„Wenn nicht jetzt, wann dann“

Krankenhäuser fordern Maskenpflicht in Innenräumen – Corona-Lage verschärft sich

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Die Corona-Lage in Krankenhäusern verschärft sich wieder – deswegen verlangen diese eine generelle Maskenpflicht in Innenräumen. (kreiszeitung.de-Montage)
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Die Herbstwelle rollt und die Corona-Belastung in Krankenhäusern nimmt wieder zu. Deswegen wird die Forderung nach einer Maskenpflicht in Innenräumen laut.

Hannover – Die Corona-Lage verschärft sich mit der aktuellen Herbst-Welle wieder – besonders Krankenhäuser leiden unter den steigenden Corona-Zahlen. Auch die Bundesländer Niedersachsen und Bremen sind davon betroffen. Deswegen fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft eine schnelle Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen – und damit auch im Supermarkt.

Doch ist Covid-19 in diesem Winter nicht die einzige Herausforderung, der sich Kliniken in Deutschland stellen müssen.

Maskenpflicht in Innenräumen – das verlangen Krankenhäuser wegen aktueller Corona-Lage

Bundesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag, 15. Oktober 2022, nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 731,9 – und ist damit im Vergleich zum Vortag gesunken. Doch gehen Experten davon aus, dass die Inzidenz tatsächlich deutlich höher liegt, da viele Covid-Erkrankte keinen PCR-Tests mehr vornehmen und ihre Infektion damit nicht erfasst wird. Gesundheitsminister Karl Lauterbach schätzt die Gesamtzahl auf das Drei- bis Vierfache.

Zudem ist die inzwischen relevantere Angabe der Hospitalisierungsinzidenz auf 12,9 in Deutschland gestiegen. Deswegen fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nun von betroffenen Bundesländern eine schnelle Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen. „Dort, wo die Infektionszahlen besonders hoch sind, sind die Landesregierungen jetzt gefordert, aus dem Maßnahmenpaket des neuen Infektionsschutzgesetzes die geeigneten Schritte zu ergreifen“, sagte der Vorsitzende Gerald Gaß der Passauer Neuen Presse.

Mittlerweile kann man sagen, dass an den meisten Krankenhäusern der Normalbetrieb nicht mehr möglich ist.

Gerald Gaß, Vorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse.

„Wenn nicht jetzt, wann dann ist die Zeit, zum Beispiel eine Maskenpflicht in Innenräumen zu verhängen, um die Infektionsgeschwindigkeit zu dämpfen?“, fuhr Gaß fort. Wegen der Corona-Welle werden auch kostenlose Bürgertests in Deutschland wieder gefordert.

Corona-Lage in Deutschland ist angespannt – kommt die Maskenpflicht in Innenräumen zurück?

Die Lage in den Kliniken sei dem DKG-Vorsitzenden zufolge sehr angespannt. Planbare Operationen und Behandlungen würden demnach wieder verschoben, Betten mangels Personals gesperrt, und Krankenhäuser müssten sich zeitweise von der Notfallversorgung abmelden. „Das sind Dinge, die mittlerweile wohl schon in der Hälfte der Kliniken passieren. Und die Lage wird sich in den kommenden Wochen wohl noch weiter verschlechtern.“

Auch in Bremen und Niedersachsen nimmt die Belastung der Krankenhäuser wieder zu. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat ergeben, dass an einigen Standorten wieder Operationen verschoben werden müssen. Das liegt einerseits an mehr Krankheitsausfällen unter den Angestellten, andererseits an einer zunehmenden Anzahl an Patienten, die mit oder wegen Corona-Infektionen behandelt werden müssen, teilte die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) laut dpa mit.

Bisher sei die Lage auf den Covid-Normalstationen und -Intensivstationen stabil, erklärte die NKG – doch könne es regional zu Engpässen kommen, die von umliegenden Krankenhäusern abgedeckt werden müssten. Die Versorgung sei trotzdem bisher noch gewährleistet.

Krankenhäuser in Niedersachsen und Bremen leiden unter Corona-Lage – Maskenpflicht in Innenräumen aber erst ab Schwellenwert

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens äußerte laut dem NDR schon vor einigen Tagen: „Die Herbstwelle ist in vollem Gange, und der Infektionsdruck in der Bevölkerung aktuell ausgesprochen hoch.“ Die Corona-Regeln will das Bundesland trotzdem noch nicht verschärfen – die Schwellenwerte für die nächste Stufe auf dem Corona-Fahrplan sind nämlich noch nicht erreicht.

Erst bei einer Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz von über 15 und einer Intensivbettenauslastung durch Covid-19-Patienten von zehn Prozent soll in Niedersachsen die Maskenpflicht in Innenräumen – also unter anderem in Restaurants und Supermärkten – wieder eingeführt werden. Am 14. Oktober 2022 lag die Hospitalisierungsinzidenz bereits bei 15,1. Die Intensivbetten waren aber erst zu 5 Prozent belegt.

„Extrem besorgniserregend“ findet hingegen Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard die steigenden Inzidenzen und die hohe Krankenhausbelegung. Sie kündigte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) an, am kommenden Dienstag im Senat darüber zu sprechen, „ob und welche weiteren Schutzmaßnahmen nötig sind“. Auch Berlin und Brandenburg denken bereits über eine Maskenpflicht in Innenräumen nach – Karl Lauterbach rechnet schon seit einigen Tagen damit.

Energiekrise und Corona: Krankenhäuser in Deutschland stehen teilweise vor Schließung

Derzeit ist Corona aber nicht das einzige große Problem, mit dem sich Krankenhäuser konfrontiert sehen. Auch die Energiekrise sowie die steigende Inflation machen Kliniken zu schaffen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert aus dem Grund nicht nur eine Maskenpflicht in Innenräumen, sondern warnt darüber hinaus wegen der gestiegenen Energiepreise vor der Schließung von Krankenhäusern.

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„Wir laufen auf einen dramatischen Liquiditätsengpass in den Krankenhäusern zu“, schrieb Gaß in einem Brandbrief an Lauterbach, der dem RND vorliegt. Dadurch werde es „in den kommenden Monaten unweigerlich zu Standortschließungen und Leistungseinschränkungen in der Patientenversorgung kommen“, so der DKG-Chef. Die Verantwortung schob er dabei den „politisch Verantwortlichen“ zu.

DKG-Chef fordert von Lauterbach ein Entlastungspaket für Krankenhäuser – wegen Energiekrise und Inflation

Demnach kritisierte Gaß, dass Lauterbach die Berechnungen der Krankenhausgesellschaft zum Defizit der Kliniken bei einem Gespräch Anfang Oktober erst akzeptiert, dann aber bei der Fragestunde im Bundestag am 12. Oktober 2022 öffentlich in Zweifel gezogen habe – er nannte dieses Verhalten „irritierend“. Im Zuge dessen forderte der DKG-Chef Lauterbach dazu auf, das versprochene Hilfspaket für die Krankenhäuser endlich auf den Weg zu bringen.

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