Vorfall am Hauptbahnhof

Messerangriff in Hamburg: Augenzeugin dachte, die Frau „schafft sich Platz“

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Viele Augenzeugen der blutigen Tat konnten das Geschehen erst nicht einordnen.

Hamburg - Während die Tatverdächtige der Messerattacke vom Hamburger Hauptbahnhof am Samstag (24. Mai) dem Haftrichter vorgeführt werden soll, kämpfen Ärzte um das Leben vier ihrer Opfer. Laut der Hamburger Polizei wurden bei der Tat insgesamt 18 Menschen verletzt. Eine junge Augenzeugin des Messerangriffs sagte gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Ich hatte zum Glück keine Kopfhörer drin, deswegen habe ich mitbekommen, wie alle angefangen haben zu schreien. Und dann sind alle weggerannt.“

Die 39-jährige tatverdächtige Deutsche hatte sich bei Ankunft der Polizei Hamburg widerstandslos festnehmen lassen und befindet sich weiterhin in Gewahrsam. Am Freitagabend gegen 18.00 Uhr hatte sie nach bisherigen Erkenntnissen offenbar wahllos auf Passanten eingestochen. Zum Zeitpunkt der Tat war der Bahnsteig der Gleise 13 und 14 stark besucht.

Eine 39-jährige Frau stach offenbar wahllos auf Passanten am Hamburger Hauptbahnhof ein.

Messerangriff in Hamburg: „Da haben meine Knie schon ein bisschen gezittert“

Ein junger Mann konnte das Geschehene zunächst nicht einordnen. Er habe am betroffenen Gleis auf seine Freundin gewartet, die mit dem Zug dort ankommen sollte. Die Tat selbst habe er nicht gesehen und zunächst habe er auch gar nichts gefühlt, doch fügte er hinzu: „Als ich mit meiner Mutter telefoniert hab und erzählt hab, was passiert ist, da haben meine Knie schon ein bisschen gezittert.“ Er habe dann noch weiter auf seine Freundin warten müssen, die als Fahrgast des Zuges nicht aussteigen durfte, solange die Spurensicherung ihre Arbeit verrichtete.

Nach Angaben der Polizei Hamburg hat nun die Mordkommission die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Die bisherigen Erkenntnisse wiesen darauf hin, dass die Frau offenbar allein gehandelt habe. Die Tatwaffe, das Messer, konnte sichergestellt werden. Der Einsatz hatte ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten erfordert. Auch ein Kriseninterventionsteam war vor Ort.

Hamburg - Zeuge der Messerattacke erinnert sich an Vergangenheit in Kriegsland

Die Polizei geht derzeit nicht von einem politischen Motiv hinter der blutigen Tat aus. „Vielmehr haben wir Erkenntnisse, aufgrund derer wir jetzt insbesondere dahingehend ermitteln, ob sie sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben könnte“, so Polizeisprecher Florian Abbenseth. Auch nach Informationen der Bild soll die Tatverdächtige als „psychisch krank“ bekannt gewesen sein. Sie habe bereits Aufenthalte in der Psychiatrie gehabt, so die Bild weiter, darüber hinaus sei sie polizeilich bereits bekannt.

Ein weiterer Zeuge befand sich im Krankenhaus, als die ersten Opfer der Messerattacke dorthin eingeliefert wurden. Er habe „ganz viel Blut“ gesehen und „das hat mich an meine Vergangenheit erinnert“, denn er sei 2013 aus einem Kriegsland nach Deutschland geflohen. Er sei von dem Geschehenen „zutiefst berührt“ gewesen. Er habe versucht dem Freund eines der Opfer Trost zu schenken und ihn umarmt. Seine Freundin, ein junges Mädchen, sei von der Täterin bei der Messerattacke seitlich am Hals verletzt worden. „Ich habe versucht mit ihm zu reden und ihn zu beruhigen, aber ihm geht es natürlich überhaupt nicht gut.“ „Das ist richtig schrecklich“, fügte er hinzu.

