VonJana Stäbenerschließen
Europa wird von Paketen aus China überschwemmt. Das Logistikunternehmen Hermes hat eine spezielle Methode für Paketen von Temu, Shein und Alibaba entwickelt.
Update vom 5. Februar 2024: Mit einer präsidialen Verordnung vom vergangenen Samstag (1. Februar) hat US-Präsident Donald Trump das Geschäftsmodell von chinesischen Versandhändlern wie Temu vor Herausforderungen gestellt. Bisher waren Pakete mit einem Warenwert unter 800 Dollar von Zollabgaben und intensiven Kontrollen befreit. Ein Schlupfloch, das Temu ermöglichte, günstige Produkte schnell in die USA zu liefern. Trump hob die generelle Ausnahme für Pakete mit einem Warenwert unter 800 Dollar nun auf.
Auch Deutschland und die EU wollen die chinesischen Versandhändler schärfer kontrollieren. Bei Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern müssen für Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro kein Zoll bezahlt werden. Das nutzen die chinesischen Versandhändler aus. Diese Zollfreigrenze soll nach Plänen aus Deutschland und der EU künftig fallen.
Originalmeldung vom 19. Dezember 2024: In Schweden herrscht kurz vor Weihnachten ein „lawinenartiges Wachstum bei Paketen aus China“. So schreibt es die schwedische Zeitung Dagens Nyheter. Sie hat mit Mitarbeitern von „Direkten“, einer schwedischen Kioskkette gesprochen, die nicht nur Tabak und Theaterkarten verkauft, sondern (wie viele Kioske in Deutschland auch) Pakete annimmt.
Die Kiosk-Besitzer sprechen davon, dass weiße und graue Plastikpakete aus China überall im Land die Paketannahmestellen fluten. Es sei das reinste Chaos – und erst der Anfang – glauben sie. Wie sieht es in Deutschland aus? BuzzFeed News Deutschland hat bei großen Versanddienstleistern wie Hermes und DHL nachgefragt und einen Blick in mehrere Kiosks geworfen.
Pakete aus China: Allein von Temu und Shein sind es täglich rund 400.000
Eine Reuters-Analyse von Februar 2024 zeigt, dass die chinesischen Online-Händler Temu und Shein mit täglich rund 400.000 Paketen nach Deutschland Chaos in der Luftfracht verursachen. Denn die günstigen, aber minderwertigen Produkte von Temu und Co. nehmen mit 5000 Tonnen Frachtvolumen verhältnismäßig viel Platz weg (zum Vergleich: Apple hat ein Frachtvolumen von 1000 Tonnen Ware pro Tag).
DHL bestätigt BuzzFeed News Deutschland, dass sie „deutschlandweit einen Anstieg von internationalen Sendungen, zum Beispiel aus China“ feststellen. Hermes teilt uns mit, dass sie in den vergangenen Jahren einen „deutlichen Anstieg der Sendungen asiatischer Auftraggeber festgestellt“ hätten. Zum Beispiel von chinesischen Unternehmen wie Temu, Shein oder Alibaba mit seiner Plattform „Aliexpress“ für Konsumenten.
Nicht nur die Luftfracht sei eine Herausforderung, sondern auch die unterschiedlichen Verpackungen, sagt eine Hermes-Pressesprecherin. Vor kurzem habe man das „Multibarcode-Label“ eingeführt. Im Gegensatz zum Standard-Label, das nur einen Barcode enthalte, gebe es bei diesem speziellen Label für internationale Pakete von Temu, Shein oder AliExpress vier Barcodes. So werde das „Risiko einer nicht lesbaren Sendung erheblich reduziert“. Zum Beispiel dann, wenn die orange Plastikverpackung völlig zerknittert im Logistikzentrum ankommt.
Logistikunternehmen sehen „anhaltenden E-Commerce-Boom in Asien-Pazifik“
Dieses Jahr dürften unter dem Weihnachtsbaum also mehr Geschenke aus Asien liegen. Reinstes Chaos, wie in Schweden, ist durch die Pakete aus China in deutschen Paketannahmestellen jedoch nicht ausgebrochen. 400.000 Pakete von durchschnittlich zehn Millionen versendeten Paketen am Tag in Deutschland sind ja auch nur vier Prozent. Entsprechend heißt es, als wir in einem Hamburger DHL-Paketshop nachfragen, dass man nicht unbedingt mehr Temu-Pakete bemerke.
Auch als wir bei einem Kiosk in Frankfurt am Main in der Nähe des Hauptbahnhofs vorbeischauen, sehen wir keine orangen und weißen Plastiktüten. Eine Woche vor Weihnachten stapeln sich dort vor allem Zalando-, Amazon- und Asos-Pakete. Diese Art von Sendungen nehme sie am häufigsten an, sagt uns die Besitzerin. Temu und Shein seien bei ihr eher auf den hinteren Plätzen. Noch, denn Logistikunternehmen wie UPS sprechen bei Paketen aus China von einer „steigenden Nachfrage“ und einem „anhaltenden E-Commerce-Boom in Asien-Pazifik“.
Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa


