Das Königreich im Himmel

Lesotho: Alles über den Binnenstaat in Südafrika

+
Zentrum von Maseru, der Hauptstadt von Lesotho

Lesotho ist ein Königreich in Südafrika, das bis 1966 noch unter dem Namen Basutoland bekannt war. Das Land weist eine parlamentarische Monarchie auf und ist ganz von der Republik Südafrika umschlossen. Viele Bewohner leben noch nach alten Traditionen.

  • Lesotho ist eine monarchische Enklave in Südafrika.
  • Die einst als Basutoland bekannte britische Kronkolonie wurde 1966 unabhängig.
  • Obwohl sich das Land um Tourismus bemüht, gilt es aufgrund seiner hohen Kriminalitätsrate immer noch als sehr gefährlich.

Maseru – Das mit einer Fläche von 30.355 Quadratkilometer große Lesotho zählt zu den kleineren Ländern Afrikas und ist gerade mal so groß wie Belgien. Aufgrund seiner hohen Lage und den vielen teils unbewohnbaren Gebirgszügen wird das Land auch gerne als „The Kingdom in the Sky“ (zu Deutsch: „Das Königreich im Himmel“) bezeichnet. Weitaus weniger königlich ist die gegenwärtige Situation der Einwohner. Das Land hatte in den letzten Jahren mit Armut, Hungersnot und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Die Hauptstadt ist Maseru.

Lesotho: Frühgeschichte und König Moshoeshoe I.

Noch heute zeugen Höhlen- und Felsmalereien davon, dass bereits vor 25.000 Jahren das Gebiet des heutigen Lesotho von einem Jäger- und Sammlervolk mit dem Namen San besiedelt worden war. Mit der Wanderung der Bantu-Stämme gelangten ab dem 4. Jahrhundert die Nguni-Völker in die Region, die als Bauern und Hirten lebten. Die San wurden etwa ab dem 11. Jahrhundert von den Basotho- und Tswana-Gruppen vertrieben.

Als ab dem 19. Jahrhundert der Zulu-König Shaka sein Reich ausbreiten wollte, kam es auf dem Gebiet der Basotho immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Unter der Führung von Moshoeshoe I. konnte der Ansturm der Zulu abgewehrt werden. Er errichtete Festungen in Butha-Buthe sowie Thaba Bosiu und brachte so die Basotho-Nation auf den Weg. Als es 1830 zu Spannungen zwischen den Buren und Briten am Kap kam und Moshoeshoes Truppen bedroht waren, erbat er der Häuptling Schutz bei den Briten. In einem Vertrag von 1843 sicherten die Briten ihre Unterstützung zu. Allerdings wurde diese Übereinkunft wegen der Spannungen der britischen Beziehungen zu den Burenrepubliken 1859 wieder aufgelöst.

Lesotho als britische Kronkolonie „Basuotland“

Da die Basotho allerdings in den Folgejahren den wiederholten Angriffen der Buren nicht standhalten konnte, schritten die Briten erneut ein, um eine drohende Niederlage abzuwehren. 1868 wurde das Gebiet als „Basutoland“ schließlich britische Kolonie und nach dem Tod Moshoeshoes an die Kapkolonie angeschlossen.

Da allerdings dem Basotho-Volk keine Vertretung im Parlament der Kapkolonie gewährt wurde, kam es zu Aufständen gegen die Briten. Die Konflikte führten dazu, dass Basutoland 1884 als Kronkolonie direkt unter britische Verwaltung gestellt wurde. Nach einer Verwaltungsreform im Jahr 1938 wurden die Zahl der Stammeshäuptlinge sowie deren Machtfülle stark reduziert. Mit zunehmender Verstädterung sowie Verbesserung der Bildung nahm in den folgenden Jahrzehnten aber auch der Einfluss des Königshauses deutlich ab.

Lesotho wird 1966 unabhängig

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Streben nach Unabhängigkeit an Fahrt auf. 1959 wurde eine erste Kolonialverfassung unterzeichnet. 1960 kam es im Jahr der Krönung von König Moshoeshoe II. zu ersten freien Wahlen. Bei den Wahlen von 1965 gewann die BNP (Basotho National Party), welche Basutoland ein Jahr später unter dem Namen Lesotho in die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich führte. Als Staatsform wurde die konstitutionelle Monarchie festgelegt.

Allerdings kam es in den Folgejahren immer wieder zu heftigen Auseinandersetzung der unterschiedlichen Partien. Da Lesotho die Anhänger der ANC (der verbotenen Anti-Apartheid-Partei) unterstützte, wuchs auch der Druck Südafrikas und Moshoeshoe II. musste ins Exil fliehen. Sein Amt übernahm 1990 sein Sohn als König Letsie III., der 1993 auch die Entstehung einer neuen demokratischen Verfassung einleitete. Dennoch litt die Regierung auch in den Folgejahren unter großen Staatskrisen. Der aktuelle Regierungschef Moeketsi Majorao hatte das 2020 Amt seines Vorgängers Thomas Thabane übernommen.

Lesotho: Das politische System

Die Staats- und Regierungsform Lesothos ist gemäß der Verfassung von 1993 eine parlamentarische Monarchie mit einem Zweikammernparlament. Der Premierminister ist der Vorsitzende der Regierung und des Kabinetts. Er hat zudem die ausführende Gewalt inne. Der König hat eine repräsentative Funktion. Obwohl ihm die aktive Teilnahme am politischen Geschehen untersagt ist, gilt er dennoch als Teil der Exekutive. Die Monarchie ist erblich, allerdings ist auch eine Absetzung des Königs durch den Rat der Barena möglich.

