Junger, aber armer Staat

Südsudan: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Juba, Hauptstadt des Südsudan.

Südsudan ist eine Republik im Osten von Afrika, die 2011 ihre Unabhängigkeit vom Sudan erlangte. Gemeinsam mit dem Norden bildete es einst das flächenmäßig größte Land in Afrika. Heute sind die Grenzen aufgrund von Erdölfunde umstritten.

  • Südsudan gilt seit 2011 als der 54. afrikanische Staat.
  • Ein Bürgerkrieg (2013-2018) hat die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ausgebremst.
  • Ein Drittel der Bevölkerung ist unterernährt.

Juba – Durch seine Trennung vom Sudan ist der Südsudan seit dem Juli 2011 der 54. Staat in Afrika und gleichzeitig auch der jüngste Staat des afrikanischen Kontinents. Obwohl das Land einige Erdölvorkommen aufweist, zählt es zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt. Die meisten Einwohner sind Christen, was mitunter auch zur Abspaltung vom islamisch geprägten Sudan führte. Die Hauptstadt heißt Juba.

Südsudan: Vor der Abspaltung vom Sudan

Im Gegensatz zu seinen umliegenden Großräumen bildete der Südsudan kein religiöses oder einheitliches Gebiet. Im 10. Jahrhundert nach Christus sollen hier die nilotischen Völker der Dinka, Nuer und Schilluk als erste existierende Bevölkerung in den Südsudan eingewandert sein. Sechs Jahrhunderte später errichteten die Azande hier einen mächtigen Staat. Während der nördliche Sudan ab der Mitte des 7. Jahrhunderts durch arabische Händler islamisiert worden war, pflegten die Südsudanesen weiterhin ihre traditionellen Religionen.

Erst nachdem der Sudan zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Ägypten erobert worden war und die Sklaverei Einzug gehalten hatte, wurde der Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden spürbar. Vor allem, weil auf die Bevölkerung des Südsudans eine regelrechte Sklavenjagd unternommen worden war. Die türkisch-ägyptische Kolonialmacht wurde schließlich von einer anglo-ägyptischen abgelöst. Bis zur Unabhängigkeit des Sudans im Jahr 1956 bestand ein britisch-ägyptisches Kondominium, das den Norden und den Süden des Sudans zu einer Einheit zusammenfasste. Allerdings war der Süden, der eher musealen Charakter für die Kolonialmächte hatte, wirtschaftlich von geringer Bedeutung.

In dieser Zeit kam es durch französische, italienische und amerikanische Missionare im Südsudan zu einer voranschreitenden Christianisierung des Landes, wodurch sich die Spaltung zum islamisch geprägten Norden vertiefte. Dies zeigte sich auch, dass beide Landesteile unterschiedliche Amtssprachen aufwiesen. Im Norden hatte Arabisch offiziellen Status, im Süden dagegen Englisch.

Südsudan: Krisenjahre in der Republik Sudan

Im Zuge von Verwaltungsreformen in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Sudan sukzessive in die Selbstständigkeit entlassen. Allerdings wurde beschlossen, dass der Südsudan unter nordsudanesische Führung gestellt werden sollte, ohne das Land in die Entscheidung mit einzubinden. Die Südsudanesen fühlten sich übergangen und unterdrückt. Dies führte ab 1955 zu lang anhaltenden Bürgerkriegen zwischen dem christlich-schwarzen Süden und dem islamisch-arabischen Norden. Lediglich von 1972 bis 1983 hatte der Südsudan aufgrund eines Friedensabkommens vorübergehend autonomen Status.

Der allerdings stark islamisch-fundamentalistische Kurs der sudanesischen Militärregierungen stachelte die Konflikte erneut an. Erst 2005 wurde in einem neuen Friedensabkommen der Südsudan als autonome Region anerkannt. Dennoch kam es immer wieder zu inneren Konflikten zwischen dem Norden und dem Süden, bei denen es oft um Stammes- oder auch Grenzkonflikte ging. Aber auch die Verwaltung sowie die Verteilung von staatlichen Ressourcen stellten eine Herausforderung dar.

Südsudan: Unabhängigkeit und Bürgerkrieg

Vom 9. bis 15. Januar 2011 wurde schließlich ein Referendum durchgeführt, bei dem 99 Prozent der Südsudanesen für die Unabhängigkeit des Landes abstimmten. Das Ergebnis wurde am 11. Juli 2011 offiziell anerkannt. Drei Tage später wurde der Südsudan zum 54. afrikanischen Staat erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Trennung der beiden Landesteile auch auf staatlicher wie institutioneller Ebene vollzogen. Allerdings war es im Mai noch zu Kämpfen im Abyei-Gebiet gekommen, nachdem die Armee des Nordens die Stadt Abyei eingenommen hatte. Infolgedessen wurde eine demilitarisierte Zone in der Grenzregion errichtet.

Allerdings hatte das Land von 2013 bis 2018 mit einem heftigen Bürgerkrieg zu kämpfen. Ausschlaggebend waren die Feindseligkeiten zwischen dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir Mayardit und seinem entlassen Vizepräsidenten Riek Machar, der eine Rebellion gegen Mayardit anzettelte. Im Juni 2018 vereinbarten die Konfliktparteien in Khartum einen Waffenstillstand, gefolgt von einem Friedensvertrag, der im September in Addis Abeba geschlossen wurde. Auch von Deutschland kam in den vergangenen Jahren verstärkt humanitäre Hilfe, um das Land zu unterstützen.

