VonPatrick Mayerschließen
Die Touristen strömen nach Dubrovnik an der kroatischen Adriaküste. Damit sich die Urlauber benehmen, hat sich der Drehort von „Game of Thrones“ was einfallen lassen.
Dubrovnik – Bei „Game of Thrones“ war sie Drehort für die fiktive Hauptstadt „King’s Landing“: die kroatische Küstenstadt Dubrovnik. Gepusht durch die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie erlebt die südlichste Stadt Kroatiens mit ihren rund 44.000 Einwohnern einen derartigen Hype, dass die Touristen nur so hinströmen.
Dubrovnik an der Adria: Kroatische Stadt lässt sich wegen Massentourismus was einfallen
1,5 Millionen Besucher kommen Schätzungen zufolge jedes Jahr nach Dubrovnik, nicht einmal Venedig meistert im Verhältnis zu den Einwohnern so viele Touristen, schreibt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Zur Einordnung: Die Hauptschlagader, der Stradun, die nur 350 Meter lange Fußgängerzone aus Kopfsteinpflaster, kann nur 7000 Menschen gleichzeitig aufnehmen. Das Phänomen „Overtourism“ ist somit allgegenwärtig.
Laut Reise-Website holidu.de belegt die kroatische Stadt unter den überfülltesten Urlaubszielen im Sommer sogar Platz eins – gefolgt von Venedig in Italien und (überraschend) dem belgischen Brügge. Das kleine Dubrovnik versucht in Kroatien deshalb, den Massentourismus irgendwie in erträgliche Bahnen zu lenken und hat sich dafür eine kuriose Maßnahme einfallen lassen. Ein Ritter soll für Ordnung sorgen.
Dubrovnik in Kroatien: Touristen-Magnet stößt an Grenzen des Machbaren
Das erzählte nun der Südosteuropa-Korrespondent der NZZ, Volker Pabst, im Podcast „NZZ Akzent“. Demnach soll „Ritter Orlando“ die vielen Touristen sanft erziehen, weil die Stadt im Sommer an Grenzen des Machbaren angelangt sei. Die Statue des Kriegers steht an der Stradun-Straße. „Es ist eine riesige Belastung. Bürgermeister Mato Frankovic stört sich schon seit Jahren an diesen Touristenmassen. Er sagt: ‚Das ist zu viel. Wir müssen was ändern‘“, erzählt Pabst im Podcast der Schweizer Tageszeitung und relativiert: „Gleichzeitig lebt die ganze Stadt vom Tourismus.“ Frankovic habe mit der Stadtverwaltung bereits die Zahl an Kreuzfahrtschiffen begrenzt, die mit ihren tausenden Passagieren an einem Tag in Dubrovnik ankommen dürfen.
Doch das reicht offenbar nicht, zumal sich offenbar nicht jeder Urlauber in der alten Festungsstadt angemessen verhält. „Die Stadt hat eine Sensibilisierungskampagne geplant. Man versucht, die Gäste darauf hinzuweisen, welches Verhalten in einer Stadt vielleicht problematisch ist, in der solch große touristischen Mengen ankommen. Man versucht das in einer etwas spielerischen Art mit einem fast kindlichen Zeichentrickfilm“, schildert Pabst. Hauptfigur dieses Comics, das demnach an verschiedenen Stellen der Stadt auf Bildschirmen ausgespielt wird, ist eben jener „Ritter Orlando“. Er soll auf mögliche Fehltritte hinweisen.
Dubrovnik in Kroatien: Urlauber an der Adria sollen sanft erzogen werden
So laufe in dem Comic zum Beispiel ein Tourist oben ohne durch die Stadt, der Urlauber klettere auf Denkmäler hoch, um Selfies von sich zu machen, oder Bierfalschen würden einfach irgendwo liegen gelassen. „Ritter Orlando“ steigt dann von einer Statue hinab und weist den Touristen darauf hin, dass es so nicht geht, erklärt Pabst. Mit „Ritter Orlando“ wolle die Stadtverwaltung letztlich vermeiden, dass strengere Strafen wie Bußgelder verhängt werden müssen. Wirkung ungewiss. (pm)

