Touristen strömen weiter in die Stadt

Italienisches Urlaubsjuwel wird trotz Eintritts-Forderung überrannt

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Der Preis für den Zutritt zu einem italienischen Touristenparadies wurde verdoppelt. Ist diese Idee schon am ersten Tag gescheitert?

Venedig – Eigentlich sollte die Eintrittsgebühr die Touristen fern halten, doch dieser Plan ging komplett daneben: In Venedig sind an 54 Tagen im Jahr für kurzfristige Besucher zehn Euro Eintritt fällig. Wer drei Tage oder länger vorher sein Ticket löst, muss fünf Euro bezahlen. Karfreitag ist der erste Tag der Bezahlsaison, und laut Südtirol News strömten 8000 Besucher in die Lagunenstadt, doppelt so viele wie am Karfreitag des Vorjahres.

Stadt Venedig nimmt durch die Tagesgebühr viel Geld ein - aber löst ihr Problem nicht

Die Stadt hat also an einem Tag mindestens 40.000 Euro verdient, aber ihr Massentourismusproblem bleibt weiter ungelöst. Insgesamt werden die Besucher in diesem Jahr vom Karfreitag bis Ende Juli an 54 Tagen zur Kasse gebeten.

Strände, Städte, kulturelle Highlights: Die schönsten Urlaubsorte in Italien

Beach at the Adriatic sea in Italy, Europe during summer., Beach at the Adriatic sea coastline in It
Bei Italien denken viele zuerst an Meer, Sonne und Strand. Italiens Adriaküste ist 820 Kilometer lang. Sie erstreckt sich vom Golf von Venedig bis zum Absatz des italienischen Stiefels bei Otranto Apulien. Doch das Urlaubsland hat so viele wunderschöne Orte und Flecken zu bieten.  © imago
Gardasee von Torbole aus gesehen
Die schönsten Urlaubsorte in Italien sind natürlich keine abschließende Auswahl. Und so ist der Gardasee – Lago di Garda – zwar schon lange kein Geheimtipp mehr. Doch der größte See im Norden Italiens ist ein Sehnsuchtsort für viele Urlauber. Eingebettet von majestätischen Alpen, ist das Klima dort im Norden Italiens mediterran.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Gardasee-Attraktion „Strada della Forra“ bekannt auch als „James Bond“-Straße führt nach Tremosine sul Garda.
Eine Gardasee-Attraktion ist die „Strada della Forra“. Die spektakuläre Bergstraße oder auch „James Bond“-Straße genannt, führt nach Tremosine sul Garda. Die Straße wurde 1913 gebaut, um den Hafen mit dem Hochland von Tremosine zu verbinden.  © IMAGO
Die Rocca di Angera am Lago Maggiore.
Auch der Lago Maggiore – der zweitgrößte See Italiens – ist ein Naturparadies zwischen Alpen und Mittelmeer. Über dem See thront die mittelalterliche Festung Rocca di Angera. © imagebroker/ IMAGO
Varenna am Comer See (Lombardei, Italien)
Der Comer See – Lago di Como – ist eine Perle in der Lombardei. Hollywood-Star George Clooney hat dort eine Villa in einem verschlafenen Nest. Italiens drittgrößter See liegt eingebettet in den südlichen Alpen Norditaliens. Seine Form gleicht einem umgedrehten Y, von oben aus gesehen. Der Ort Varenna (Foto) ist am Ostufer zu finden.  © IMAGO
Landscape over the vineyards in the Piedmontese hills of the Lan, Fantastic landscape over the viney
Das Piemont ist beispielsweise für seine erstklassigen Weine bekannt: Barolo, Barbaresco und Babera. Die Landschaft ist für Wanderer ein Traum. © imago
Reopening Of The Trevi Fountain After Renovation In Rome
Neben der Natur sind in Italien architektonische Meisterwerke und Kunstschätze zu finden. Der Trevi-Brunnen ist eines der berühmtesten Denkmäler in Rom. Das Wahrzeichen der Stadt gilt als Meisterwerk des Barocks. Viele Prachtbauten standen schon vor seiner Zeit.  © IMAGO/Massimo Valicchia
