VonRichard Stroblschließen
Heftige Unwetter haben in Teilen Italiens für Verwüstungen gesorgt. Ein Ort fühlt sich komplett im Stich gelassen. Und es droht neue Gefahr.
Florenz - Sieben Tote, eine weiter vermisste Person und geschätzt 300 Millionen Euro Schaden - allein in der Toskana. Das ist die bittere Bilanz der Unwetter, die in Teilen Italiens für große Verwüstung gesorgt haben. Dabei muss man sagen: Es ist eine Zwischenbilanz, denn es drohen neue Unwetter in Italien.
Besonders hart getroffen hat es die bei vielen Urlaubern besonders beliebte Region Toskana.
Toskana ächzt nach Italien-Unwettern: Bewohner sprechen von „Schande“
Tausende Haushalte in der Toskana sind ohne Strom. Einheiten des Energiekonzerns Enel hätten ihre Arbeiten fortgesetzt, um die vom Netz getrennten Haushalte mit Strom zu versorgen, teilte Toskana-Präsident Giani mit. Auch die Trinkwasserversorgungen sei in manchen Gegenden eingeschränkt.
Unterdessen machen die Anwohner den Behörden schwere Vorwürfe. „Wir sind seit anderthalb Tagen unter diesen Bedingungen, wo ist der Katastrophenschutz? Wo ist die Hilfe? Wir haben kein Wasser, Häuser und Geschäfte sind überflutet“, berichtet ein Einwohner der Gemeinde Figline nahe Florenz gegenüber der Repubblica. Ihnen sei gesagt worden, dass die Armee kommen würde, um zu helfen. Doch es seien bislang keine Einheiten eingetroffen. Die Bewohner kämpfen mithilfe einiger Polizisten mit Schaufeln gegen Schlamm und Trümmer. Dem Bericht nach macht sich Wut und Müdigkeit breit.
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Bis auf die helfenden Hände der Polizei habe man „wenig oder gar nichts, nicht einmal Sandsäcke“, macht eine Frau ihrem Ärger Luft. Sie habe noch einen Meter Wasser im Haus und keinen Strom, berichtet sie und meint: „Es ist eine Schande, wir fühlen uns von allen im Stich gelassen“.
Italien von Unwettern hart getroffen: Wettervorhersage warnt Toskana erneut
Auch das Wetterwarnsystem hatte im Vorgang zu den Unwettern versagt. Die Behörden müssen sich unangenehmen Fragen stellen.
Am Samstag war in vielen Gemeinden das Wasser nach den Überschwemmungen zurückgegangen. In einigen Orten steht das Wasser jedoch unverändert hoch. Insbesondere die Ortschaften, durch die der über die Ufer getretene Fluss Bisenzio fließt, kämpfen weiter gegen die gewaltigen Wassermassen. Wie auf Drohnenaufnahmen der Feuerwehr zu sehen war, steht etwa auch die Gemeinde Campi Bisenzio immer noch unter Wasser. Zu Aufräumarbeiten kommen die Bewohner noch nicht. „Das Wasser kam von allen Seiten, von hier, von da, man konnte es nicht aufhalten. Wir haben alles verloren“, sagte ein Mann aus dem Ort im italienischen Fernsehen.
#Maltempo #Toscana, oltre 3.000 interventi in 48 ore, 656 #vigilidelfuoco al lavoro con 192 mezzi, di cui 4 anfibi, tra Firenze, Prato, Pistoia, Livorno e Pisa.
— Vigili del Fuoco (@vigilidelfuoco) November 4, 2023
Nella clip le operazioni delle squadre riprese dall'elicottero Drago in ricognizione su Campi Bisenzio (FI) #4novembre pic.twitter.com/vPfzsnr87P
Unterdessen droht neue Gefahr: Meteorologen des privaten Wetterdienstes ilmeteo.it erwarten am Wochenende weitere teils schwere Unwetter mit Regen und Sturm in der Toskana. Die Regenfront soll allerdings auch die nördlicheren Regionen Venetien und die Lombardei erreichen. Der Leiter des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, warnte vor dem Regen, der am Nachmittag kommen sollte, und rief zur Vorsicht auf. Zivilschutz-Experten machen sich Sorgen, da durch die Regenfälle der vergangenen Tage die Böden „gesättigt“ seien und kaum weitere Niederschläge aufnehmen können. Es bestehe ein erhöhtes Risiko neuer Überschwemmungen und Erdrutsche. (rjs/dpa)
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