18 Verletzte bei Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof: Täterin stach wahllos zu – die Fotos

Messerangriff in Hamburg: Die Polizei ermittelt am Tatort.
Am Freitagabend, dem 23. Mai 2025, kam es am Hamburger Hauptbahnhof zu einem schweren Messerangriff auf dem Bahnsteig von Gleis 13/14. Mehrere Verletzte wurden medizinisch versorgt. © dpa (3)
Eine 39-jährige Frau stach wahllos auf Reisende ein und verletzte dabei insgesamt zwölf Menschen.
Eine 39-jährige Frau stach laut Polizei wahllos auf Reisende ein und verletzte dabei mindestens 18 Menschen. © Georg Wendt/dpa
Einsatzkräfte am Freitagabend in Hamburg. Sechs der Opfer wurden lebensgefährlich, drei schwer und drei weitere leicht verletzt.
Einsatzkräfte am Freitagabend in Hamburg. Sechs der Opfer wurden lebensgefährlich, mehrere schwer und weitere leicht verletzt. © picture alliance/dpa/tv7news
Wegen des Angriffs wurden die Gleise 13 und 14 sowie angrenzende Bereiche des Bahnhofs gesperrt
Wegen des Angriffs wurden die Gleise 13 und 14 sowie angrenzende Bereiche des Bahnhofs gesperrt © Steven Hutchings/dpa
Nach Messerangriff am Hauptbahnhof Hamburg
Von der blutigen Tat ist auf dem Bahnsteig nicht mehr viel zu sehen. Nur einzelne Blutflecken deuten auf die Attacke hin. © Georg Wendt/dpa
Am Hamburger Hauptbahnhof und im öffentlichen Nahverkehr gilt seit Ende 2024 ein Messerverbot.
Eine Sprecherin der auch für Hamburg zuständigen Bundespolizeidirektion Hannover sprach gegenüber AFP von einem Messerangriff „einer weiblichen Person gegen Reisende“. © dpa/News5 / René Schröder
Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei am Hamburger Hauptbahnhof.
Nach dem schockierenden Vorfall in Hamburg forderte der Vorsitzende der Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) nun flächendeckende Kontrollmöglichkeiten an Bahnhöfen.  © IMAGO/Breuel-Bild
Das Großaufgebot der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei am Hamburger Hauptbahnhof.
Eine Augenzeugin des Messerangriffs berichtete laut Hamburger Abendblatt: „Ich hatte zum Glück keine Kopfhörer drin, deswegen habe ich mitbekommen, wie alle angefangen haben zu schreien. Und dann sind alle weggerannt.“  © IMAGO/Breuel-Bild
Nach dem Messerangriff am Hamburger Hauptbahnhof geht die Polizei derzeit nicht von einer politischen Motivation aus. Dafür gebe es bislang keine Hinweise, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth.
Nach dem Messerangriff am Hamburger Hauptbahnhof geht die Polizei derzeit nicht von einer politischen Motivation aus. Dafür gebe es bislang keine Hinweise, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth. © Georg Wendt/dpa
Am Hamburger Hauptbahnhof und im öffentlichen Nahverkehr gilt seit Ende 2024 ein Messerverbot.
Am Hamburger Hauptbahnhof und im öffentlichen Nahverkehr gilt seit Ende 2024 ein Messerverbot. (Archivfoto) © Jonas Walzberg/dpa
Nach bisherigen Informationen handelte es sich wohl um eine Einzeltäterin, die sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben könnte.
Nach bisherigen Informationen handelte es sich wohl um eine Einzeltäterin, die sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben könnte.  © Georg Wendt/dpa
Nach aktuellem Ermittlungsstand soll eine 39-jährige deutsche Staatsbürgerin zunächst auf dem Südsteg des Hauptbahnhofs mit einem Messer hantiert haben, bevor sie auf dem Bahnsteig der Gleise 13/14 Reisende attackierte.
Nach aktuellem Ermittlungsstand soll eine 39-jährige deutsche Staatsbürgerin zunächst auf dem Südsteg des Hauptbahnhofs mit einem Messer hantiert haben, bevor sie auf dem Bahnsteig der Gleise 13/14 Reisende attackierte. © IMAGO / BREUEL-BILD
Nach dem Messerangriff am Hamburger Hauptbahnhof wurde der Zugverkehr massiv beeinträchtigt: Es kam zu erheblichen Verspätungen, Umleitungen sowie Teilausfällen im Fernverkehr.
Nach dem Messerangriff am Hamburger Hauptbahnhof wurde der Zugverkehr massiv beeinträchtigt: Es kam zu erheblichen Verspätungen, Umleitungen sowie Teilausfällen im Fernverkehr. © Lukas Müller/dpa
Einsatzkräfte der Polizei an den Gleisen 13 und 14 am Hamburger Hauptbahnhof.
Laut Mitteilung der Deutschen Bahn (DB) hat die Spurensicherung ihre Arbeit mittlerweile abgeschlossen. Bereits in der Nacht zum Samstag seien alle Gleise wieder für den Zugverkehr freigegeben worden. © IMAGO/Breuel-Bild
Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften war im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen und den Tatort zu sichern
Das Motiv der deutschen Tatverdächtigen ist bislang unklar; es wird geprüft, ob sie sich in einem psychischen Ausnahmezustand befand. © dpa/News5 / René Schröder
Die Polizei teilte mit: „Die Mordkommission (LKA 41) hat die Ermittlungen, insbesondere zum Tatablauf und der Motivlage der Tatverdächtigen, aufgenommen. Sie dauern weiter an.“
Die Polizei teilte mit: „Die Mordkommission (LKA 41) hat die Ermittlungen, insbesondere zum Tatablauf und der Motivlage der Tatverdächtigen, aufgenommen. Sie dauern weiter an.“ © Steven Hutchings/dpa
Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften war im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen und den Tatort zu sichern
Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften war im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen und den Tatort zu sichern © Steven Hutchings/dpa
Die Tat am Hamburger Hauptbahnhof ereignete sich auf dem Bahnsteig zwischen Gleis 13 und 14 – normalerweise drängen sich die Menschen hier dicht an dicht. (Archivfoto)
Die Tat am Hamburger Hauptbahnhof ereignete sich auf dem Bahnsteig zwischen Gleis 13 und 14 – normalerweise drängen sich die Menschen hier dicht an dicht. (Archivfoto) © Georg Wendt/dpa
Die Polizei in Hamburg hat ein Hinweistelefon für Angehörige der verletzten Personen eingerichtet. Die Nummer lautet: 040-4286 56789.
Die Polizei in Hamburg hat ein Hinweistelefon für Angehörige der verletzten Personen eingerichtet. Die Nummer lautet: 040-4286 56789. © Lukas Müller/dpa
Insgesamt wurden 18 Personen im Alter zwischen 19 und 85 Jahren verletzt, bestätigt die Polizei. Sieben Personen sollen leichte Verletzungen erlitten haben, sieben weitere seien hingegen schwer verletzt worden. Vier Personen, eine 24-jährige Frau, ein 24-jähriger Mann, eine 52-jährige sowie eine 85-jährige Frau, wurden lebensgefährlich verletzt.
Insgesamt wurden 18 Personen im Alter zwischen 19 und 85 Jahren verletzt, bestätigt die Polizei. Sieben Personen sollen leichte Verletzungen erlitten haben, sieben weitere seien hingegen schwer verletzt worden. Vier Personen, eine 24-jährige Frau, ein 24-jähriger Mann, eine 52-jährige sowie eine 85-jährige Frau, wurden lebensgefährlich verletzt.  © IMAGO / BREUEL-BILD
Nach den bisherigen Ermittlungen gibt es laut Polizei weiterhin keine Anhaltspunkte für eine politische Motivation der Tat. Vielmehr bestünden „sehr konkrete Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Tatverdächtigen“.
Nach den bisherigen Ermittlungen gibt es laut Polizei weiterhin keine Anhaltspunkte für eine politische Motivation der Tat. Vielmehr bestünden „sehr konkrete Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Tatverdächtigen“.  © IMAGO / BREUEL-BILD
Bundeskanzler Friedrich Merz nahm nach dem Angriff Kontakt zu Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher auf. Er zeigte sich bestürzt über die Ereignisse.
Bundeskanzler Friedrich Merz nahm nach dem Angriff Kontakt zu Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher auf. Er zeigte sich bestürzt über die Ereignisse. © dpa (2) / Michael Kappeler / Marcus Brandt
Der Tatort am Tag danach – Markierungen der Polizei sind am Samstag noch zu sehen.
Der Tatort am Tag danach – Markierungen der Polizei sind am Samstag noch zu sehen. © Georg Wendt/dpa
Reisende stehen am Samstag auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 11 und 12, nach dem Messerangriff vom Freitag am Hamburger Hauptbahnhof.
Reisende stehen am Samstag auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 11 und 12, nach dem Messerangriff vom Freitag am Hamburger Hauptbahnhof. © Georg Wendt/dpa
Der Tatort auf dem Bahnsteig 13/14 des Hamburger Hauptbahnhofes einen Tag nach der blutigen Messerattacke.
Der Tatort auf dem Bahnsteig 13/14 des Hamburger Hauptbahnhofes einen Tag nach der blutigen Messerattacke. © IMAGO / BREUEL-BILD