Südsudan: Das politische System

Als Staats- und Regierungsform ist der Südsudan eine föderale Republik mit einem präsidentiellen Regierungssystem. Der Präsident hat eine gestärkte Position. Er leitet die Exekutive, die sich aus einem Vize-Präsidenten und dem Kabinett zusammensetzt. Die Legislative liegt beim südsudanischen Parlament, das aus zwei Kammern besteht: die Nationale Legislativversammlung (Unterhaus) mit 500 Sitzen und der Rat der Staaten (Oberhaus) mit 100 Sitzen. Die zweite Kammer, welche die Vertretung der Gliedstaaten durch den von ihnen entsandten Abgeordneten bildet, hat jedoch nur geringfügige Kompetenzen.

Südsudan: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Juba
  • Amtssprache: Englisch
  • Fläche: 644.329 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 11,2 Millionen (Stand 2020)
  • Währung: Pfund (SSP)
  • Verwaltungsgliederung: 10 Bundesstaaten
  • Religion: Christentum

Südsudan: Sprachen und Bevölkerung

Seit der staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 2011 wurde in der Übergangsverfassung Englisch als alleinige Amtssprache festgelegt. Davor hatte auch das Arabische offiziellen Status. Allerdings sind das Sudanesisch-Arabisch und Dschuba-Arabisch als Verkehrssprachen weit verbreitet. Die einheimischen Sprachen sind nach wie vor als Nationalsprachen anerkannt. Ein Großteil von ihnen gehört zur nilosaharischen Sprachfamilie, wie beispielsweise Dinka, Nuer, Bari und Schilluk, die zur Untergruppe der nilotischen Sprachen gehören. Der zentralsudanesische Zweig weist noch eine Vielzahl an Sprachen kleinerer Volksgruppen auf. Im Südwesten des Landes lassen sich viele Ubangi-Sprachen verorten, zu denen auch das Azande gehört.

Im Südsudan lebt heute nicht ganz ein Viertel des ehemaligen Gesamtsudans. Die größte Bevölkerungsgruppe machen die Dinka aus, die zu den Niloten zählen. Die Bevölkerung hat einige traurige Rekorde zu verzeichnen. Die Analphabetenquote sowie die Blindheitsrate zählen zu den höchsten der Welt. Die Schulbesuchsdauer ist mit durchschnittlich 5,3 Jahren die niedrigste weltweit. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist unterernährt.

Südsudan: Geografie und Städte

Der Südsudan ist ein Binnenstaat ohne Zugang zum Meer und grenzt im Norden an den Sudan, im Osten an Äthiopien, im Südosten an Kenia, im Süden an Uganda, im Südwesten an die Demokratische Republik Kongo und im Westen an die Zentralafrikanische Republik. Während im Norden Savannen und Trockenwälder das Landschaftsbild bestimmen, gibt es im Süden tropische Regenwälder.

Von großer Bedeutung ist auch der Nil, der die Hydrologie des Landes maßgeblich beeinflusst. Er bildet mit dem Sudd eine der größten Sumpfgebiete weltweit. Der Nilnebenfluss al-Arab bildet im Nordwesten eine natürliche Grenze zum Sudan, die allerdings nicht markiert ist. Zudem gibt es weitere Grenzregionen, in denen sich Weideland und Rohstoffe befinden, deren Staatszugehörigkeit bislang nicht eindeutig geklärt ist.

Die größten Städte des Südsudan im Überblick

  • 1 Juba: 230.195 Einwohner, Bundesstaat Central Equatoria
  • 2 Wau: 118.331 Einwohner, Bundesstaat Western Bahr el Ghazal
  • 3 Malakal: 114.528 Einwohner, Bundesstaat Upper Nile
  • 4 Yei: 111.268 Einwohner, Bundesstaat Central Equatoria
  • 5 Yambio: 105.881 Einwohner, Bundesstaat Western Equatoria
  • 6 Renk: 68.922 Einwohner, Bundesstaat Upper Nile
  • 7 Aweil: 59.217 Einwohner, Bundesstaat Northern Bahr el Ghazal

Südsudan: Wissenswertes zum Land

Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Neben dem Anbau von Pflanzen ist die Viehzucht von Bedeutung. Es gibt etwa genauso viele Rinder wie Einwohner und sogar doppelt so viele Schafe. Allerdings reicht der Sektor gerade mal aus, um den Eigenbedarf zu decken. Große Hoffnung wurde bei der Unabhängigkeit des Landes auf Erdöl gelegt. Dieser Rohstoff könnte die wirtschaftliche Lage der Republik erheblich verbessern. Äthiopien wurde sogar als Kooperationspartner für den Öltransport gewonnen. Allerdings haben der Bürgerkrieg und die anhaltenden innerpolitischen Konflikte die wirtschaftliche Entwicklung des Landes bislang stark ausgebremst, sodass der Südsudan nach wie vor auf Hilfe von außen angewiesen ist.

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