„Letzte Nacht war wirklich brutal“ – Flammeninferno am Vesuv wütet weiter
VonMartina Lippl
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Am berühmten Vulkan Vesuv wütet seit Tagen ein gewaltiges Feuer. In der Nacht auf Montag breitet sich der Brand extrem aus.
Neapel – Die Situation am Vesuv bleibt weiter kritisch. Die Feuerfront an den Hängen des Vulkans rückt weiter vor. Canadair-Löschflugzeuge und Hubschrauber des regionalen Zivilschutzes sind ununterbrochen im Einsatz. Militärfahrzeuge unterstützen die Löscharbeiten. Verstärkung ist inzwischen vor Ort eingetroffen. Weitere Teams aus ganz Italien werden erwartet. Besonders dramatisch war die Lage in der Nacht auf Montag (11. August).
„Bei Einbruch der Dunkelheit war alles unter Kontrolle, aber innerhalb einer Stunde wussten wir nicht, was los war. Das Feuer brach sofort wieder aus, mit sehr hohen Flammen. Und wir befürchteten wirklich das Schlimmste“, sagte Raffaele De Luca, Präsident des Vesuv-Nationalparks ( Parco Nazionale Vesuvio) der italienischen Zeitung Repubblica.it.
Feuerfront am Vesuv flammt in der Nacht auf
Gerade als es schien, dass der Waldbrand eingedämmt war, gewann die Feuerfront am Vesuv über Nacht an Stärke. Flammen loderten auf und bedrohten Häuser in den Gebieten Tercase und Torre del Greco. „Die Flammen sind extrem hoch und innerhalb einer Stunde haben wir den Überblick verloren“, schildert De Luca die kritischen Momente.
Wind fachte das Feuer auf der Matrone-Seite erneut an, gerade als die Löschfugzeuge wegen der Dunkelheit nicht mehr aus der Luft eingreifen konnten. Gegen drei Uhr habe es eine Konferenz gegeben, ob Häuser evakuiert werden müssten. „Die Lage ist jetzt ruhiger. Aber die letzte Nacht war wirklich brutal“, so De Luca. Dank Einsatz der Canadairs und andere Rettungsfahrzeuge sei die Lage inzwischen wieder unter Kontrolle.
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Feuer am Vesuv im Golf von Neapel – aktuell drei Brandherde aktiv
Aktuell sind drei Brandherden aktiv, berichtet rainews.it: im Valle del Gigante in Richtung Monte Somma, an der Südseite des Vulkankraters und im Gebiet Vicinale.
Die Staatsanwaltschaft Nola eröffnete der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zufolge ein Ermittlungsverfahren zur Brandursache. „Es scheint schwierig, dass ein Feuer dieser Größenordnung – drei Kilometer Brandfront, über 500 zerstörte Hektar – nicht auf menschliches Handeln zurückzuführen ist.“
Feuer am Vesuv vernichtet auch wertvolle Weinberge
Die Flammen vernichteten bereits 500 Hektar Vegetation an den Hängen des Vesuv. Darunter die wertvollen Weinberge des berühmten Lacryma Christi, aber auch die Ernte anderer lokaler Spezialitäten wie der Piennolo-Tomaten und Pellecchiella-Aprikosen, erklärte Valentina Stinga, Präsidentin von Coldiretti Napoli auf Facebook. Der Landwirtschaftsverband spricht von einer „riesigen Katastrophe“.
Die riesige Rauchsäule am Vesuv ist sogar vom Weltraum aus sichtbar. Auf Satellitenbilder ist zu sehen, wie eine lange weiße Fahne vom Vulkan am Golf von Napoli aufsteigt. Dabei erschütterte schon Anfang des Jahres eine Serie von Erdbeben die Mittelmeer-Region: Es bebte am Vesuv und Ätna. (ml)