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Zwar ist Feinstaub mikroskopisch klein, richtet mitunter aber großen Schaden im Körper an. Ein Lungenarzt erklärt, wer besonders vorsichtig sein sollte.
München– Immer wieder tauchen solche Bilder aus den Metropolen der Welt auf: Hochhäuser, die in dichten Smog gehüllt sind, unzählige Fahrzeuge, die sich durch verqualmte Straßen quälen. Solche Szenarien sind in Europa eher selten. Dennoch zog kürzlich aufgrund der Wetterlage eine Smog-Wolke aus Polen über Deutschland. Eine sich bewegende Ansammlung von Schadstoffen in den unteren Luftschichten – gesundheitsschädlicher Feinstaub, den wir einatmen. Ein Lungenfacharzt klärt im Gespräch mit IPPEN.MEDIA über mögliche Auswirkungen auf den Körper auf.
Erst kürzlich erinnert eine Nachricht aus Bangkok, Thailand, an die Tragweite, die Luftverschmutzung annehmen kann. Dort mussten kürzlich sämtliche Schulen geschlossen werden, da eine dichte Smog-Glocke über der Millionenstadt hing. Die Feinstaubwerte überstiegen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerte um das 15-fache. Solche Situationen sind seit Jahren in Ballungszentren asiatischer Länder, des Nahen Ostens und in Teilen Afrikas keine Seltenheit.
Lungenfacharzt warnt vor Folgen der Luftverschmutzung: Feinstaubpartikel schädigen die Atemwege
Feinstaub besteht aus winzigen, für das menschliche Auge unsichtbaren Partikeln, die nicht größer als zehn Mikrometer sind – kleiner, als eine Frischhaltefolie dickt ist. Wird dieser als PM10 bekannte Feinstaub eingeatmet, kann er sich in den großen Atemwegen ablagern und Entzündungen hervorrufen, erklärt Prof. Dr. Heinrich Worth, ein Experte für Lungen- und Herzerkrankungen, im Interview.
Eine Untersuchung der Bundesrundfunkanstalt Deutsche Welle zeigte, dass 98 Prozent der Europäer im Jahr 2022 schlechtere Luft atmeten, als die WHO empfiehlt. Der Grenzwert der Gesundheitsorganisation liegt bei fünf Mikrogramm pro Kubikmeter, die im Jahresmittel nicht überschritten werden sollten. Viele europäische Städte erreichen im Jahresdurchschnitt hingegen 25 Mikrogramm.
Obwohl in einigen Regionen Indiens gelegentlich die 100-Mikrogramm-Marke geknackt wird, kann auch die Luftverschmutzung in Europa bereits gesundheitsschädlich sein. Die Untersuchung konzentriert sich auf kleinste Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von maximal 2,5 Mikrometern, bekannt als PM2,5 – vor diesen warnt auch Lungenfacharzt Heinrich Worth.
Feinstaub als Gesundheitsrisiko – eine Folge kann laut Lungenfacharzt der Herzinfarkt sein
Feinstaubverschmutzung entsteht vor allem durch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Emissionen aus dem Straßenverkehr, der Industrie und teilweise auch aus Privathaushalten, die mit Kohle und Brennholz heizen, tragen dazu bei. Auch der bei Flugzeugen verwendete Treibstoff Kerosin verursacht erhebliche Luftverschmutzung. Besonders gefährlich wird es, wenn Partikel kleiner als fünf Mikrometer in den Körper gelangen, erklärt Professor Worth. Das Risiko ist besonders hoch bei den noch kleineren Feinstaubpartikeln PM2,5.
Denn diese Partikel dringen auch in die kleinen Atemwege ein, die höchstens zwei Millimeter im Durchmesser haben, so der Mediziner. Diese Atemwege bilden einen großen Teil des Lungengewebes in den Bronchien und sind für den Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport verantwortlich. „Dort können die Partikel die Schleimhaut schädigen. Sie verursachen Erkrankungen und ein höheres Infektionsrisiko“, erläutert Worth. Die Partikel könnten zudem in die Zellschichten der Blut- und Lymphgefäße, das sogenannte Endothel, eindringen. „Das kann auch zu Einengungen der Herzkranzgefäße und damit zum Herzinfarkt führen.“
8 Millionen Tote wegen Feinstaub: Besonders für Vorerkrankte ist der Kontakt gefährlich
Wenn Partikel winzig genug sind, steht ihnen gewissermaßen alle Wege durch den menschlichen Körper offen. „Wir gehen auch davon aus, dass ein erhöhter, dauerhafter Kontakt mit Feinstaub zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führt“, sagt Worth. Besonders riskant sei dieser Kontakt für Personen mit bestehenden Lungenerkrankungen, hebt er hervor, „etwa Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit COPD“.
Das Rauchen von Zigaretten bleibe weiterhin eine der Hauptursachen für Atemwegserkrankungen. Eine Studie der Non-Profit-Organisation Health Effects Institute, weist darauf hin, dass Luftverschmutzung im Jahr 2021 weltweit 8,1 Millionen Todesfälle verursachte. Über 90 Prozent dieser Fälle standen im Zusammenhang mit Feinstaub. Daher sei Luftverschmutzung der zweitgrößte Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod, nur Bluthochdruck gelte als noch gefährlicher.
Lungenfacharzt Heinrich Worth: So können sich Betroffene vor Smog und Feinstaub schützen
Wer in Gebieten mit schlechter Luftqualität lebt oder von Smog betroffen ist, kann sich durch bestimmte Maßnahmen schützen. Ein Umzug aufs Land könnte eine Option sein, wobei nicht vergessen werden sollte, dass auch die Landwirtschaft zur Luftverschmutzung beiträgt.
Prof. Heinrich Worth empfiehlt, bei hohen Feinstaubwerten wenn möglich im Haus zu bleiben und körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Betroffene sollten bei hohen Temperaturen ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und kleine Mahlzeiten bevorzugen. Ein Mund-Nasen-Schutz mit Filterfunktion könne ebenfalls nützlich sein. Auch im Innenraum sollte man auf die Luftqualität achten: Ein elektronischer Luftreiniger könne helfen, die Schadstoffbelastung zu reduzieren. (smk)
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