Kiew wird aufgrund seiner zahlreichen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die orthodoxe Christenheit auch als Jerusalem des Ostens bezeichnet.
Der traditionelle und historisch am meisten verwendete englische Name für die ukrainische Hauptstadt ist Kiew. Die Bezeichnung Kiew wird offiziell von sämtlichen politischen und organisatorischen Verwaltungseinrichtungen verwendet und der Name erlangt mittlerweile auch in englischsprachigen Quellen immer mehr an Bedeutung. Die unterschiedlichen englischen Namen der Stadt wie Kiou, Kiow, Kiew, Kiovia wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte schrittweise weiterentwickelt und die Schreibweise Kiew wurde von einer historischen ostslawischen Form Kyjev abgeleitet.
Zudem ist der Name mit dem legendären, gleichnamigen Stadtgründer Kyi verbunden. Im modernen Ukrainisch wird ausschließlich die romanisierte Form des Stadtnamens, Kiew, verwendet. Darüber hinaus haben zahlreiche internationale Organisationen in den vergangenen Jahren ihre Schreibweise in Kiew aktualisiert. Ebenso wird Kiew auch von der Europäischen Union, allen englischsprachigen diplomatischen Auslandsmissionen und -regierungen verwendet.
Zusätzlich haben die führenden internationalen englischsprachigen Nachrichtenquellen die Schreibweise Kiew in ihre Kommunikations-Richtlinien aufgenommen. Auch im Hinblick auf ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion favorisiert die Ukraine aus diesem Grund die Schreibweisen, die auf den ukrainischen Namen zurückgehen.
Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, ist die größte Stadt des Landes mit rund 3 Millionen Einwohnern und in der Agglomeration leben etwas mehr als 4 Millionen Menschen. Die Hauptstadt, die zu beiden Seiten des Flusses Dnepr liegt, ist bekannt für ihre kirchliche Architektur, ihre säkularen Denkmäler und ihr historischen Museen. Zudem hat Kiew, mit dem im 11. Jahrhundert erbauten Kiewer Höhlenkloster, eine Wallfahrtsstätte.
Kiew ist nicht nur ein wichtiger Bildungs- und Industriestandort, sondern auch wirtschaftliches Zentrum und neben Lemberg und Odessa kultureller Mittelpunkt des Landes. Darüber hinaus ist die ukrainische Hauptstadt der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Landes und Osteuropas, denn Kiew liegt als Schnittpunkt auf den Verkehrswegen von Südost-Europa nach Moskau und von Westeuropa in die Kaukasus-Region. Zudem besitzt Kiew einen Flusshafen am Dnepr mit einem denkmalgeschützten Hafenterminal.
Die ukrainische Hauptstadt wird wegen ihrer historischen Wichtigkeit als Mittelpunkt des einstigen „Kiewer Rus“, einem mittelalterlichen ostslawischen Großreichs, das als Vorläuferstaat für die heutigen Staaten Russland, Ukraine und Belarus gilt, auch oft in historischen ostslawischen Chroniken, als „Mutter aller russischen Städte“ bezeichnet.
Zudem wird Kiew aufgrund seiner zahlreichen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutsamkeit für die orthodoxe Christenheit sehr häufig auch als „Jerusalem des Ostens“ benannt. Kiew ist unbestreitbar das kulturelle Zentrum der Ukraine und besitzt eine Vielzahl an Kirchen, Synagogen, Museen, Denkmäler und historischen Straßenzügen und Plätzen. Am bekanntesten ist der große Hauptstadtboulevard mit Gebäuden im Stil des sozialistischen Klassizismus und der Andreassteig, die älteste Straße Kiews.
Der Hauptplatz der Stadt, der Majdan, mit dem Unabhängigkeitsdenkmal der Ukraine, wurde nicht nur durch die Proteste der Orangen Revolution bekannt. Bekannte Denkmäler sind ebenfalls das Denkmal der Völkerfreundschaft, das einen Bogen von 60 Meter Durchmesser aufweist und die Mutter-Heimat-Statue, eine 62 Meter hohe monumentale Statue, die an den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg erinnert. Im Rahmen der Dekommunisierung wurden auf Anweisung der Kiewer Stadtverwaltung im Jahre 2009 sämtliche 27 Denkmäler russischer Führer aus der Sowjetzeit aus dem Stadtbild entfernt.
Im Jahre 1990 wurden die Sophienkathedrale und die Maria-Entschlafens-Kathedrale, als Teil des Kiewer Höhlenklosters, als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft. In den Jahren 2005 und 2017 war Kiew der Gastgeber und Austragungsort des Eurovision Song Contest.
Die Gründung und Geschichte von Kiew – der Hauptstadt der Ukraine
Kiews Gründung liegt im Dunkeln und es gibt so gut wie keine historischen Beweise, wann oder durch wen die Stadt gegründet wurde. Die Historiker sind sich nicht einig, aber Legenden sowie der Nestorchronik, die ältesten erhaltenen ostslawischen Chroniken, zufolge, geht die Gründung der Stadt zurück auf die drei Brüder Choriw, Kyi und Schtscheck sowie deren Schwester Lybid. Sie ließen auf drei verschiedenen Anhöhen Dörfer bauen und errichteten eine Festung, die sie nach dem ältesten Bruder Kyi benannten. Daraus ergab sich der spätere Name Kiew, was übersetzt so viel wie „Stadt von Kyi“ heißt. Unabhängig von den Gründern gilt als gesichert, dass der Zeitraum der Gründung im 6. Jahrhundert lag.
