Im 19. Jahrhundert als militärische Anlage gegründet

Khartum: Die Hauptstadt des Sudan

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Khartum, Hauptstadt des Sudan

Die Bevölkerung des urbanen Gebietes von Khartum besteht aus rund 6 Millionen Einwohnern. Die Hauptstadt ist das Zentrum von Geschichte und Politik des Sudans.

Khartum – Die Hauptstadt des Sudans hat eine interessante Geschichte und wurde im 19. Jahrhundert als militärische Anlage gegründet. Heute hat die Stadt eine Bevölkerung von rund 6 Millionen Einwohnern und ist damit die größte Stadt des Sudans.

Khartum: Geographie und wichtige Daten

Die Hauptstadt des Sudans ist das im Südosten des Landes gelegene Khartum. Die Bevölkerung Khartums beträgt für das gesamte urbane Gebiet etwa 6 Millionen Menschen. Damit leben etwa 12,5% der Einwohner des Sudan in der Hauptstadt und den angeschlossenen Vororten. Die Stadt liegt am Zusammenfluss des Weißen Nils und des Blauen Nils. Rund um die, der Stadt vorgelagerten, Flussinsel Tuti schlängeln sich die Flussarme des längsten Flusses der Erde. Diese Flussformation ist es, die der Stadt ihren Namen gab. Die Form des Flussverlaufs ähnelt einem Elefantenrüssel, was sich im Arabischen mit ‚al-Chartum‘ übersetzen lässt. Daraus wurde später der Name der Stadt Khartum abgeleitet.

Der Sudan ist ein Staat, dessen Komposition der Bevölkerung in seiner Geschichte von Zuwanderung geprägt war. Heute sieht die Zusammensetzung der ethnischen Gruppen wie folgt aus:

  • 1. Sudanesische Araber: 70% - Diese Bevölkerungsgruppe sind Einwanderer von der arabischen Halbinsel, aber auch arabisierte Ureinwohner des Sudans.
  • 2. Beja: 5,5% - Beja sind ein traditionell nomadisch lebender Stamm, die ursprünglich aus Ägypten kommen.
  • 3. Nuba: 2,5% - Die Nuba leben im Nuba Gebirge und sind ein indigenes Volk des Sudans
  • 4. Fur: 2% - Das Volk der Fur lebt hauptsächlich in der Region Darfur. Ihre Wurzeln liegen in der Sahara.
  • 5. Ägypter: 1,2% - Die Ägypter sind durch die Geschichte der Kolonialisierung im Sudan heimisch geworden.
  • 6. Fulani: 0,5% - Die Fulani kommen ursprünglich aus Westafrika, haben sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte über ganz Afrika verteilt.
  • 7. Andere: 18,3% - Viele weitere Ethnien sind im Sudan ansässig. Unter anderem viele Syrer, die im Sudan durch die einwanderungsfreundliche Politik für Syrer, Asyl gefunden haben.

Khartum: Frühe Geschichte

Die Spuren verschiedener steinzeitlicher Bevölkerung wurden auf dem heutigen Gebiet des Sudan auf mindestens 300.000 Jahre zurückdatiert. Werkzeuge, die die Vorfahren des heutigen Menschen entwickelt haben, wurden vor allem entlang des Nils und der heutigen Hauptstadt Khartum gefunden. Während der Zeit der Pharaonen war der Sudan als Obernubien bekannt. Verschiedene Herrscher setzten ihre Ansprüche durch und es gibt sogar Pyramiden auf dem Gebiet des Sudan, die durch das Königreich der Kusch erbaut wurden.

In der Geschichte seit der modernen Zeitrechnung hielt das Christentum, aus Ägypten kommend, Einzug im Sudan. Das Christentum war damit die erste fremde Religion, die im Sudan nennenswerte Anteile der Bevölkerung von sich überzeugen konnte. Ab dem 7. Jahrhundert gab es vermehrt arabische Händler, die den Islam vor allem im Norden des Staates verbreiteten. Die vorher gegründeten christlichen Königreiche im Sudan konnten sich zwar bis zum 14. Jahrhundert erhalten, verloren jedoch stetig an Einfluss. Die vorherrschenden Religionen waren jedoch noch bis zur Kolonialzeit die traditionellen afrikanischen Religionen.

Ab dem 19. Jahrhundert verfolgten die ägyptischen Khediven eine imperialistische Politik und drangen in den Sudan vor. Sie waren es schließlich, die im Jahr 1820 die heutige Hauptstadt Khartum als Militärlager gründeten. Durch die strategisch vorteilhafte Position etablierte sich Khartum schnell als Knotenpunkt für den Handel in der Region. Im Zuge des Mahdi Aufstandes wurde Khartum von den Mahdi eingenommen und entwickelte sich durch die anschließende Verlegung der Hauptstadt ins gegenüberliegende Omdurman zu einer Geisterstadt. Erst nach Niederschlagung des Mahdi Aufstandes durch die Briten im Jahr 1898 wurde die Stadt wieder aufgebaut.

