VonMoritz Bletzingerschließen
Der Vorsteiger verletzt sich bei einem Sturz schwer und der Rettungshelikopter kommt nicht ran. Drei Italien-Urlauber saßen über Nacht am Dent d‘Herens fest.
Breuil – Horror-Szenario am Viertausender. Beim Aufstieg auf den Dent d‘Herens (4173 Meter) verlor eine Touristengruppe plötzlich ihren Bergführer. Und das bei schwierigen Wetterbedingungen im Aostatal.
Alpen-Notruf im Aostatal: Urlauber sitzen über Nacht auf dem Dent d‘Herens fest
Gegen 18.30 Uhr ging am Dienstag (2. Juli) der Notruf bei der Bergrettung ein, berichtet La Repubblica. Der Vorsteiger war gestürzt, die drei belgischen Urlauber (zwei Männer, eine Frau) saßen fest. Auf einer kleinen Terrasse in 3750 Metern.
Die ersten Rettungsversuche scheiterten, der Helikopter musste wegen schlechter Sicht umdrehen. Dann kam die Nacht und dadurch war vorerst nichts mehr zu machen für Helfer aus Italien und der Schweiz. Das belgische Trio musste bis zum mindestens Sonnenaufgang auf dem Felsvorsprung ausharren.
Italien-Touristen bei Minusgraden an Viertausender gefangen – Bergführer bricht sich Becken
Auf minus zwei Grad Celsius sank die Temperatur in der Nacht, eine Unterkühlung holten sich die Touristen laut Medienberichten glücklicherweise trotzdem nicht. Am Mittwoch um 12 Uhr brachte sie ein Rettungshubschrauber in Sicherheit. Bis Mittag war die Sicht am Dent d‘Herens weiterhin zu schlecht für den Anflug gewesen, eine fußläufige Rettung per Trage über die Steilwand nur schwer möglich. Trotzdem hatten sich Retter schon am Boden gesammelt, aber dann meldete der Helikopter Erfolg.
Schlimmer getroffen hat es den Bergführer. Er brach sich laut La Repubblica das Becken, kam unter Code Gelb ins Krankenhaus von Aosta.
Zwei-Tages-Tour am Dent d‘Herens im Aostatal – „sehr kompliziert strukturierten Gipfel“
Wie jüngst für zwei verletzte Urlauber am Großglockner, war es für die Wandergruppe im Aostatal ebenfalls die zweite Nacht am Berg. Die Belgier waren am Montag in Valtourneche gestartet, schliefen dann in einem Biwak auf 3500 Metern. Am Dienstag wollten sie zum Gipfel des Gletschers, an die Aosta-Schutzhütte. Und von dort nach Prarayer absteigen.
Der Schweizer Alpen-Club beschreibt den Dent d‘Herens als einen „sehr kompliziert strukturierten Gipfel“. Im Norden schwingt er sich gut 1300 Meter über träge Eismassen des Tiefmattengletschers auf. Im Süden führen zwei kurze und ein langer Felsgrat vom Gipfel weg. Einer der „spektakulärsten Aufstiege auf einen Viertausender“, schwärmt der Schweizer Alpen-Club. (moe)
