Schwere Infektion

Er hatte typische Erkältungssymptome: Einem kleinen Jungen (1) müssen beide Beine amputiert werden

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Ryan hatte Halsschmerzen und Schnupfen. Dass dahinter eine schwere Erkrankung steckte, merkten die Ärzte erst, als der Körper des Einjährigen aufgab.

Broken Hill – Gerade zur kalten Jahreszeit erwischt es kleine Kinder oft. Symptome wie Husten, Schnupfen und Fieber deuten meist auf eine gewöhnliche Erkältung hin. Mit einigen Geheimtipps wird man den Infekt in der Regel schnell wieder los. Hinter einer laufenden Nase und Halsschmerzen kann jedoch auch eine schwere Erkrankung stecken – das mussten die Eltern eines kleinen Jungen aus Australien schmerzlich erleben.

Nicht immer steckt hinter Halsschmerzen und Fieber eine harmlose Erkältung. (Symbolbild)

Der kleine Junge zeigte zunächst harmlose Erkältungssymptome wie Halsschmerzen und Schnupfen

Ryan feierte am 6. Dezember 2022 noch seinen Geburtstag, bevor er einen Tag später krank wurde. Die Familie, die in der australischen Kleinstadt Broken Hill lebt, machte sich zunächst keine großen Sorgen: Ryan zeigte keine besorgniserregenden Symptome, er litt lediglich unter Halsschmerzen, Schnupfen und Muskelschmerzen. Im Laufe des Tages ging es dem einjährigen Jungen jedoch zunehmend schlechter.

„Am Nachmittag hatte er leicht erhöhte Temperatur, war nicht mehr er selbst“, erzählt seine Mutter Jessica Lines im Interview mit ABC News. Es sei ihm irgendwann so schlecht gegangen, dass er nicht einmal mehr selbstständig laufen konnte, so Lines. Gemeinsam mit ihrem Mann brachte sie ihren Sohn schließlich in ein Krankenhaus. Dort sei ihnen jedoch gesagt worden, dass der Junge vermutlich eine Virusinfektion habe – die Familie sollte wieder nach Hause gehen.

Ryan erlitt durch eine Infektion mit Streptokokken eine schwere Blutvergiftung

Nachdem es Ryan am folgenden Tag jedoch noch schlechter ging, fuhren die Eltern erneut mit ihm ins Krankenhaus. Nach einigen Untersuchungen sei klar gewesen: Der Zustand des Jungen ist so instabil, dass er in ein größeres Krankenhaus in der nächsten Großstadt geflogen werden müsse. Dort stellte sich heraus, dass sich Ryan mit Streptokokken infiziert und infolgedessen eine Blutvergiftung erlitten hatte.

Streptokokken-Infektion

Streptokokken sind Bakterien, die Scharlach auslösen: Entzündungen des Rachens sowie Haut- und Weichteilentzündungen. Die Symptome reichen von leichten Halsschmerzen mit minimal auffälligem Untersuchungsbefund bis zu hohem Fieber und starken Halsschmerzen. Anfällig sind vor allem kleinere Kinder. Eine schnelle Behandlung der Infektion ist wichtig, da es sonst zu schweren Folgeerkrankungen kommen kann.

Quelle: AOK und Robert Koch-Institut (RKI)

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass sich eine einfache Streptokokken-Infektion in ein septisches Schocksyndrom verwandelt hat“, erklärt Lines auf Instagram, wo sie die dramatische Geschichte ihres Kindes dokumentiert. Im Adelaide Women‘s and Children‘s Hospital hörte dann sogar Ryans Herz auf, zu schlagen – die Ärzte mussten ihn für zehn Minuten wiederbeleben. In den folgenden vier Monaten musste er mehrfach operiert werden. Das Gewebe in seinen Händen und Unterschenkeln war aufgrund des Nährstoffmangels durch die Blutvergiftung abgestorben und wurde deshalb amputiert. Auch Mückenstiche können eine Blutvergiftung hervorrufen – eine junge Frau erlitt infolgedessen Nierenversagen.

  • Symptome einer Blutvergiftung
  • Fieber oder Unterkühlung
  • Schüttelfrost
  • erhöhter Puls
  • starkes Krankheitsgefühl
  • Schmerzen
  • Verwirrtheit
  • Quelle: AOK

Ryans Mutter klärt auf, dass hinter Erkältungssymptomen auch schwere Krankheiten stecken können

Dem kleinen Jungen soll es inzwischen wieder den Umständen entsprechend gutgehen. „Es gibt Momente, in denen er ein wenig frustriert ist, aber er ist immer noch ein frecher, fast zweijähriger Junge“, so Lines gegenüber ABC News. Bilder und Videos auf ihrem Instagram-Account zeigen Ryan fröhlich beim Laufen- und Stehenüben mit seinen Beinprothesen. „Er macht langsam seine ersten Bewegungen in seinen Prothesen“, schreibt Lines unter eines der Videos.

Indem Lines ihre Geschichte teilt, will sie andere Familien darüber aufklären, wie gefährlich eine Streptokokken-Infektion werden kann – und dass man immer auf sein Bauchgefühl hören sollte, wenn es dem Kind nicht gut geht. In Großbritannien etwa sind im vergangenen Jahr mehrere Kinder wegen einer Streptokokken-Infektion verstorben. „Wir werden immer über Ryans Weg berichten, über all die Nachrichten, die ich von Menschen aus der ganzen Welt erhalten habe, wie viel sie durch Ryans Geschichte gelernt haben“, so Lines auf ihrem Account. „Ich weiß, dass Ryan so viel für andere verändert hat.“ (tt)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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