Messerangriff in Hamburg: Augenzeugin dachte, die Frau „schafft sich Platz“

Gegenüber dem Spiegel berichten Augenzeugen, dass das Geschehene zunächst schwer einzuordnen war. „Ich habe Schreie gehört“, erinnert sich eine der Reisenden, dann seien Leute losgerannt. Sie habe eine Frau gesehen, die am Gleis entlanglief. Sie habe gedacht, die Frau „schafft sich mit Armbewegungen Platz, damit sie durch kommt“, so die Zeugin weiter.

Ein Mann neben ihr, der von der Tatverdächtigen getroffen worden sei, habe sich gekrümmt, berichtet die junge Frau gegenüber dem Spiegel weiter. „Dann haben wir das Blut gesehen“, fügte ihr Begleiter hinzu. Dann habe jemand der Frau ein Bein gestellt und sie überwältigt.

Hamburg: Täterin der Messerattacke soll von mehreren Männern gestoppt worden sein

Eine Spiegel-TV-Reporterin, die zum Zeitpunkt der Tat vor Ort war, berichtete, dass mehrere Männer die Person am Boden festhielten. Einige der Augenzeugen sollen geweint haben, doch die Atmosphäre sei ruhig gewesen: „Da war null Panik, keiner hat geschrien, obwohl alle gesehen haben, was passiert ist.“ Die Passanten hätten sich gemeinsam um die Verletzten gekümmert.

Laut Mitteilung der Deutschen Bahn (DB) hat die Spurensicherung ihre Arbeit mittlerweile abgeschlossen. Bereits in der Nacht seien alle Gleise wieder für den Zugverkehr freigegeben worden. Nach dem erschütternden Vorfall in Hamburg forderte der Vorsitzende der Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) nun flächendeckende Kontrollmöglichkeiten an Bahnhöfen. (nana/dpa)

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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