„Fordernd und egozentrisch“

„Verwöhnte Narzissten“: Psychologe warnt vor Weihnachtstrend für Kinder

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Mit den ersten Lebkuchen im Supermarkt verfallen viele Eltern in einen Kaufrausch. „Das bereitet Kinder nicht gut auf das Leben vor“, findet ein Experte.

Auf TikTok ging eine Mutter viral, die an einem Tag des Wochenendes nur Dinge macht, die ihr Spaß machen. Experten befürworten das. In Zeiten bedürfnisorientierter Erziehung ist der Druck für Millennial-Eltern hoch. Um nicht auszubrennen, dürfen Eltern ihre Bedürfnisse nicht immer zurückstellen, warnt ein Kinderarzt.

Alle Jahre wieder scheinen Eltern das jedoch komplett zu vergessen – gemeinsam mit Lichterketten und Weihnachtssternen kramen sie die höchsten Ansprüche an sich und die perfekte Weihnachtszeit raus. Die Vorbereitungen starten (spätestens!) im November, denn zu Weihnachten gehört für die meisten Deutschen ab dem 1. Dezember ein Adventskalender.

Obwohl dieser laut YouGov-Umfrage eher Druck als Freude erzeugt, planen 2024 49 Prozent von 3570 befragten Erwachsenen mindestens einen Adventskalender zu verschenken. Und der ist oft selbst befüllt: Quetschies, Pixi-Buch, Knete, Keks-Austecher, Haargummis – Eltern sind dafür das ganze Jahr „auf der Jagd“. Sie wollen „keinen Ramsch hineintun“, obwohl es „schnell teuer“ werde, zeigt ein Blick in Eltern-Foren. Schoko-Kalender-Eltern stehen „alleine da“.

Zu viele Geschenke an Weihnachten: Bereitet Kinder „nicht gut auf das wirkliche Leben vor“

Besonders eine Gruppe scheint gefährdet, es beim Adventskalender und mit den Geschenken an Weihnachten zu übertreiben: „Eltern, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie das Gefühl haben, zu wenig Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, geraten besonders leicht in Versuchung zum Ausgleich übermäßige Geschenke aufzufahren“, sagt Hans-Otto Thomashoff BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Der Psychiater hat zum Thema Kindererziehung die Bücher „Was ist wirklich wichtig im Leben“ und „Damit aus kleinen Ärschen keine großen werden“ geschrieben. Zu viele, zu große, zu teure Geschenke, seien nicht gut für Kinder. Sie gewöhnten sich daran und „werden fordernd, egozentrisch und zu verwöhnten Narzissten“, warnt Thomashoff. „In so einer Blase aufzuwachsen, bereitet Kinder nicht gut auf das wirkliche Leben vor“.

Zu viele Geschenke sorgen nicht langfristige für ein zufriedenes Lebensgefühl bei Kindern. (Symbolbild)

Hirnforschung zeigt, was Kinder für ein erfülltes Leben brauchen – manche Eltern „können das kaum“

Der Druck einen schönen Adventskalender, perfekte Geschenke und schöne Weihnachtstage für die Kids zu organisieren, scheint in den vergangenen Jahren bei Eltern noch gestiegen zu sein. „Die Werbeindustrie sorgt dafür, dass Kinderherzen darauf gedrillt werden, schneller zu schlagen, wenn das neueste Handy unter dem Weihnachtsbaum liegt“, sagt der Psychiater. Neurobiologisch gesehen sei das nicht gut für Kinder.

Konsum stimuliere das schnelle Belohnungssystem des Gehirns mit Dopamin. Das fühle sich im Moment zwar gut an, doch schon bald lechze das System aufs Neue nach Aktivierung, „so wie bei den meisten Suchtformen“, erklärt Thomashoff BuzzFeed News Deutschland. „Das ist auf Dauer ziemlich stressig und kann ganz schön ins Geld gehen“. Eltern sollten sich nicht irritieren lassen, wenn die eigenen Kinder meinten, die Kinder anderer Eltern würden mehr bekommen, rät der Experte.

Aus der Hirnforschung wisse man, welche Werte Grundlage für ein erfülltes Leben seien. Die Qualität unserer Beziehungen spiele die wichtigste Rolle. Eltern sollten ihren Kindern ganz bewusst vorleben, wie eine gute Partnerschaft funktioniert, sagt Thomashoff. „Eltern, die ihr eigenes Wohlbefinden für ihre Kinder opfern, können das kaum“, sagt er. Vielleicht machen die Schoko-Kalender-Eltern also doch nicht so viel falsch.

Rubriklistenbild: © YAY Images/Imago

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