wurden.

Demonstration von Tierrechtlern an der Bärenauffangstation Trient

Erst am Donnerstag schlug das Umweltministerium vor, pro Jahr bis zu 426 Bären schießen zu lassen, im vergangenen Jahr waren es 140. Reinhold Messner hatte jüngst vorgeschlagen, die Trienter Bären in die Karpaten umzusiedeln. Auch Kroatien und Bosnien lassen Bären töten: Trophäenjäger können sogar Jagden auf Bären buchen. Kostenpunkt: 5000 Dollar. In Spanien geht man andere Wege, um Bären von den Siedlungen fernzuhalten: Sie legen Kadaver verendeter in den Wäldern aus, damit die Tiere nicht auf Weiden nach Beute suchen. Im Trentino macht man auch gute Erfahrungen mit Herdenhunden.

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