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Die Symptome glichen denen bei einer Erkältung. Tatsächlich hatte eine Frau aus den USA aber eine andere Erkrankung. Im Koma faulten Hände und Füße – mit dramatischen Folgen.
Houston/Texas – Auf den Fotos im Internet sieht man sie stets lachend. In der Umarmung des Ehemanns, beim Selfie mit der Freundin oder im Wohnzimmer nebst Nachbarn und Verwandten – Sherri Moody ist ein fröhlicher Mensch. „Ich entscheide mich einfach dafür, glücklich zu sein“, lässt die Lehrerin aus Houston im US-Bundesstaat Texas sich auch von jedem Schicksalsschlag nicht unterkriegen, der sie im vergangenen Jahr schwer getroffen hat. Nach einer vermeintlichen Erkältung lag die 51-Jährige erst im Koma und verlor dann große Teile ihrer Arme und Beine – die Ärzte mussten die Extremitäten amputieren.
Die US-Sendung Today erzählt die dramatische Geschichte der Amerikanerin, die in einem Freizeitpark im April 2023 begann. Auf einem Ausflug mit ihren Schülern fühlte sich Moody schlecht, mit Symptomen wie bei einer Grippe. Nachdem sie in den kommenden Tagen hohes Fieber bekommen hatte, erbrechen musste und Probleme mit dem Atmen hatte, fuhr die Lehrerin in die Notaufnahme. Davor war sie dort noch nie gewesen, zitiert der US-Sender die Lehrerin. „Ich war sehr gesund und in Form. Ich aß richtig, machte Sport.“
Blutvergiftung nach Streptokokken-Infekt: Hände und Füße der US-Lehrerin faulen im Koma
Die Ärzte stellten eine schlimme Diagnose: Moody hatte sich mit Streptokokken infiziert und nun eine doppelte Lungenentzündung. Streptokokken sind Bakterien, die verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen können. Das kann eine Halsentzündung mit milderem Verlauf sein, aber auch Scharlach, Hautinfektionen oder Hirn- oder Lungenentzündungen. In Australien wurden einem kleinen Jungen (1) vor einigen Monaten beide Beine amputiert, weil er nach einer Streptokokken-Infektion eine Blutvergiftung bekommen hatte. Und auch im US-Staat Kentucky hatte eine Frau vor kurzem beide Arme und Beine wegen einer Blutvergiftung verloren.
Auch US-Lehrerin Moody entwickelte eine Blutvergiftung, eine sogenannte Sepsis. Blutvergiftungen entstehen durch Infektionen, meist durch Bakterien wie bei Moody, seltener durch Viren, Pilze und Parasiten. Selbst eine kleine Wunde kann zu einer Blutvergiftung führen. Die US-Lehrerin hatte einen septischen Schock, die „schwerste Stufe einer Sepsis“, schreibt Today.
Er habe damals im Internet nachgeschaut, was eine Sepsis sei, erinnert sich Ehemann David. „Ich habe schnell festgestellt, dass wir uns in einer ernsten Situation befunden haben. Ich war sehr verängstigt“, schildert der 53-Jährige die Tage nach der Diagnose. Bereits nach zwei Tagen der nächste Schock: Die Nieren und Lungen der Lehrerin begannen zu versagen – die Ärzte versetzten sie ins Koma. Dort bekam sie nun, so schreibt Today, starke Medikamente, die Blut in die Organe gepumpt hätten. Das hatte schlimme Folgen. Die Extremitäten bekamen nicht mehr genug Blut, Arme und Beine wurden schwarz, wie Ehemann David es beschreibt. „Ich sah buchstäblich, wie die Füße und Hände meiner Frau gestorben sind.“ Auch der bekannte Schauspieler Fritz Wepper musste kurz vor Weihnachten wegen einer Blutvergiftung ins Krankenhaus.
Noch keine Prothesen: Lehrerin aus Houston muss weitere OP an Kniescheiben abwarten
Die Mediziner mussten amputieren. Erst die Beine im Juni 2023 unterhalb des Knies, dann im folgenden Monat die Arme unterhalb der Ellbogen. Und auch danach musste Moody noch mehrfach operiert werden, bald steht ihr etwa eine komplizierte OP wegen Wundbrand an den Kniescheiben bevor. Ein Fehlschlag könnte laut Today bedeuten, dass die Beine auch oberhalb des Knies amputiert werden müssten. Das würde die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Moody mal Prothesen bekommt. Auf die künstlichen Beine wartet sie wegen den Operationen und weiteren Komplikationen noch immer.
Die Lehrerin bleibt tapfer. „Ich bin mental sehr stark“, sagt sie dem US-Sender. Sie wolle nicht behaupten, nicht dann und wann auch mal einen „breakdown“, einen kleinen Zusammenbruch zu haben, und weine bisweilen auch mal. „Aber ich lasse das nicht lange zu“, sagt Moody.
In den Sozialen Medien spenden die Menschen der Lehrerin Trost und machen Mut
Die Lehrerin ist in ihrer Gemeinde in der Metropolregion ums texanische Houston herum nicht allein. Viele Menschen unterstützen sie – eine entsprechende Facebook-Gruppe hat mehr als 7500 Mitgliedern. Dort gibt es regelmäßig Updates, zudem werden Spenden-Events organisiert. Bei einer solchen Benefizveranstaltung luden die Unterstützer im Netz erst am Sonntag (3. März) zu Tombola, DJ und Kuchenverkauf.
Videos zeigen, wie Moody ihr Leben meistert. Sie spielt in der Reha mit einem großen Plastikball, putzt sich die Zähne mit einer speziellen Vorrichtung, fährt im Rollstuhl oder schließt einen Sicherheitsgurt. Nachdem dieser geschlossen ist, muss sie erstmal durchpusten – denn natürlich fallen selbst solche Kleinigkeiten der 51-Jährigen nicht leicht.
Oft spenden Menschen der Lehrerin auf Facebook aber auch Trost und sprechen ihr Mut zu. Eine Frau aus Kalifornien schildert ihre eigene Leidensgeschichte: „Hallo Sherri. Ich habe mit 60 Jahren meine Hände und Füße aufgrund eines blockierten Nierensteins verloren“, schreibt sie. Mittlerweile habe sie aber „bionische Hände“ und laufe „völlig normal“. Deshalb will sie Moody und deren Ehemann treffen, um dem Paar zu zeigen: Auch nach einer Amputation kann das Leben noch vollwertig sein. (Florian Neuroth)
Rubriklistenbild: © Facebook Account: David Moody