Die Gesetzgebung liegt in den Händen des Parlaments, welches sich aus dem Senat (Oberhaus) und der Nationalversammlung (Unterhaus) zusammensetzt. Der Senat besteht wiederum aus 33 Mitgliedern, von denen 22 Stammeshäuptlinge des Landes sind. Die Mehrheit der Mitglieder vererbt ihren Sitz im Senat an ihre Nachfahren weiter. Die Nationalversammlung wird dagegen direkt vom Volk gewählt.

Lesotho: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Maseru
  • Amtssprache: Sesotho und Englisch
  • Fläche: 30.355 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 2,1 Millionen (Stand 2019)
  • Währung: Loti (LSL), Südafrikanischer Rand (ZAR)
  • Verwaltungsgliederung: 10 Distrikte
  • Religion: 90% Christen

Lesotho: Sprachen und Bevölkerung

Lesotho halt zwei Amtssprachen. Die offizielle ist Sesotho, eine Bantusprache, die auch in weiteren Teilen Südafrikas verbreitet ist und auch als Muttersprache von 99 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Englisch als Amtssprache ist noch ein Überbleibsel Lesothos als britische Kronkolonie.

Die weitgehend einheitliche Sprache geht auch auf die ethnische Homogenität des Landes zurück. Die über zwei Millionen Einwohner lassen sich fast vollständig dem südlichen Bantuvolk der Basotho zurechnen. Lesotho ist somit auch eines der wenigen afrikanischen Nationalstaaten, dessen Volk eine gemeinsame Kultur, Identität und Tradition besitzt.

Lesotho: Geografie und Städte

Lesotho ist nicht nur ein Binnenstaat, sondern auch wie San Marino oder Vatikanstadt, eines der wenigen Länder weltweit, die komplett von nur einem Staat – in diesem Fall Südafrika – umschlossen sind. Der westliche Teil des Landes liegt auf einem Hochplateau, das etwa 1.400 bis 1.700 Meter über dem Meeresspiegel liegt und das Hauptsiedlungsgebiet des Landes ist. Der östliche Teil ist von Bergen durchzogen, die teilweise über 2.000 Meter hoch sind. Da es im ganzen Land keinen Punkt gibt, der niedriger als 1.000 Meter liegt, trägt Lesotho den Beinamen „Königreich im Himmel.“

Aufgrund der geographischen Begebenheit ist die Bevölkerung ungleich über das Land verteilt. Weit über zwei Drittel der Menschen leben in den tieferen westlichen Landesteilen, wo sich auch die fruchtbareren Gebiete des Landes befinden. Der größte Ballungsraum bildet die Hauptstadt Maseru und deren Umland.

Die größten Städte Lesothos im Überblick:

  • 1 Maseru: 330.760 Einwohner, Region Maseru
  • 2 Teyateyaneng: 61.475 Einwohner, Region Berea
  • 3 Maputsoe: 55.541 Einwohner, Region Leribe
  • 4 Mohale’s Hoek: 40.040 Einwohner, Region Mohale’s Hoek
  • 5 Mafeteng: 39.754 Einwohner, Region Mafeteng
  • 6 Hlotse: 38.558 Einwohner, Region Leribe
  • 7 Butha-Buthe: 35.108 Einwohner, Region Butha-Buthe
  • 8 Quthing: 27.314 Einwohner, Region Quthing
  • 9 Qacha’s Nek: 15.917 Einwohner, Region Qacha’s Nek
  • 10 Thaba-Tseka: 15.248 Einwohner, Region Thaba-Tseka
  • 11 Mokhotlong: 12.940 Einwohner, Region Mokhotlong
  • 12 Smonkong: 7.856 Einwohner, Region Maseru

Lesotho: Wissenswertes zum Land

Lesotho gehört gemessen am Pro-Kopf-Einkommen zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Arbeitslosenquote ist hoch und ein Großteil der Bevölkerung ist direkt in der Landwirtschaft tätig, in der vor allem die Viehwirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Dennoch hatte das Land auch immer wieder unter enormen Hungersnöten (zuletzt 2012) stark zu leiden.

Nach wie vor ist auch die hohe AIDS-Rate eines der großen demographischen Probleme des Landes. Im Jahr 2017 waren rund 24 Prozent der 15- bis 49-Jährigen mit dem HI-Virus infiziert. Dies ist nach Eswatini die zweithöchste Rate weltweit. Durch die enorme Ausbreitung des Virus hat sich auch das Bevölkerungswachstum stark verlangsamt. Ausschlaggebend ist aber auch die mangelnde Aufklärungspolitik der Regierung. Hinzu kommt, dass das Gesundheitswesen unter einem enormen Personalmangel leidet. Daneben ist auch Tuberkulose noch weit verbreitet.

Einzigartig ist jedoch aufgrund der Historie des Landes die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelte Sesotho-Kultur, deren traditionelles Zentrum das Dorf ist. Hier gelten feste Strukturen mit traditionellen Bräuchen, die einen Gegensatz zum städtischen Leben bilden. Das Symboltier ist das Basotho-Pony – es gilt als das wichtigste Transportmittel in den Bergen und ist bereits seit dem 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des dörflichen Alltags.

Kommentare