VonJulian Mayrschließen
Eine kleine Ortschaft am beliebten Urlaubssee wird derzeit von einem Noro-Virus-Ausbruch heimgesucht. Die Anwohner kritisieren die späte Warnung.
Update vom 2. Juli, 10.12 Uhr: Mittlerweile werden immer mehr Fälle registriert. Der ADAC spricht von 900 Menschen, die mit typischen Norovirus-Symptomen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Darunter laut Medienberichten auch ausländische Touristen.
Offenbar verbreitet sich das Virus über das Leitungswasser. Deshalb hat der Urlaubsort Torri del Benàco reagiert: Leitungswasser soll nicht mehr verwendet werden – auch nicht zum Kochen oder Putzen. Diesen Rat gibt der ADAC jetzt an Urlauber weiter. Die Bevölkerung wird mit Wasserflaschen versorgt, Touristen sollen sich in Supermärkten eindecken.
Die Symptome des Norovirus:
- Erbrechen
- Übelkeit
- Bauchkrämpfe
Hunderte Menschen im Krankenhaus: Norovirus-Ausbruch in Urlaubsparadies am Gardasee
Erstmeldung vom 30. Juni, 6.16 Uhr: Torri del Benàco – Etwas nördlich von Bardolino liegt das beschauliche Torri del Benàco. Die 3000-Seelen-Gemeinde am Ostufer des Gardasees ist eigentlich ein idyllisches Örtchen. Eigentlich. Denn zurzeit ist Torri del Benàco von einer gesundheitlichen Krise betroffen. Ein Magen-Darm-Virus hat sich in der Bevölkerung breit gemacht.
Hunderte Menschen am Gardasee wegen schweren Magen-Darm-Beschwerden im Krankenhaus
Berichten der Tageszeitung La Repubblica zufolge wurden in den vergangenen Tagen Hunderte von Menschen mit Anzeichen einer akuten Gastroenteritis in das Krankenhaus von Peschiera del Garda eingeliefert. Die Symptome reichen von Erbrechen und Übelkeit bis hin zu Bauchkrämpfen und Fieber. Die Gesundheitsbehörden kamen zu dem Schluss, dass die hohe Anzahl von Erkrankungen in der kleinen Gemeinde kein Zufall sein könne
Schnell wurde der Schuldige identifiziert: ein Norovirus, das laut Medienberichten in mehreren Stuhlproben von betroffenen Personen nachgewiesen wurde. Wie Il Giornale berichtet, haben zwischen 200 und 300 Menschen über starke Beschwerden geklagt, die bis zu 60 Stunden anhalten können. Ein ähnlicher Ausbruch von Noroviren führte vor einigen Monaten auch in Deutschland während eines Frühlingsfestes zu zahlreichen Erkrankungen.
Nutzung von Leitungswasser eingeschränkt – Quelle der Verunreinigung noch unbekannt
Das Virus verbreitet sich durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel. Die Wasserversorgung der betroffenen Gemeinde am Gardasee wird als Ursprung des Massenausbruchs vermutet. Aus diesem Grund hat der Bürgermeister von Torri del Benàco, Stefano Nicotra, eine Verordnung erlassen, die die Nutzung des Trinkwassers für den üblichen Gebrauch untersagt. „Nicht für den persönlichen oder alimentären Gebrauch verwenden, bis eine weitere Mitteilung erfolgt“, postete Nicotra auf Facebook.
Die Einwohner wurden aufgefordert, nur abgefülltes Wasser zu verwenden und strenge Hygienemaßnahmen einzuhalten. Dazu gehören gründliches Händewaschen und Desinfizieren von Oberflächen. Um die Verbreitung des Virus zu verhindern, wurde die Wasserleitung vorsorglich mit Chlor desinfiziert.
Die genaue Quelle der Kontamination ist jedoch noch unklar und wird derzeit in Labortests untersucht. Es wird vermutet, dass der jüngste Anstieg des Wasserspiegels im Gardasee zu einer Verunreinigung geführt haben könnte, heißt es in der Repubblica. Erst kürzlich musste ein beliebter Strand am Gardasee wegen einer Bakterienkontamination geschlossen werden.
Anwohner Torri del Benàco verärgert über späte Warnung „Fühle mich nicht ausreichend geschützt“
Viele Einwohner äußerten ihren Unmut darüber, dass die Behörden erst spät über die Kontamination informiert haben. „Warum haben die Behörden bis heute (Anm.: Freitag, 28. Juni) gewartet, bevor sie uns gewarnt haben?“, meinte eine betroffene Bewohnerin gegenüber dem Corriere del Veneto. Sie fügte hinzu: „Ich bin sehr verärgert und fühle mich nicht ausreichend geschützt. Wäre ich nicht in die Apotheke gegangen, hätte ich nichts erfahren.“
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Eine andere Frau, die erst am Donnerstag (27. Juni) mit ihrem neugeborenen Kind nach Hause gekommen war, berichtete Ähnliches. „Zum Glück hat mich der Nachbar gewarnt und ich habe es vermieden, Leitungswasser zu benutzen, aber mein Partner, der in diesen Tagen zu Hause war, hatte Durchfall und Übelkeit“, erzählte sie der Regionalausgabe des Corriere della Sera. Einige Betroffene berichteten, dass sie bereits seit längerem unter den Symptomen leiden. Eine Frau sagte, in ihrer Familie gebe es schon seit etwa zehn Tagen Beschwerden.
„Halbe Ortschaft“ betroffen - Jüngste Noro-Virus-Ausbrüche nach zwei Wochen unter Kontrolle
Auch in den Gastbetrieben herrscht Unzufriedenheit: „Wir informieren die neuen Gäste, aber wir wissen nicht, wie wir mit den kommenden Gästen umgehen sollen“, äußerte eine Hotelbetreiberin gegenüber dem Corriere. „In der Apotheke sagen sie, dass die halbe Ortschaft Magen-Darm-Beschwerden hat. Wir geben den Touristen zwei Flaschen Wasser und empfehlen, das Leitungswasser nicht zu nutzen“, erklärte der Betreiber einer anderen Unterkunft.
Es bleibt unklar, wie lange die gesundheitliche Krise noch andauern wird. Bei einem früheren Norovirus-Ausbruch in anderen Regionen wie der Lombardei im Frühjahr dieses Jahres dauerte es etwa zwei Wochen, bis die Situation unter Kontrolle war. Groß ist auch die Sorge am Gardasee vor der tropischen Krankheit Dengue. (jm)
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