VonJohannes Welteschließen
Über 100 Jahre lag er im Eis: Jetzt legte die Gletscherschmelze die Überreste eines österreichischen Soldaten in den Bergen des Adamello-Massivs im italienischen Trentino frei.
Madonna di Campiglio – Italienische Gebirgspolizisten und Bergretter aus Madonna di Campiglio-Carisolo (Trentino) entdeckten die Überreste eines verwesten Soldaten auf 2935 Metern Höhe in der Adamello-Gruppe am Lares-Gletscher, der dieses Jahr einmal mehr schmilzt, wie noch nie. Das Skelett, die Uniform und ein Teil der Ausrüstung waren noch fast intakt.
Auch einige österreichische Münzen lassen kaum einen Zweifel aufkommen, dass es sich um einen Soldaten der Kaiserlich-Königlichen österreichisch-ungarischen Armee gehandelt haben muss. Von 1915 bis 1918 tobte zwischen Stilfser Joch, Gardasee, quer durch die Dolomiten bis nach Slowenien ein unbarmherziger Gebirgskrieg: Die Front folgte der italienisch-österreichischen Grenze, wie sie vor dem 1. Weltkrieg bestand.
Italien trat erst 1915 in den 1. Weltkrieg ein
Die bereits seit 1914 mit dem Deutschen Reich und Österreich im Kriege befindlichen Staaten Russland, Frankreich und Großbritannien hatten Italien mit Gebietsversprechungen dazu überredet, in den Alpen Österreich anzugreifen.
Die Folge war ein Stellungskrieg auch in der bis zu über 3500 Meter hohen Adamello-Gruppe. Auch deutsche Soldaten, viele aus Bayern, wurden zur Unterstützung der Österreicher im Gebirge eingesetzt. Die Gipfel um den Lares-Gletscher wurden von den Italienern 1916 bis 1917 blutig erobert, Österreich schlug sie 1918 wieder zurück.
Blutige Schlachten auf den höchsten Gipfeln
Noch heute erinnern verrostete Kanonen auf den Gipfeln an den Krieg, in die Felsen wurden Schützengräben und Höhlen gesprengt. Jedes Jahr gibt das immer mehr zurückweichende Eis uralte Munition frei, die ein Sonderkommando der italienischen Armee birgt und oft vor Ort kontrolliert sprengt.
Und ab und zu gibt der Gletscher auch die menschlichen Opfer des Kriegs frei, die damals durch Lawinen verschüttet wurden oder auf dem Gletscher starben und von Schnee begraben wurden – bis sie wieder vom Eis freigegeben werden. So auch der Soldat, der jetzt geborgen wurde. Die Überreste des Toten wurden auf den Friedhof von Trient überführt.
Italiens Behörden wollen Mann identifizieren
Die archäologische Abteilung der Provinz versucht jetzt mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft im dortigen Leichenhaus, die Geschichte des Soldaten zu rekonstruieren, auch eine Autopsie ist geplant. Wird dabei herauskommen, wer der Tote war?
Ein tödliches Unglück ereignete sich währenddessen am Gardasee. Eine junge Wissenschaftlerin war mit dem Fahrrad unterwegs und stirbt vor den Augen ihres Freundes. Die junge Frau war Analytikerin der britischen Regierung in der Downing Street. Auch ein Hund sorgt aktuell für Schlagzeilen. Rettungshund Artù hatte bei den Erdbeben in Emilia Romagna geholfen, Italien trauert um den Australian Kelpie.


