VonNatascha Bergerschließen
Vor der Küste Mauis wurde erstmals eine Paarung von zwei Buckelwalen dokumentiert. Bei den Forschenden wirft das Fragen auf – nicht nur, weil es zwei Männchen waren.
Maui – Unweit von der hawaiianischen Insel Maui (USA) wurden erstmals zwei Buckelwale bei der Paarung fotografiert. Das soziale Verhalten von Buckelwalen wird seit Jahrzehnten von Forschenden untersucht. Auch in den Medien lassen sich immer wieder Berichte von ungewöhnlichen Begegnungen mit den Meeresriesen finden.
Doch vor allem, wenn es um das sexuelle Verhalten der Tiere geht, sind viele Fragen noch heute ungeklärt. Umso erstaunlicher sind die Fotos, die nicht nur erstmals die Paarung zwischen Buckelwalen dokumentieren, sondern auch zwei männliche Tiere dabei zeigen.
Forscher äußern Verdacht: Wollte kranker Buckelwal seinem Artgenossen entkommen?
Die faszinierenden Aufnahmen im Pazifischen Ozean wurden bereits vor über zwei Jahren gemacht und nun in einem wissenschaftlichen Journal „Marine Mammal Science“ veröffentlicht. Am 19. Januar 2022 legte ein Schiff mit zwei Fotografen an Bord am sogenannten Molokini-Krater im Pazifischen Ozean an. Der halb-versunkene Krater liegt rund vier Kilometer von der Insel Maui entfernt und gilt als ein beliebtes Ziel für Schnorchelausflüge und Tauchgänge.
Während sich das Boot an dem Krater aufhielt, näherten sich die beiden Buckelwale. Rund 30 Minuten lang konnten die Fotografen Lyle Krannichfeld und Brandi Romano mit ihren Kameras unter Wasser die außergewöhnliche Begegnung festhalten: Einer der beiden Meeresriesen schien krank, wies eine ungewöhnliche bräunliche Hautverfärbung sowie Wal-Läuse auf.
Der zweite Wal verfolgte den abgemagerten Wal bei seinen Umkreisungen um das Boot. Die Wal-Forscher äußern in ihrer Studie den Verdacht, dass der kranke Wal womöglich Schutz suchte, jedoch zu schwach schien, um dem zweiten Buckelwal zu entkommen. In etwa fünf Meter Tiefe dokumentierten die Fotografen, wie der gesunde den kranken Wal mehrmals penetrierte. Zuletzt sorgte der Fund eines uralten Walskeletts aus Peru für Aufmerksamkeit.
Homosexuelle Paarung bei Buckelwalen könnte verschiedene Gründe haben
Homosexuelle Aktivitäten sind in der Unterwasserwelt nicht selten, wie aus der Studie hervorgeht. Ähnliche Beobachtungen konnten bereits beispielsweise bei Walrossen, Delfinarten oder Robben gemacht werden. Paarung ohne reproduktive Zwecke können bei den Meeressäugern verschiedene Gründe haben. Etwa versuchen die Tiere so, Fortpflanzung zu üben und lernen, eine gewisse Dominanz unter Artgenossen zu etablieren, soziale Spannungen loszuwerden oder Allianzen zu binden.
Im Fall der beiden Buckelwale vor Maui nehmen die Forscher an, dass der gesunde Wal mit der sexuellen Handlung entweder seine Dominanz gegenüber dem verletzten Artgenossen beweisen oder eine soziale Beziehung aufbauen wollte. Auch ungewöhnliche Kreuzungen im Tierreich kommen häufiger vor, als angenommen – in den USA soll ein Hai einen Stachenrochen geschwängert haben.
Hawaiianische Inseln als Paradies für Walbeobachtungen
Hawaii ist ein beliebter Ort für Walbeobachtungen – ob für Touristen oder Forscher. Von Dezember bis Mai zieht es Buckelwale vom Golf von Alaska in die seichten und wärmeren Gewässer vor der Inselgruppe. Schätzungen zufolge kehren zwei Drittel der gesamten Buckelwalpopulation in diesen Monaten nach Hawaii zurück, um dort ihre Kälber zu gebären und großzuziehen.
Aus diesem Grund haben sich viele Forschungsgruppen seit den 1960er Jahren auf Hawaii darauf spezialisiert, das Sozialverhalten der 45 Tonnen schweren Tiere zu untersuchen. Um jedoch vor allem das Sexualverhalten der Buckelwale besser verstehen zu können, brauche es weitere Forschungen, heißt es in der 2024 veröffentlichten Studie. (nbe)