Kiew wurde fürstliche Residenz der Rus und der Mittelpunkt der Kiewer Rus, einem mittelalterlichen ostslawischen Großreichs. Zudem war sie eine wichtige Grenz- und Handelsstadt, die im Handel mit mitteleuropäischen Städten eine Schlüsselrolle besaß. Handelsrouten wurden von jüdischen Kaufleuten aufgebaut und zum Ende des 9. Jahrhunderts war Kiew ein wichtiges Handelszentrum. Ab Ende des 10. Jahrhunderts ließen die Herrscher die Stadt großzügig ausbauen und Kiew erreichte im 11. und 12. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Entwicklung. Mit bereits rund 50.000 Einwohnern gehörte Kiew seinerzeit zu den größten Städten Europas.
Der Niedergang Kiews und des Kiewer Rus-Reichs begann im frühen 13. Jahrhundert, nachdem Erbfolgekämpfe zu wiederholten Eroberungen und Zerstörungen führten und die Mongolen nach zehnwöchiger Belagerung die Stadt eroberten und besetzten. Fast die gesamte Stadtbevölkerung wurde getötet und annähernd alle Gebäude der Stadt zerstört, sodass nach Überlieferungen nur noch rund 200 Häuser vom einst so blühenden Kiew übriggeblieben sein sollen.
Mitte des 14. Jahrhunderts fiel die Stadt an Litauen. Sie wurde im Jahre 1659 eine polnisch-litauische Provinzhauptstadt und gehörte bis 1667 zur Polnisch-Litauischen Adelsrepublik. Nachdem Kiew, aufgrund des Vertrages von Perejaslaw, seit 1654 von russischen Truppen besetzt war, fiel die Stadt unter russische Vorherrschaft und Kiew wurde ab 1667 Teil des Zarenreichs Russland. Dieser Vertrag von 1654, in dem der Treueeid auf den russischen Zaren abgelegt wurde, wird als eines der bedeutendsten Ereignisse in der langen Geschichte der russisch-ukrainischen Beziehungen angesehen. Dennoch genoss Kiew ein Stück weit an Autonomie. Das russische Reich sah Kiew vornehmlich als ein christliches Zentrum, das für Pilger attraktiv war, aber bis zum 19. Jahrhundert hatte Kiew keinerlei wirtschaftliche Bedeutung.
In den folgenden Jahrzehnten wurden viele bedeutende Bauwerke erneuert, es wurden Schulen gegründet und die Klöster, Kirchen und Kathedralen erhielten ihr heutiges Erscheinungsbild im Stil des ukrainischen Barocks. Kiew gedieh während der industriellen Revolution des späten 19. Jahrhunderts und wurde zu einem der bedeutendsten Handels-, Verkehrs- und Industriezentren des Russischen Reiches. Im Jahre 1892 erhielt Kiew als erste Stadt des russischen Reiches eine elektrische Straßenbahn. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Kiew rund 250.000 Einwohner und in den folgenden Jahren nahm die Einwohnerzahl rasant zu.
Nach der Russischen Revolution von 1917 begannen turbulente Zeiten und Kiew wurde die Hauptstadt mehrerer unterschiedlich aufeinanderfolgenden ukrainischer Staaten. Die Stadt war im Ersten Weltkrieg für mehrere Monate von deutschen Truppen besetzt, sie war zudem bis 1920 Schauplatz von bewaffneten Konflikten sowohl im Russischen Bürgerkrieg als auch im polnisch-sowjetischen Krieg. Im Jahre 1919 war Kiew zeitweise unter der Kontrolle der Weißen Armee, die im Russischen Bürgerkrieg gegen die Bolschewiki kämpften. Kiew wurde 1917 Hauptstadt der Ukrainischen Volksrepublik, 1918 wurde sie zur Hauptstadt der Ukrainischen Nationalrepublik. Nach dem Sieg der radikal-kommunistischen Bolschewiken in Russland kam auch Kiew unter sowjetische Herrschaft und 1934 wurde Kiew Hauptstadt der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. In den 1930er Jahren wurden zahlreiche bedeutende historische Bauwerke Kiews durch die sowjetischen Behörden zerstört und in der Stadt sollen während des Stalinismus ungefähr 130.000 Menschen ermordet worden sein.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Kiew von 1941 bis 1943 von deutschen Truppen besetzt. Während dieser zweijährigen Terrorherrschaft wurden von den Besatzern 120.000 bis 160.000 sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten, insbesondere Juden, ermordet. Am 6. November 1943 wurde Kiew nach 778 Tagen deutscher Besatzung von der Roten Armee befreit. In den Nachkriegsjahren erholte sich Kiew recht schnell und wurde wiederum zur drittbedeutendsten Stadt der Sowjetunion.
Im Jahre 1986 ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im dortigen Kernkraftwerk, das ca. 100 km nördlich von Kiew liegt. Durch die vorherrschenden Nordwinde blieb Kiew jedoch vor Kontaminationen und weiteren radioaktiven Schäden verschont.
Im August 1991 wurde im Rahmen des Referendums über die Unabhängigkeit der Ukraine und infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine durch das Parlament verkündet. Im Jahre 2004 kam es im Rahmen der ukrainischen Präsidentschaftswahlen zu friedlichen Protesten gegen Wahlfälschungen, zur sogenannten Orangen Revolution.
Auf Befehl des russischen Präsidenten Wladimir Putin begann am 24. Februar 2022 der russische Überfall auf die Ukraine und Kiew wurde als Hauptziel aus der Luft bombardiert. Dieser militärische Konflikt um Kiew endete Anfang April, nachdem der russische Vormarsch durch ukrainische Soldaten und Bürgerwehren deutlich verlangsamt und abschließend gestoppt werden konnte und sich die russischen Truppen aus der Region Kiew zurückgezogen hatten.