Aerial view of islands and tourists boats in the La Maddalena Archipelago in Costa Sme
Zur Auswahl der schönsten Urlaubsorte gehören natürlich die zahlreichen Inseln, wie Sardinien. Die Schönheit, die La-Maddalena-Inselgruppe liegt abseits der Costa Smeralda. Das Archipel wird auch die Karibik Europas genannt.  © xlmphotx via imago-images.de
Florenz in der Toskana: cathedral di Santa Maria del Fiore or Duom, Florence rooftops and cathedral di
Florenz in der Toskana gilt inzwischen als völlig überlaufen. Doch die Hauptstadt ist für Kunst- und Architekturfans trotzdem unwiderstehlich. Die Galleria dell‘Accademia zeigt Michelangelos Statue „David“. In den Uffizien sind Botticellis Gemälde „Die Geburt der Venus“ und da Vincis „Die Verkündigung“ zu sehen. Auch abseits der Touristenströme gibt es viel zu entdecken. © imago
Cathedral of Siena in Tuscany Region in Central Italy
Die toskanische Stadt Siena zählte im 13. Jahrhundert zur größten Rivalin von Florenz. Der prächtige Dom in der Altstadt ist ein Touristenmagnet. Doch es gibt noch viele andere Dinge zu entdecken.  © Imago
Tourists on the Via San Matteo in the medieval walled city of San Gimignano, Italy.
San Gimignano südwestlich von Florenz gehört zu einem der schönsten Orte in der Toskana. Wegen seiner 14 Türme wird die Kleinstadt auch das mittelalterliche Manhattan der Toskana genannt.  © IMAGO/Jon G. Fuller
Elba Island, ItalyCoast of Tyrrhenian Sea on Elba Island, Italy
Mit der Fähre von Piombino nach Elba dauert es eine Stunde und 30 Minuten. Die italienische Insel war einst Exil von Napoleon. Heute ist sie mit ihren wunderschönen Sandstränden und malerischen Kiesbuchten perfekt für einen Badeurlaub.  © Copyright: xNicknick_kox via ima
Die Villa San Martino (Foto) war Napoleons Sommerresidenz auf der Insel Elba.
Die Villa San Martino (Foto) war Napoleons Sommerresidenz auf der Insel Elba. Sie zählt zu den Sehenswürdigkeiten auf der Insel.  © IMAGO/imageBROKER/Nando Lardi
Holzbrücke über den Brenta - die Ponte degli Alpini in Vicenza in Venetien Italien
Auf dem Weg an die Adria oder Venedig fahren viele Touristen an Vicenza vorbei. Die Stadt gilt als eine der elegantesten Kunststädte Venetiens. Sie ist für den berühmten venezianischen Architekten des 16. Jahrhunderts, Andrea Palladios, bekannt. Im Foto ist die Ponte degli Alpini, die Holzbrücke über den Brenta, zu sehen. © Simoncountry via imago-images.de
Italienische Hafenstadt Chioggia an der Adria in Venetien mit Blick auf den Kanal
Chioggia mit seinen neun Brücken über den Canal Vena liegt 50 Kilometer entfernt von Venedig. Das Fischerdorf ist deswegen auch als „kleine Schwester“ oder „kleines Venedig“ bekannt. © Bernd Friedel/imago
Urbino Renaissaance-Stadt in den Marken Italien
Urbino ist die Geburtsstadt des berühmten Malers Raffael. Die Renaissance-Stadt liegt knapp 40 Kilometer vor der italienischen Ostküste in der Region Marken. Die Universitätsstadt wird neben den berühmten Städten wie Florenz, Rom und Venedig oft übersehen. © imago
Blick auf die Hafenstadt Triest
Triest liegt an der Grenze zwischen Venetien und Slowenien. In der italienischen Stadt ist der Einfluss der jahrelang herrschenden Habsburger-Monarchie kaum zu übersehen. © xWirestockx via imago-images.de
Die Hafenstadt Triest – hier ein Blick auf den Canal Grande – ist die Hauptstadt von Friaul-Julisch Venetien.
