Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Nächste Wetter-Wende steht bevor: Kaltluft überzieht Deutschland – Winter-Prognose lässt aufhorchen

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Nächste Woche rauschen sibirische Luftmassen nach Mitteleuropa. Die Temperaturen stürzen ab – und werfen Fragen für den Winter auf. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Ein markanter Wetterwechsel kündigt sich an: In der kommenden Woche (ab. 13. Oktober) erreicht zum ersten Mal in diesem Herbst ein Schwall kontinentaler Kaltluft aus dem Raum Sibirien Mitteleuropa und Deutschland. Mit dem Umschwung sinken die Tageshöchstwerte verbreitet unter die 15-Grad-Marke, teilweise werden sogar nur noch einstellige Werte erreicht. Das Besondere: Diese Luftmassen sind deutlich trockener als die zuletzt vorherrschende feuchtmilde Atlantikluft. Damit steigen die Chancen auf längere sonnige Phasen – denn Nebel und Hochnebel können sich bei trockenerer Luft eher auflösen. Während die Nächte zunehmend frisch und teils frostig werden, präsentiert sich der Tag häufig freundlich, aber kühl.

Sibirische Kaltluftmassen sind im Winter gern ein Garant für eisige Zeiten. Ob es auch im kommenden Winter so sein wird?

Früher Kaltlufteinbruch – ein Hinweis auf das Wetter im Winter?

Wenn Mitte Oktober bereits sibirische Luftmassen nach Mitteleuropa vordringen, liegt die Frage nahe: Ist das ein Vorbote für einen kalten und schneereichen Winter? Meteorologisch lässt sich das nicht so einfach beantworten. Einzelne Kaltluftvorstöße im Herbst haben keinen direkten Einfluss auf die Temperaturverteilung im Winter. Allerdings können sie auf eine bestimmte Grundwetterlage hindeuten – etwa ein stabiles Hoch über Nordosteuropa, das kalte Luftmassen nach Westen lenkt. In der Vergangenheit waren frühe Kaltlufteinbrüche gelegentlich Vorläufer winterlicher Hochdruckdominanz. Doch: Langfristprognosen zeichnen für den Winter 2025/26 bislang kein durchgehend kaltes Bild.

Direkt aus Russland und Sibirien strömen Anfang nächster Woche (ab 13. Oktober) eisige Luftmassen nach Deutschland.

Modelle sehen milden Winter – aber normales Wetter im Januar

Die aktuellen saisonalen Langfristmodelle, darunter ECMWF und GFS, setzen für den Winter insgesamt eher auf milde Verhältnisse. Der Fokus liegt dabei besonders auf Dezember und Februar, die nach derzeitigem Stand überdurchschnittlich temperiert ausfallen könnten. Interessant ist jedoch der Januar 2026: Sowohl das europäische ECMWF- als auch das amerikanische GFS-Modell zeigen hier zunehmend ein Temperaturniveau, das in Richtung des langjährigen Mittels (1991–2020) kippt. Das heißt: kein ausgesprochener Mildwintermonat, sondern ein „normaler“ Januar. In Verbindung mit häufigem Hochdruckeinfluss rechnen beide Modelle zudem mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen – ein Indiz für mögliche Inversionslagen mit gefühlt kaltem Wetter.

Inversionslagen als Winterthema?

Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, könnte der Januar ein Monat werden, der sich kälter anfühlt, als er statistisch ist. Typisch für trockene Hochdruckwetterlagen sind nächtliche Ausstrahlungskälte, Nebel und Hochnebel, während in den Bergen oft sonniges Winterwetter herrscht. Solche Inversionslagen prägen häufig „kalte“ Wintermonate in Mitteleuropa, ohne dass außergewöhnlich viel Schnee fällt. Ob es tatsächlich so kommt, ist noch offen – aber die Kombination aus früher Kaltluftzufuhr im Oktober und den Modelltrends für Januar deutet darauf hin, dass der Winter 2025/26 zumindest phasenweise winterlich und nicht durchgehend mild verlaufen könnte.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Wang Ping

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