Khartum: Kolonialzeit und Folgejahre

Ab dem Jahr 1898 gehörte der Sudan de facto zu Großbritannien. Offiziell war es ein Anglo-ägyptisches Kondominium. Die Geschichte dahinter begann allerdings deutlich früher. Der Sudan gehörte seit der Invasion im Jahr 1820 zu Ägypten. Ägypten selbst war jedoch seit dem Jahr 1882 in britischer Hand. Diese sahen sich im Zugzwang, den Mahdi Aufstand niederzuschlagen, um die Kontrolle über den Sudan wiederzuerlangen. Deshalb kann man ab dem Jahr 1898 von einer britischen Kolonie sprechen. Obwohl die Ägypter den Sudan beanspruchten, konnten sie sich gegen die mächtigen Besetzer nicht durchsetzen.

Nach der Unabhängigkeit Ägyptens von Großbritannien im Jahr 1922 war der Status des Sudan stets umstritten, die Briten behielten aber ihre Vormachtstellung. Nachdem Großbritannien im Jahr 1948 durch eine Verfassungsreform signalisiert hatte, dass man für eine Unabhängigkeit des Sudan offen ist, entschied sich der Sudan gegen den Willen der Ägypter für die Bildung einer souveränen Republik. Diese wurde am 01. Januar 1956 ausgerufen.

In den Folgejahren konnte die Politik wenig Stabilität für das Land und die Bevölkerung gewährleisten, sodass die neuere Geschichte des Sudans von Bürgerkriegen und der Sezession des Südsudan geprägt ist. Seit 2019 gab es zwei Militärputsche, die die jeweilige Regierung aus dem Amt drängten. Der Ausnahmezustand wurde erst am 22. Mai 2022 aufgehoben.

Khartum: Politik

Bis heute ist die Politik des Staates Sudan und der Hauptstadt Khartum in weiten Teilen als unstet zu bezeichnen. Die Staatsform ist laut Verfassung eine föderale Republik, deren Staatsreligion der Islam ist. In der Verfassung ist ebenfalls verankert, dass die Scharia die Quelle aller Rechtsprechung im Sudan sein soll. Schon kurz nach der Unabhängigkeit schloss man sich der Arabischen Liga an, um die Zugehörigkeit zum Islam zu verdeutlichen.

Wenn Wahlen stattfinden, hat jedes Mitglied der Bevölkerung ab 17 Jahren das allgemeine aktive und passive Wahlrecht. Es war in der Vergangenheit jedoch oft der Fall, dass eine gewählte Regierung später durch einen Putsch des Militärs wieder gestürzt wurde. Das de facto Staatsoberhaupt ist bis heute General Abdel Fattah Burhan (2022).

Der Süden des Landes wurde im Jahr 2011 nach einer langen Geschichte von Auseinandersetzungen als Republik Südsudan unabhängig vom Rest des Staates.

Khartum: Wirtschaft

Die Wirtschaft des Sudan wird durch die fortwährenden Krisen der Politik des Staates seit langem behindert. Die Hauptstadt Khartum ist das Zentrum der wirtschaftlichen Aktivitäten im Sudan. Früher war die größte Industrie des Landes die Produktion von Baumwolle, heute hat man sich vor allem in der Stadt Khartum deutlich mehr diversifiziert. Durch den Fund von Öl auf dem Staatsgebiet nahm die Geschichte des Sudans eine hoffnungsvolle Wendung, von der man allerdings bis heute nicht sehr gut zu profitieren vermag. Die meisten Arbeitsplätze für die Bevölkerung werden in den Industriezweigen Glasproduktion, Lebensmittelerzeugung, Textilien und Raffinerie erschaffen.

Khartum: Traditionelle Küche

Die sudanesische Küche ist so vielfältig wie ihre heutige Bevölkerung, die sich in der Geschichte über Jahrhunderte hinweg aus verschiedenen Einflüssen heraus zusammengesetzt hat. Einige der Lieblingsspeisen der Bevölkerung im Sudan sind:

  • Kamounia: Der Name dieses Gerichtes leitet sich von der Hauptzutat ab, die Cumin ist. Es handelt sich um einen Eintopf mit Fleisch, Olivenöl, Knoblauch und weiteren Gewürzen. Serviert wird es mit Reis und der Ursprung liegt in der arabischen Küche.
  • Aseeda: Ein tägliches Gericht im Sudan ist Aseeda. Es gehört zur typisch afrikanischen Küche und ist eine Art Brei aus verschiedenen Getreidesorten. Es ist ähnlich dem in Afrika weit verbreiteten Fufu.
  • Shahan Ful: Dieses Gericht ist wohl als das Nationalgericht des Sudan zu bezeichnen. Fava Bohnen werden langsam gekocht und mit einer Gewürzpaste vermischt. Dazu werden Joghurt, Käse, Olivenöl, Tomaten und Zwiebeln gereicht. Es stammt aus dem ägyptischen Kulturraum
  • Moukhbaza: Dieses Dessert hat es in sich und besteht lediglich aus zwei Zutaten. Bananen und Chillies. Diese werden erwärmt und vermengt, um eine süß-scharfe Nachspeise zu erzeugen

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