Die Hafenstadt Triest – hier ein Blick auf den Canal Grande – ist die Hauptstadt von Friaul-Julisch Venetien, einer Region im Nordosten Italiens, die an Österreich, Slowenien und das Adriatische Meer grenzt. Die Universitätsstadt ist einer der bedeutendsten Handelsplätze an der Adria.  © imago
The Amazing Due Sorelle Beach (meaning Two Sisters) in Conero Mount, Marche, Italy
„Due Sorelle Beach“ – der „Strand der zwei Schwestern“ an der Küste von Ancona (Marken) – werden die zwei Klippen in dem kristallklaren Wasser genannt. Das Naturwunder in der Nähe von Sirolo ist nur mit dem Boot zu erreichen.  © stefano.zaccaria/imago
Turin (italienisch Torino) im Norden Italiens ist für das Turiner Grabtuch berühmt. Die Hauptstadt Piemonts gilt als kreativ. Teile der Altstadt und die Residenzen des Königshauses von Savoyen sind seit 1997 Teil des UNESCO-Welterbes.
Turin (italienisch Torino) im Norden Italiens ist für das Turiner Grabtuch berühmt. Die Hauptstadt Piemonts gilt als kreativ. Teile der Altstadt und die Residenzen des Königshauses von Savoyen sind seit 1997 Teil des UNESCO-Welterbes.  © Benard/Andia imago
Piazza Savonarola and castle moat, Ferrara, Emilia Romagna, Italy, Europe
Ferrara in der Emilia-Romagna ist ein besonderes Juwel. Die Bewohner der prachtvollen Hauptstadt der Renaissance sind ständig in Bewegung – vor allem mit dem Fahrrad.  © IMAGO
The village of Cervo on the Italian Riviera, Liguria, Italy
An der italienischen Riviera thront das mittelalterliche Cervo mit seinen verwinkelten Gassen auf einer Hügelkuppe über dem Meer. Im Sommer findet hier ein Festival für barocke Kammermusik statt.  © imago
Tropea in Kalabrien (Italien) - Drohnenaufnahme zeigt Blick auf die Stadt und das Meer.
Für den Urlaub in Italien wird Tropea in Kalabrien noch als Geheimtipp gehandelt. Die Stadt liegt auf einem hohen Felsplateau über dem Meer.  © Maciej Olszewski/imago
Erkundung des Küstencharakters von Polignano a Mare in Apulien, Italien, an einem sonnigen Tag
Weißer Kalkstein und türkisfarbenes Meer – das macht Apulien am Absatz des italienischen „Stiefels“ aus. Das Küstendorf Polignano a Mare zählt zu einem der schönsten Orte.  © IMAGO/Zoonar.com/Fokke Baarssen
Blick auf die Stadt Matera in Apulien (Italien) bei strahlend blauem Himmel
Matera in Apulien ist durch eine Verfolgungsjagd im James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ bekannt. Die historische Felsenstadt im Süden Italiens gehört zu einer der ungewöhnlichsten Urlaubsorte in Italien. Bereits vor 9000 Jahren wurde Matera besiedelt.  © Fokke Baarssen/imago
Wild und unverfälscht: Die Felsenklippen von Torre Sant Andrea (Apulien) sind zwölf Meter hoch. Antike Legenden ranken sich um die eindrucksvollen Formationen im Meer.
Wild und unverfälscht: Die Felsenklippen von Torre Sant Andrea (Apulien) sind zwölf Meter hoch. Antike Legenden ranken sich um die eindrucksvollen Formationen im Meer.  © marcorubino via imago-images.de
Manarola Village, Cinque Terre Coast of Italy - der Ort zählt zu Italiens romantischsten Küstendörfern
Cinque Terre ist ein Hotspot für Italien-Touristen. Manarola mit seinen pastellfarbenen Häusern (Foto) liegt an der „Via dell‘Amore“ an der Steilküste der italienischen Riviera.  © Imago
Cinque Terre - road of love. Liguria, Italy.One from most beautiful in Italy for pedestrian paths for lovers
Der ikonische Wanderweg „Vial dell‘Amore“ (auf Deutsch: Weg der Liebe) ist für viele ein Muss. Allerdings müssen Urlauber vorab per Ticket einen Slot für den 900 Meter langen Weg an der Küste buchen. Es gibt strenge Regeln seit der Wiederöffnung im Sommer 2024.  © Stelian Porojnicu/imago

