Abbruch war Frage der Zeit

Er ist halb so groß wie Hamburg: Großer Eisberg bricht von Antarktis-Schelfeis ab

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Ein gewaltiger Eisberg bricht von der Antarktis ab. Wissenschaftler sind jedoch nicht überrascht.

Antarktis – Ein massiver Eisberg hat sich vom Brunt-Schelfeis in der Antarktis gelöst, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten. Der Eisberg misst die Hälfte der Größe Hamburgs – laut Expertinnen und Experten ist der Abbruch aber nicht auf den Klimawandel zurückzuführen.

Riesiger Eisbrocken löst sich in der Antarktis

Das Brunt-Schelfeis, das eine Dicke von 150 Metern aufweist, hat einen Eisberg mit einer Fläche von 380 Quadratkilometern freigegeben, was in etwa der Größe der britischen Insel Isle of Wight entspricht. Dies teilte die Forschungsorganisation British Antarctic Survey (BAS) mit. Es handelt sich dabei um den dritten Abbruch in diesem Gebiet innerhalb der letzten vier Jahre.

Was ist Schelfeis?

Schelfeis bezeichnet eine Eisplatte, die auf dem Meer schwimmt und von Gletschern, Eisströmen und Eiskappen gespeist wird. Die Eisplatte ragt mindestens zwei Meter über den Meeresspiegel und ist zwischen 200 und 1000 Metern dick. Schelfeis hat einen wichtigen stabilisierenden Einfluss auf den Rest des antarktischen Eisschildes. 

Allerdings wird betont, dass der nun stattgefundene Abbruch wahrscheinlich nicht im Zusammenhang mit dem Klimawandel steht. Im Oktober 2023 äußerten Wissenschaftler trotzdem ihre Sorge, dass mehr als vierzig Prozent der Antarktis-Schelfeisflächen in den letzten 25 Jahren geschrumpft seien, was den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen könnte.

Eine von der britischen Forschungsstation British Antarctic Survey veröffentlichte Satellitenaufnahme zeigt, wie ein Eisberg vom Brunt-Eisschelf der Antarktis abbricht.

Zwei Risse treffen in Antarktis aufeinander – Riesiger Eisberg löst sich

Schon vor einigen Wochen war ein 14 Kilometer langer Riss im Schelfeis aufgetreten – in einem rechten Winkel zu einem bereits existierenden Riss, der „Halloween-Riss“ genannt wird. Dadurch war der Abbruch des Eisbergs nur eine Frage der Zeit. Dass sich Eisberge vom auf dem Meer schwimmenden Schelfeis lösen, gehört grundsätzlich aber zu den natürlichen Vorgängen in der Antarktis.

„Dieses Kalben wurde seit dem Auftreten des Halloween-Cracks vor acht Jahren erwartet und reduziert die Gesamtfläche des Schelfeises auf die kleinste Ausdehnung seit Beginn der Überwachung“, erklärte der Forscher Oliver Marsh. Der Begriff „Kalben“ bezeichnet das Abbrechen großer Eismassen von Gletschern, die im Meer oder in Binnengewässern enden. Festgestellt wurde der Zustand durch eine Analyse von GPS-Daten. Seit seiner Feststellung arbeitet sich der Halloween-Riss beständig weiter durch das Eis.

Forscher versetzten Station vorsorglich weiter ins Land hinein

Bereits vor etwa zehn Jahren hatten BAS-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler große Risse im Eis in dieser Region entdeckt. Als Reaktion darauf wurde die britische Forschungsstation Halley 2016 vorsorglich etwa 20 Kilometer weiter ins Inland verlegt, um bei weiteren Abbrüchen nicht gefährdet zu sein.

Während des antarktischen Sommers, von November bis März, sind Forscher vor Ort tätig. In den restlichen Monaten wird die Region mit Hilfe von Satellitenbildern der Weltraumorganisationen Esa und Nasa sowie dem deutschen Satelliten „TerraSAR-X“ überwacht. (dpa/jh)

Rubriklistenbild: © Britsh Antarctic Survey/dpa/picture alliance

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