Zum ersten Mal trat die Gebühr im Vorjahr in Kraft, im Jahr 2024. Venedig wurde damit die erste Stadt der Welt, die für Kurzzeitbesucher Eintritt verlangte, genau wie für ein Museum. Wer kein Ticket hatte, riskierte eine Geldstrafe von bis zu 300 Euro. Schon damals aber war der Trend absehbar: Die Besucherzahlen der Lagunenstadt steigen trotzdem kontinuierlich an.

Bürgermeister Luigi Brugnaro erklärte ausdrücklich, dass das Ziel darin bestehe, Touristen davon abzuhalten, die Stadt während bestimmter Zeiträume zu besuchen. „Venedig ist die erste Stadt der Welt, die das Problem des Overtourism angeht.“ Von Anfang Mai bis Ende Juli ist an jedem Wochenende von Freitag bis Sonntag Eintritt zu entrichten. Die Zahlung muss zwischen 08:30 und 16:00 Uhr erfolgen.

Venedig verdiente 2024 fast 2,4 Millionen Euro an den Tagestickets

Im vergangenen Jahr wurden 485.000 zahlende Besucher registriert, die über 2,4 Millionen Euro in die Stadtkasse spülten, was aber auch bedeutet, dass viele Touristen auf der Durchreise waren. Die Kosten für die Entwicklung und Verwaltung des Systems sind bei weitem nicht gedeckt. Übernachtungsgäste müssen keinen Eintritt bezahlen, jedoch die Kurtaxe entrichten. Zudem kamen vor allem Rucksack-Urlauber erst nach 16.00 Uhr, wenn keine Gebühr mehr fällig wird. Die Kosten für Entwicklung und Betrieb des Systems sind längst nicht gedeckt. 

Seit 2024 bezahlen Tagestouristen in Venedig eine Gebühr.

Der Besucherstrom bringt der Stadt viel Geld, verursacht aber auch große Probleme. Das Zentrum mit seinen Hunderten von Kanälen verfügt über mehr als 50.000 Betten für Touristen. Jedes Jahr gibt es mehr als 15 Millionen Besucher, die Tendenz ist steigend. An vielen Tagen ist es fast unmöglich, durch die engen Gassen rund um den Markusplatz und die Rialtobrücke zu kommen.

Sind die Gebühren für einen Venedig-Besuch zu niedrig?

Die Gebühr erscheint vielen als zu niedrig, als dass sie eine Abschreckungswirkung habe. In Venedig kostet selbst eine Tasse Cappuccino auf dem Markusplatz mehr als das Ticket. Bezahlt wird in der Regel, indem man sich vor der Ankunft übers Internet einen QR-Code besorgt und aufs Handy lädt.

Eine von der Stadtverwaltung Venedig veröffentlichte Analyse der Daten des letztjährigen Testlaufs ergab „keine signifikanten Schwankungen zwischen den Tagen, an denen eine Eintrittsgebühr erhoben wurde, und denen, an denen sie nicht erhoben wurde. Paradoxerweise wurde an den Tagen, an denen der Testlauf aktiv war, eine höhere Besucherzahl verzeichnet.“

„Das zeigt, was von Anfang an klar war: Man kann eine komplexe Stadt wie Venedig nicht regieren, indem man sie in einen Themenpark mit Eintrittsgebühr verwandelt“, sagte Monica Sambo, Oppositionsmitglied im Stadtrat von Venedig.

Venedig könnte auf die Liste der gefährdeten UNESCO-Welterbestätten gesetzt werden

Venedig drohte 2023 auf die Liste der gefährdeten UNESCO-Welterbestätten gesetzt zu werden, nachdem Experten der UNESCO den Massentourismus, den Klimawandel und die Entwicklung als große Bedrohung für die Zukunft der Stadt bezeichnet hatten. Sie forderte die Stadtverwaltung auf, Maßnahmen zur Schadensbegrenzung zu ergreifen. Die Stadt selbst nannte die Eintrittsgebühr als positive Maßnahme, Venedig kam bisher nicht auf der Liste der gefährdeten Stätten.

Eine UNESCO-Expertenmission kehrte im vergangenen Herbst nach Venedig zurück, die Stadt und ihre Lagune werden im Juli bei einem Treffen des Welterbekomitees in Paris erneut thematisiert. (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © Arnulf Hettrich/Fnoxx /Imago

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